Bundesfreiwilligendienst

Als Bufdi nach Südafrika, um Chamäleons zu schützen

Lea Wowra mit dem Zwerg-Chamäleon.

Lea Wowra mit dem Zwerg-Chamäleon.

Foto: Lea Wowra

Kapstadt.   Lea Wowra war mit dem Bundesfreiwilligendienst in Südafrika und hat ein Chamäleon-Buch geschrieben, um dem Tier zu helfen. Ein Erfahrungsbericht.

„Da liegt noch eins!“ Tammy wirft mir einen traurigen Blick zu. Wir sehen ein weiteres platt gefahrenes Chamäleon. Es ist ein warmer Morgen Anfang Dezember und wir sind auf dem Weg zur Arbeit. Wir – das sind meine beste Freundin Tammy und ich. Wir kennen uns erst seit einem halben Jahr, aber die tägliche gemeinsame Arbeit beim Cape Town Environmental Education Trust in Südafrika hat uns längst eng zusammengeschweißt.


Ich heiße Lea Wowra und absolviere hier meinen Bundesfreiwilligendienst mit „Weltwärts“ – eine Organisation, die sich auf Entwicklungsprojekte konzentriert.

Unser Weg führt durch Grassy Park, einem der Außenbezirke Kapstadts mit mehr oder weniger gutem Ruf. Dabei ist die Gegend – so wie ich sie erlebe – ein friedlicher Ort. Tagsüber tummeln sich hier Menschen, Mofas und Minibustaxis an den Läden und der einzigen Tankstelle. Nachts höre ich nur die Hunde bellen und vereinzelte Schüsse aus einem Nachbarort, wo die Kriminalität höher ist. Auch das ist: Realität.

Was selbst viele Bewohner von Grassy Park nicht wissen: Sie leben unmittelbar neben dem Rondevlei Naturreservat, das neben Stachelschweinen, Antilopen und anderen kleineren Tieren auch eine Herde Flusspferde beherbergt. Tammy und ich waren auf dem Weg zu dem großen See. Ein Weg, der seit einigen Tagen gesäumt ist mit Roadkills: tote Südafrikanische Bunte Zwergchamäleons. Kein Wunder, denn die Autos rasen nur so an den Zäunen des Naturschutzgebietes vorbei. Dabei scheint Paarungszeit zu sein.

Hier in Südafrika arbeite ich mit vielen Kindern und Jugendlichen zusammen, ganz unterschiedlich vom Alter her, aber auch von der Herkunft. Um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken, unternehmen wir Camping- und Tagesausflüge ins Naturreservat. Schöner Effekt: Das stärkt das Selbstvertrauen und stellt die Verbindung zwischen den Kindern der Millionen-Metropole und der Natur her. Mit gerade 19 Jahren darf ich schnell Verantwortung übernehmen und Workshops leiten. Meine Themen: Recycling, Biodiversität, Nachhaltigkeit – aber auch Soziales wie Teamwork.

Die Geschichte von Cammy

In diesem Sommer habe ich mich entschieden, mein eigenes Projekt innerhalb der Organisation auf die Beine zu stellen. Natürlich ging es dabei um die gefährdeten Bewohner von Rondevlei. Ich schrieb und illustrierte eine Kurzgeschichte über das junge Zwergchamäleon „Cammy“. Cammy muss eine vielbefahrene Straße überqueren, um ihren Freund Casper nach der Schule zu besuchen. Schreiben und Zeichnen gehört schon lange zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.

Mit Hilfe der Spenden-Plattform „GivenGain“ gelang es dann auch, die Geschichte drucken zu lassen. Zusammen mit einem kleinen Fakten-Teil über Bunte Zwergchamäleons, deren ökologische Bedeutung sowie die Notwendigkeit zu deren Artenschutz. Andere Kinderbuchautoren ermöglichten mir den Kontakt zu südafrikanischen Verlegern. So veröffentlichte Don Nelson Publishers in Kapstadt mein Buch schließlich und ich konnte mit Cammy „auf Tour gehen“.

Vorlesungen in Grundschulen bin ich ja gewohnt. Aber vor bis zu 300 Kindern?! Man hatte mir vorher 30 gesagt…

Aber alle lauschen der Geschichte von Cammy Chameleons Talenten, Abenteuern und Herausforderungen. Wenn ich danach frage, wer seine bunten Mitbewohner und Nachbarn retten wolle, schießen immer sofort alle Hände in die Höhe.

Kinder von der Idee begeistert

Nach einer meiner Veranstaltungen – ich bin bereits dabei, die Halle zu verlassen – kommt ein kleines Mädchen auf mich zugelaufen. „Ich möchte auch so ein Buch schreiben und dazu malen!“, sagt sie und ihre weit aufgerissenen Augen strahlen. Ich muss lächeln. Genau dasselbe habe ich bei meinem ersten Besuch einer Lesung auch gedacht. „Dann mach das doch“, sage ich und drücke ihre Hand.

>> ZUR PERSON

Die Essenerin Lea Wowra (20) hat ihren Bundesfreiwilligendienst in Südafrika geleistet. Dabei ist das Buch „Cammy Chameleon“ auf Englisch entstanden, für das sie selbst geschrieben, gezeichnet und fotografiert hat.

Zuletzt nahm sie in der Ukraine an einem Videoaktivismus-Workshop teil und ab Herbst wird sie in London zur Uni gehen. Ihre Studienwahl: Internationale Politik- und Sozialwissenschaften, Recht, Wirtschaft und Französisch. Sie sagt: „Es interessiert mich einfach alles!“

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