Einzelhandel

Wie Einzelhändler gegen Online-Handelsriesen kämpfen

Immer mehr Menschen kaufen Waren bequem von zu Hause aus ein. Die lokalen Händler leiden unter dem technischen Wandel.

Immer mehr Menschen kaufen Waren bequem von zu Hause aus ein. Die lokalen Händler leiden unter dem technischen Wandel.

Essen.  Billige Preise beim Online-Kauf erschweren Einzelhändlern das Geschäft. Ausgerechnet eine Internetseite soll nun den lokalen Verkauf antreiben.

Gemütlich am Abend auf der Couch mit einer Tüte Chips in der Hand die neuen Klamotten per Mausklick bestellen. Der Verkauf von Produkten übers Internet hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. Das ist nicht nur bequem, sondern auch günstiger. Gerade Handelsriesen wie Amazon unterbieten die lokalen Händler. Das macht den Einzelhändlern das Leben schwer.

"Einzelhändler müssen ihre Position auf dem Markt durch den Online-Handel neu bestimmen. Oft schließen sie sich dafür als Verbund auf einem Internetportal zusammen", erklärt Martin Lehrer vom Städte- und Gemeindebund NRW.

Vorzüge von Online- und Offlineshopping verbinden

Eine solche Plattform bieten Inhaber Roman Heimbold und seine elf Mitarbeiter mit atalanda, einer im Jahre 2012 gegründeten Internetseite. 700 Einzelhändler aus ganz Deutschland, Bern und Zürich präsentieren hier zurzeit ihre Produkte und können so "die Vorzüge des Online- und Offlineshoppings miteinander kombinieren", heißt es auf der Internetseite. Wie im Geschäft selber, können Kunden die Produkte einsehen und von zu Hause aus auf das Sortiment lokaler Geschäfte zugreifen.

Die bestellten Artikel können sie dann entweder selbst im Geschäft abholen oder die Ware wird noch am selben Tag (bei einer Bestellung vor 16.30 Uhr) nach Hause geliefert, sofern die Bestellung innerhalb der Stadt erfolgt, in der das Geschäft ansässig ist.

Internetseite treibt Menschen in die lokalen Geschäfte

Bestellungen können aber auch deutschlandweit erfolgen. Die Produkte werden dann innerhalb von zwei bis drei Tagen geliefert. Der Rückversand der Artikel ist bis zu 14 Tage nach dem Kauf möglich. "Der Haupteffekt unserer Seite ist oft, dass die Leute die Produkte online sehen und dann ins Geschäft gehen", erklärt Heimbold.

Diesen Effekt spüren auch die Einzelhändler. "Der Verkauf über die Seite ist bisher sehr überschaubar", erklärt Michael Frey, Inhaber der gleichnamigen Buchhandlung in Attendorn. "Uns geht es in erster Linie um Sichtbarkeit, um zu zeigen, welche Produkte und Vielfalt wir vor Ort haben". Auch Ralf Barthel, Inhaber des Weingeschäfts Weinblatt in Dortmund, hatte anfänglich mit Startschwierigkeiten zu kämpfen. "Mittlerweile fängt es aber an, richtig gut zu laufen", sagt er.

Mehr Kunden durch Internetauftritt auch im Geschäft

Die Angst davor, dass sich der Umsatz im Laden selbst kanibalisiert, besteht bei Barthel nicht. Im Gegenteil: Die Anzahl der Kunden im Geschäft sei seit dem Internetauftritt auf atalanda gestiegen: "Manchmal bringt die Leute das Lesen im Internet nicht weiter. Dann kommen sie in den Laden und lassen sich hier nochmal beraten". Er empfiehlt jedem Einzelhändler sein Geschäft nicht nur auf den Offline-Handel zu stützen und sich mit einem eigenen Internetauftritt gegen große Handelsriesen zu stellen. Der Service einer Internetseite werde heutzutage von Kunden sehr geschätzt.

Auch Frey sieht in dem Internetauftritt einen zusätzlichen Nutzen: "Wir haben eine eigene Website für unsere Buchhandlung, jedoch keine für unseren Papiershop. Somit ist der Auftritt auf der Seite für uns ein Mehrwert".

Martin Lehrer betont jedoch, dass auch die Städte den Einzelhandel unterstützen müssen, um lokale Einkaufsmöglichkeiten attraktiv zu halten: "Städte sollten ein schönes Shopping-Ambiente kreieren. Vielleicht Parkbänke mit etwas Grün drumherum und Cafés bauen. Auch die Möglichkeit etwas essen zu können, sollte gegeben sein."

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