Smart City Dortmund

Wie das smarte Dortmund Fahrverbote und Staus vermeiden will

Auch das Beleuchtungssystem des Phoenix-See im Stadtteil Hörde gehört zu den Pilotprojekten von Smart City Dortmund.

Auch das Beleuchtungssystem des Phoenix-See im Stadtteil Hörde gehört zu den Pilotprojekten von Smart City Dortmund.

Foto: dpa Picture-Alliance / Jochen Tack

Dortmund.  Smart City Dortmund will Vorbild für das gesamte Ruhrgebiet sein. Die Digitalisierung soll dabei helfen, Staus und Fahrverbote zu vermeiden.

Stefan Schreiber hält nichts von Fahrverboten oder einer City-Maut in Großstädten. Der Hauptgeschäftsführer der Dortmunder Industrie- und Handelskammer (IHK) ist ganz im Gegenteil davon überzeugt, dass es intelligentere Möglichkeiten gibt, den Schadstoffausstoß von Autos im Stadtverkehr zu reduzieren. Die IHK hat sich deshalb gemeinsam mit der Stadt Dortmund, der Leitstelle Energiewende und dem IT-Spezialisten Cisco aufgemacht, die westfälische Metropole zur Smart City zu entwickeln. „Klima und Mensch sollen davon gleichermaßen profitieren“, sagt Schreiber. Rund 140 Mitstreiter hat er bereits gewonnen. Sie suchen nach Lösungen, wie Ampeln umweltfreundlich geschaltet werden können und Navis den direkten Weg zu freien Parkplätzen weisen, um Suchverkehre zu vermeiden.

„Es geht um sinnvolle Vernetzungen“, sagt der IHK-Manager. Und er hat bereits eine klare Vorstellung, wie schnelle Internetverbindungen den Verkehr im smarten Dortmund steuern könnten. „Wenn ich ins Auto einsteige, um nach Essen zu fahren, zeigt mir das Navi sofort an, in welchen Bereichen die Gefahr besteht, dass die Grenzwerte für Luftverschmutzung überschritten werden“, so Schreiber. Das intelligente System leitet ihn deshalb über Straßen mit besserer Luft und ohne Staugefahr. In Essen angekommen, führt ihn das Navi sogleich zu einem freien Parkplatz mit einer Straßenlaterne, an der er sein Elektroauto ohne Kabel rasch aufladen kann. Nach dem Einkauf kann Schreiber mit gefüllter Batterie wieder den Weg zurück nach Dortmund antreten.

Navi führt Lkw um Wohngebiete herum

Der IHK-Chef ist davon überzeugt, dass Verkehrsleitsysteme dieser Art keine Zukunftsmusik sein müssen. Um Schwerlastverkehr aus Wohngebieten zu halten, hatten IHK, Stadt und die Business Metropole Ruhr GmbH bereits im Jahr 2010 in Dortmund ein Pilotprojekt gestartet. Dabei wurden von der Kommune Lkw-Vorrangrouten erarbeitet und in gängige Navigationssysteme eingepflegt. Inzwischen betreibt das Land NRW das Projekt, an das alle Städte im Ruhrgebiet angeschlossen sind.

Eine smarte Stadt soll nach Schreibers Vorstellung aber nicht nur Fahrverbote und Staus vermeiden. „Wir wollen auch etwas für den Klimaschutz tun“, sagt der IHK-Chef. Über eine Mobilfunkverbindung sollen Straßenlaternen energiesparend in der Nacht erst dann erleuchten, wenn sich der Smartphone-Besitzer nähert. „Der ausgeleuchtete Weg bis nach Hause ist auch ein Sicherheitsaspekt“, meint Schreiber. Und könne vielleicht sogar Leben retten. Wenn der Passant aus Gesundheitsgründen plötzlich nicht mehr weitergehen kann, wird automatisch Alarm ausgelöst.

Schreiber ist bewusst, dass all die technischen Möglichkeiten auch den Persönlichkeits- und Datenschutz tangieren. „Eine smarte Stadt kann deshalb nur auf Basis der Freiwilligkeit funktionieren“, sagt er. Der IHK-Hauptgeschäftsführer hält die Datenschutz-Probleme aber für lösbar. „Viele unserer Autos sind doch ohnehin schon vernetzt“, erklärt Schreiber im Hinblick auf in Fahrzeugen installierte Assistenzsysteme, die einen Unfall an die Feuerwehr melden und bei niedrigem Ölstand direkt einen Termin mit der Werkstatt vereinbaren.

140 Unternehmen beteiligt

Hella, Siemens, HP, Wilo – die Liste der Unternehmen, die dabei mithelfen, Dortmund smarter zu machen, ist lang. „Von unseren Erfahrungen kann das gesamte Ruhrgebiet lernen und profitieren“, sagt Schreiber. „Mit dem Projekt Smart City kann der Regionalverband ein Zeichen setzen, indem sich die Stadtplaner damit beschäftigen.“

Smart City steht auch ganz oben der Vorschlagsliste, die die sechs Industrie- und Handelskammern der Region der Ruhrkonferenz mit auf den Weg gegeben haben. In den nächsten Wochen will das Landeskabinett ausgewählte Leitprojekte beschließen. Schreiber macht einen Vorschlag: „Warum sagt die Ruhrkonferenz nicht, dass sie das Ruhrgebiet von Dortmund bis Duisburg komplett digitalisiert? Was in Dortmund funktioniert, muss doch auf die gesamte Metropole Ruhr übertragbar sein.“

Geht es nach den Kammern, soll das Ruhrgebiet mit Hilfe der Ruhrkonferenz ein digitales Behördenportal aufbauen, das Bürgern mehr Online-Angebote macht. Sie schlagen ein regionsübergreifendes Verkehrssteuerungs- und Baustellenmanagement vor und können sich vorstellen, das Revier als Testraum für neue Mobilitäts- und Antriebskonzepte zu etablieren.

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