Hochtief-Bilanz

Hochtief schreibt Verlust – auch wegen Trumps Iran-Politik

Hochtief-Chef Marcelino Fernandez Verdes bleibt trotz der Verluste optimistisch für die Zukunft des Essener Baukonzerns.

Hochtief-Chef Marcelino Fernandez Verdes bleibt trotz der Verluste optimistisch für die Zukunft des Essener Baukonzerns.

Foto: Bernd Thissen / dpa

Düsseldorf.  Spannungen in der Golfregion belasten Hochtief-Tochter Cimic, Essener mit 206 Millionen Euro Verlust. Warum Konzernchef Verdes Optimist bleibt.

206 Millionen Euro Minus – es ist der erste Verlust, den Marcelino Fernandez Verdes als Hochtief-Chef verkünden muss. Der Spanier spricht von einem „sehr enttäuschenden Ergebnis“, das aus einer Wertberichtigung der australischen Tochtergesellschaft Cimic resultiert. Sie zieht sich auch wegen der politischen Spannungen aus dem Mittleren Osten zurück. Zugleich betont Hochtief, dass es sich um einen Einmaleffekt handle und das Hochtief-Geschäft ansonsten gut laufe. Der operative Gewinn stieg entsprechend um 28 Prozent auf 669 Millionen Euro.

Der Vorstandsvorsitzende des größten Baukonzern Deutschlands ist wie immer zur Bilanzpressekonferenz nach Düsseldorf eingeflogen. Sie findet deshalb direkt im Flughafen statt, damit der spanische Manager abends wieder heim fliegen kann, Fernandez Verdes führt den Essener MDax-Konzern im Wesentlichen von Madrid aus. Wenn es derzeit darum geht, die größten Probleme des Unternehmens vor Ort anzugehen, muss er ohnehin nicht nach Deutschland fliegen, sondern zwei Kontinente weiter nach Australien. Es ist die Hochtief-Tochter Cimic in Down Under, die den ersten Jahresverlust verursacht hat, seit der spanische ACS-Konzern 2011 die Mehrheit an Hochtief übernommen hat.

Teurer Rückzug aus der Golfregion

Cimic musste für den strategischen Rückzug aus der Golfregion gut eine Milliarde Euro auf seine entsprechende Beteiligung in Dubai abschreiben und erlitt 2019 einen Verlust von umgerechnet rund 640 Millionen Euro nach satten Gewinnen im Vorjahr. Weil die australische Tochter stets einen großen Teil des Hochtief-Gewinns ausmachte, riss sie ihren Mutterkonzern mit in die roten Zahlen.

Hochtief wird damit auch zum Verlierer des unter US-Präsident Donald Trump eskalierten Konflikts zwischen den Amerikanern und dem Iran. Nach der Tötung des iranischen Generals Soleimani kommt die Region nicht zur Ruhe, das hemmt Investitionsentscheidungen. Die daraus resultierenden Unsicherheiten für größere Projekte in der Golfregion belasten den Baukonzern BICC aus Dubai, über den Cimic per Minderheitsanteil seinen Fuß in die Region gesetzt hatte.

Nun wollen die Australier diese Beteiligung loswerden und stehen vor einem verlustträchtigen Verkauf. Konzernchef Fernandez Verdes verteidigt diese Entscheidung in Düsseldorf aber ausdrücklich als richtigen Schritt von Cimic, deren Aufsichtsrat er führt. Cimic müsse die Golfregion wegen der verschlechterten Rahmenbedingungen verlassen. Die Hochtief-Beteiligung an den Australiern will er wegen dieses einmaligen Verlustes nicht in Frage stellen, sagte er auf Nachfrage.

Bis auf die rote unterm Strich können sich die Zahlen der 2019er Bilanz sehen lassen. Hochtief steigerte mit seinen weltweit rund 53.000 Beschäftigten den Umsatz währungsbereinigt um rund sechs Prozent auf 25,9 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand kletterte um neun Prozent auf den neuen Rekord von 51,4 Milliarden Euro, vor allem aufgrund des wachsenden Minengeschäfts sowie neuer Dienstleistungs- und Bau-Aufträge. Darunter ein Autobahnprojekt in den Niederlanden, ein Energieversorgungstunnel in London und einige Autobahnen, Fernstraßen und Brücken in den USA. Mit Amerika, Asien und Europa wachsen Fernandez Verdes zufolge alle drei Hochtief-Regionen.

Beteiligung an Mautbetreiber Abertis zahlt sich aus

Erfreulich ist besonders aus Sicht des Mutterkonzerns ACS auch der erhebliche Beitrag aus dem neu geordneten Mautstraßengeschäft, das ein immenser Kraftakt war. Die 20-Prozent-Beteiligung von Hochtief am spanischen Mautstraßenbetreiber Abertis zahlt sich inzwischen aus, 2019 trug sie 122 Millionen Euro zum Ergebnis bei, für das laufende Geschäftsjahr erwartet Fernandez Verdes einen ähnlichen Wert. Durch einen komplexen Deal, mit dem Abertis und der italienische Mautstraßenbetreiber Atlantia zusammengeführt wurden, halten die von der Benetton-Familie beherrschten Italiener nun ihrerseits knapp ein Fünftel der Hochtief-Aktien.

Neue Zentrale in Essen Bekenntnis zur Tradition

Die Hochtief-Aktionäre, allen voran die Konzernmutter ACS als Mehrheitsgesellschafterin selbst, sollen erheblich am gestiegenen operativen Gewinn teilhaben: Fernandez Verdes schlägt als Dividende 5,80 Euro je Aktie für 2019 vor, ein Plus von 16 Prozent zum Vorjahr. Die Prognose für 2020 geht ebenfalls nach oben: Als operativen Gewinn erwartet Hochtief 690 bis 730 Millionen Euro nach den 699 Millionen im abgelaufenen Jahr.

Den geplanten Neubau der Hochtief-Zentrale in Essen nannte der spanischen Konzernchef ein Bekenntnis „zur Zukunft, aber auch zur Tradition“ des Unternehmens. Als einer der größten Infrastrukturkonzerne der Welt brauche Hochtief auch eine „zeitgemäße Zentrale“, die nun am Opernplatz gebaut wird. Sie solle den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen entsprechen und mit dem Gold-Status zertifiziert werden.

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