Elektroauto „Ego“

Ego-Start: So fährt sich das Aachener E-Auto ab 16.000 Euro

Den ersten blauen Ego erhielt der Ministerpräsident: Armin Laschet im Ego.

Den ersten blauen Ego erhielt der Ministerpräsident: Armin Laschet im Ego.

Foto: Roberto Pfeil

Aachen.   Das ungewöhnlich günstige Elektroauto „Ego“ wird an die ersten Kunden geliefert, darunter Armin Laschet. Ein erster Fahrtest fällt positiv aus.

Alle Stolperschwellen hat das kleine Elektroauto made in NRW bisher mit Bravour genommen: von der reinen Idee im Kopf des Aachener RWTH-Professors Günther Schuh über die Entwicklung eines fahrfertigen Prototypen bis hin zum Bau eines eigenen Werks. Nur beim Anlauf der Serienfertigung des Ego Life verzögerte sich die Planerfüllung um ein halbes Jahr. Doch vor der höchsten Hürde steht der 3,35 Meter kurze „Mini-Tesla“ erst jetzt: Mit der Auslieferung der ersten in Serie gefertigten Exemplare muss der Stadtflitzer beweisen, dass er beim Kunden ankommt und die hohen Erwartungen erfüllt.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) kam am Donnerstag überpünktlich zum 2018 eröffneten Ego-Werk und erhielt symbolisch den ersten „Life“ – mit dem CDU-nahen Beinamen „Konrad“ auf der Tür. Der befreundete Professor Schuh musste dem Adenauer-Erben erst die Feinheiten des Startens beibringen, bis sich der blaue Kleinwagen mit dem Kennzeichen AA – MP - 801 durch das Spalier der Arbeiter im Ego-Werk 2 in Bewegung setzte – Applaus, Applaus.

Der erste „Ego Life“ trägt den Beinamen „Konrad“

Mit dem zu leicht identifizierbaren Nummernschild wird man den MP jedoch nicht auf den Straßen NRW zu sehen bekommen. Und erst einmal muss der betroffene Landespolitiker in Berlin noch darauf achten, dass die im Juli auslaufende Zulassungsprämie für neue Elektroautos wie geplant verlängert wird, vergünstigt sie doch den Life-Listenpreis von 16.000 bis 20.000 Euro um 4000 Euro – also gleich um ein Viertel bis ein Fünftel.

Denn ein Auto für den Massenmarkt ist immer nur so gut wie sein Preis. Tatsächlich hat Ego Mobile es geschafft, den vor zwei Jahren genannten Preisrahmen einzuhalten, was in der Automobilbranche eher untypisch ist. Allerdings richtet sich das auf schlappe 20 Kilowatt und 100 Kilometer Reichweite und 112 km/h Spitzengeschwindigkeit reduzierte Grundmodell nur an Pflegedienste oder automobile Leistungsverweigerer. Der Spaß beginnt bei der mittleren Stufe mit 40 Kilowatt für 18.000 Euro (Reichweite 113 km, Spitze 123 km/h) und endet beim bereits sportlichen Ego Life 60 für 20.000 Euro mit 145 Kilometer Reichweite und 142 km/h Höchsttempo.

Ohne die leistungsfähige Klimaanlage, die auch eine stärkere Heizung umfasst, wird man allerdings im Hochsommer mit dem kleinen Brühwürfel nicht glücklich. Und sie kostet immerhin 1700 Euro. Bei Ego Mobile wird zudem auch die unverschämte branchenübliche Sondersteuer in Form der Auslieferungsgebühr von 700 Euro fällig.

Der Life überzeugte bereits als Prototyp mit erstaunlicher Reife, ebenso als Vorserienmodell. Den guten Eindruck einer durchdachten Konstruktion und hoher Verarbeitungsqualität können die ersten Kundenfahrzeuge bestätigen. Ähnlich gestrickte Vorgänger des Ego Life versagten als Serienfahrzeuge wie der Mia von Heuliez, einem großen französischen Zulieferer. Und die wie viele Elektro-Kleinwagen auch von unzähligen chinesischen Unternehmungen nach Smart-Vorbild raubkopiert werden: Keiner kommt an den Life heran.

Hinten mit Kindersitzhalterung Isofix, aber ohne Airbags

Konzeptionell erinnert der Ego weniger an den zweisitzigen Smart, mehr an den viersitzigen Toyota iQ. Hinten kann man sitzen, muss man aber nicht, ein wahrnehmbarer Kofferraum entsteht erst nach Umklappen der beiden Einzelsitze (mit Kindersitz-Rückhaltsystem Isofix, aber ohne hintere Airbags).

Der Ego Life überragt fast Armin Laschet, und die stolzen 1,58 Meter Höhe sorgen auf den vorderen Plätzen auch für Sitzriesen (Professor Schuh misst zwei Meter) für Komfort. Naturgemäß führt der geringe Abstand zwischen den Achsen von nur 2,20 Meter zu einem holprigen Fahrverhalten auf schlechten Straßen.

Das Bremsverhalten ist tadellos, die Servolenkung mit etwas geringer Unterstützung nur guter Durchschnitt. Herausragend ist der sensationell geringe Wendekreis und bei der stärksten Version die Anfangsbeschleunigung sowie das Gokart-ähnliche Kurvenverhalten. Ungefähr ab Tempo 80 lässt die Beschleunigung nach, oberhalb von 120 km/h wird es zäh. Negativpunkte sind eher Kleinigkeiten wie die nicht höhenverstellbaren Sitze, eine tagsüber schlecht zu sehende Beleuchtung wichtiger Schalter und der eher lieblos angebrachte Deckel des Beifahrer-Airbags.

Wirklich ärgern darf man sich darüber, dass es keine Schnelllademöglichkeit gibt und die Leistungsaufnahme auf 3,6 Kilowatt pro Stunde begrenzt ist. Und es fehlt Ego Mobile ein eigenes Vertriebs- und Wartungsnetz. Die Bosch-Werkstätten sollen den Service übernehmen.

Reichweiten-Angaben sind im Stadtverkehr realistisch

Trotz des Leichtbau-Konzepts mit durchgefärbter Kunststoffkarosserie über einem Aluminiumrahmen aus standardisierten Profilen wiegt auch der Ego Life wegen seiner schweren Batterien mehr als 1100 Kilogramm. Da sind 60 Kilowatt, also 80 PS, eben nicht viel. Nach den ersten Fahreindrücken liegt der Verbrauch bei 13 bis 14 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Im Stadtverkehr sind die angegebenen Reichweiten bei einer Batteriekapazität von mit 14,5 bis 23,5 Kilowattstunden also realistisch, ebenso Ladezeiten je nach Stecker von vier bis zehn Stunden.

Dieses Jahr sollen nur die Fahrzeuge für die gut 3000 Vorbesteller neben Armin Laschet in Aachen gebaut werden, nächstes Jahr je nach Einführung der zweiten Schicht bis zu 15.000 Stück. Der MP hat seinen Konrad den Angaben zufolge selbst bezahlt und kann die E-Autoprämie noch vor Juli beantragen. Sicher ist sicher.

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