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Sorge um Ford in Köln – Ruf nach Ministerpräsident Laschet

Im Kölner Autowerk von Ford drohen massive Einschnitte.

Im Kölner Autowerk von Ford drohen massive Einschnitte.

Köln/Essen.   Große Sorgen um das Ford-Werk in Köln: Autoexperte Dudenhöffer sieht NRW-Ministerpräsident Laschet gefordert.

Der US-Autobauer Ford plant tiefe Einschnitte in seinen europäischen Werken. Von den rund 50.000 Arbeitsplätzen werde „eine beträchtliche Anzahl“ wegfallen, sagte Ford-Europachef Steven Armstrong. In Deutschland arbeiten etwa 24.000 Menschen für Ford, der Großteil davon in Köln. Derzeit schreibt Ford in Europa rote Zahlen. Der US-Konzern steht unter Druck, nachdem der Rivale General Motors sein Europageschäft mit Opel an die französischen Peugeot-Mutter PSA verkauft hat.

Obgleich noch keine Zahl für den Stellenabbau feststeht, dürfte es auch das Kölner Werk mit seinen rund 18.000 Mitarbeitern treffen. Armstrong verwies auf Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern der einzelnen Standorte. Der Abbau solle sozialverträglich erfolgen, also zum Beispiel mit Altersteilzeit oder Abfindungen. In Köln befinden sich unter anderem die Fertigung des Modells Fiesta und die Europa-Verwaltung des Konzerns.

„Die Lage bei Ford in Europa ist ernst“

„Die Lage bei Ford in Europa ist ernst“, sagte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen. Das Unternehmen steuere „auf unruhige Zeiten“ zu und er rechne mit „gravierenden“ Veränderungen. „Ford hat ein Problem, das sich meiner Einschätzung nach nicht allein durch eine Fabrikschließung lösen lässt“, erklärte Dudenhöffer. „Da die Kölner Ford-Modelle fast nur in Europa verkauft werden, sind die Entwicklungskosten pro Fahrzeug deutlich höher als jetzt bei Opel-Peugeot-Citroen, VW-Skoda-Seat und den anderen. Daher würden Einschnitte in der Produktion nicht ausreichen.“

Die Situation von Ford sei vergleichbar mit Opel vor einigen Jahren. „Opel ist nach der Übernahme durch die Peugeot-Mutter PSA schon einen Schritt weiter“, sagte Dudenhöffer. „Die Autos werden auf einer gemeinsamen Plattform hergestellt – und damit deutlich kostengünstiger als bei Ford. Damit steigt insgesamt der Druck für die Autobauer in Europa, wettbewerbsfähiger zu werden.“

Spekulationen über Kooperation von Ford mit VW

Verschiedene Szenarien seien nun denkbar, etwa eine Zweiteilung des Geschäfts von Ford in Europa durch eine Trennung der Pkw- und der Transportersparte. „VW wird Interesse an einer Kooperation mit der Transportersparte nachgesagt. Denkbar ist auch ein Verkauf eines Bereichs“, erklärte der Autoexperte. „Sollte Ford keinen Kooperationspartner oder Käufer finden, kann man als letztes Mittel auch eine Schließung von Standorten nicht ausschließen.“

Nach der Schließung von Opel in Bochum betreibt Ford in Köln neben Daimler in Düsseldorf eine der beiden großen verbliebenen Autofabriken in NRW. „Auch die Bedeutung des Kölner Ford-Werks für Automobilzulieferbetriebe und Technologiefirmen an Rhein und Ruhr ist groß“, gibt Dudenhöffer zu bedenken.

Ruf nach NRW-Landesregierung

Angesichts der ernsten Lage müsse sich auch NRW-Regierungschef Armin Laschet (CDU) einschalten, mahnte Dudenhöffer: „Die kritische Lage bei Ford ist seit mehr als einem Jahr bekannt. NRW-Ministerpräsident Laschet sollte sich sputen und intensiv mit der Ford-Krise befassen. Der ständige Dialog mit der Konzern-Führung sollte jetzt das oberste Ziel der Landesregierung sein. Ein drohender Rückzug von Ford aus Europa mit erheblichen Konsequenzen für den Standort Köln darf Laschet nicht kalt lassen.“

Auch im Werk Saarlouis strebt das Ford-Management Stellenabbau an. Dort soll die Produktion der Minivans C-Max und Grand C-Max eingestellt werden. Dadurch könnten 1600 Arbeitsplätze wegfallen.

Bereits vor einigen Jahren hatte Ford eine Fabrik in Belgien und zwei Standorte in Großbritannien mit 5700 Beschäftigten geschlossen. Doch mittlerweile befindet sich das Europageschäft von Ford erneut in der Verlustzone. Von besonderer Bedeutung ist für Ford das Geschäft in Großbritannien. Ford-Europachef Armstrong warnte eindringlich vor negativen Folgen durch einen „harten Brexit“.

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