Thyssenkrupp

Laschets Blitzbesuch bei Thyssenkrupp mit klaren Botschaften

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet bei seinem Blitzbesuch in Essen.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet bei seinem Blitzbesuch in Essen.

Foto: dpa/Guido Kirchner

Essen.   NRW-Ministerpräsident Laschet schaltet sich bei Thyssenkrupp ein und stellt klar: Erlöse eines Börsengangs müssen im Unternehmen bleiben.

Als die Dienstlimousine von Armin Laschet vor der Thyssenkrupp-Zentrale hält, laufen hinter verschlossenen Türen noch hitzige Diskussionen. Erst wenige Stunden zuvor ist der Besuch des NRW-Ministerpräsidenten vereinbart worden. Bis tief in die Nacht hinein liefen die Verhandlungen zum nahenden Konzernumbau. An der einen oder anderen Stelle sind dabei Vorstand, Arbeitnehmervertreter und Anteilseigner aneinandergeraten.

Als sich der eilig herangeeilte Ministerpräsident nach einem rund einstündigen Gespräch im Essener Konzernquartier äußert, stärkt er vor allem zwei Akteuren den Rücken: Vorstandschef Guido Kerkhoff und Arbeitnehmervertreter Markus Grolms, der Vize-Aufsichtsratschef ist. „Thyssenkrupp zeigt in diesen Tagen, was gelebte Sozialpartnerschaft und Mitbestimmung in der heutigen Zeit bedeuten“, sagt Laschet. Kerkhoff und Grolms hätten beim geplanten Konzernumbau „Handlungsfähigkeit bewiesen“.

Tags zuvor hatte Thyssenkrupp überraschend die geplante Aufspaltung in zwei Teile abgesagt. Auch die seit Monaten angestrebte Stahl-Fusion mit Tata ist vom Tisch. Stattdessen steht Thyssenkrupp eine harte Sanierung bevor. 6000 Stellen sollen wegfallen – 4000 davon in Deutschland. Für die lukrative Aufzugsparte, die jahrelang als unantastbar galt, ist ein Börsengang geplant. Mit einer neuen Holdingstruktur werden auch weitere Kooperationen mit bisherigen Konkurrenten oder Firmenverkäufe wahrscheinlich.

Das Konzept für Thyssenkrupp, das ihm der Vorstand gemeinsam mit der IG Metall vorgestellt habe, nennt Laschet überzeugend: „Es bietet Zukunftschancen für Thyssenkrupp und für Arbeitsplätze in Nordrhein-Westfalen.“ Es ist eine klare Positionierung des NRW-Regierungschefs.

Als Interessenausgleich zwischen den Interessen von Eigentümern und Arbeitnehmern soll auch eine Grundlagenvereinbarung zum Konzernumbau dienen, die eine Art Vetorecht für die IG Metall vorsieht. Wenn in Zukunft Unternehmen von Thyssenkrupp verkauft oder verselbstständigt werden sollen, müsse in jedem Fall zunächst eine „Fair-Owner-Vereinbarung“ („fairer Eigentümer“) mit der Gewerkschaft getroffen werden, betont Markus Grolms. „Der Umbau von Thyssenkrupp ist leider unvermeidbar“, sagt er. „Mit der Grundlagenvereinbarung sind jetzt aber Standards für den fairen Umgang mit den Beschäftigten festgelegt.“

Thyssenkrupp-Aufsichtsratschefin Martina Merz sieht in der geplanten Neuausrichtung des Konzerns „eine verantwortungsvolle Entscheidung“. In der aktuell schwierigen Situation werde es damit möglich, die Interessen von Mitarbeitern, Kunden und Aktionären „gleichermaßen zu berücksichtigen“. Dass der Aufsichtsrat in seiner Sitzung am 21. Mai den Plänen zuzustimmen wird, darf als Formsache gelten.

Die Vereinbarung von Vorstand und Arbeitnehmervertretern sieht auch vor, dass der geplante Abbau von 6000 Arbeitsplätzen weitgehend ohne betriebsbedingte Kündigungen umgesetzt werden soll. Thyssenkrupp-Personalvorstand Oliver Burkhard bestätigt dies am Wochenende auf seinem Twitter-Account. „Betriebsbedingte Kündigungen wollen wir vermeiden“, schreibt Burkhard, allerdings seien sie in Ausnahmen möglich.

Ministerpräsident Laschet, der Mitglied im Kuratorium des Ankeraktionärs Krupp-Stiftung ist, betont nach seinem Besuch in der Konzernzentrale insbesondere: „Erlöse eines Börsengangs oder aus möglichen Veräußerungen müssen in die Zukunftsfähigkeit von Thyssenkrupp insgesamt investiert werden, damit der überwiegende Teil der Arbeitsplätze gesichert werden kann.“ Augenscheinlich soll so einer möglichen Sonderausschüttung an die Aktionäre – unter ihnen die Krupp-Stiftung und der Finanzinvestor Cevian – ein Riegel vorgeschoben werden.

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