Anti-Kohle-Proteste

RWE-Mitarbeiter fühlten sich durch Dauerlärm enorm belastet

Zwei Greenpeace-Aktivistinnen protestieren in einem abgeschlossenen Container vor der Zentrale von RWE Power.

Zwei Greenpeace-Aktivistinnen protestieren in einem abgeschlossenen Container vor der Zentrale von RWE Power.

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Mit Sirenen demonstrieren Klima-Aktivisten vor RWE-Gebäuden. Betriebsrat: „Verständnis aufgebraucht“. Polizei ermittelt wegen Körperverletzung.

Essen. Mit lauten, nervtötenden Sirenen und provokanten Bannern haben Greenpeace-Aktivisten am zweiten Tag ihre Protestaktionen in und vor RWE-Gebäuden für den Stopp der Braunkohle-Bagger im Rheinland verschärft. Zum Ärger vieler Mitarbeiter der RWE-Kraftwerkstochter Power.

„Unsere Mitarbeiter haben sich bereits gestern von den Aktivisten im Gebäude bedrängt gefühlt. Heute wurden sie einem enormen Lärm ausgesetzt. Mein Verständnis für die Aktion ist aufgebraucht“, sagte Betriebsratschefin Silke Boxberg unserer Zeitung. Sie ist hörbar angefasst, der Tag hat Nerven gekostet. Zum Lärm sei auch noch der Gestank eines Diesel-Aggregats gekommen, mit dem Greenpeace nach eigenen Angaben die Beschallungsanlage mit Strom versorgt hat.

Psychoterror gegen Mitarbeiter in den Essener RWE-Gebäuden Die Polizei beendete den Sirenen-Lärm am späten Nachmittag und ermittelt nun wegen Hausfriedensbruch, Körperverletzung und dem Missbrauch von Notsignalen.

„Mussten Gangart verschärfen“, sagt Greenpeace

„Da der Konzern nicht auf unsere Forderungen eingegangen ist, mussten wir die Gangart verschärfen“, sagte Greenpeace-Klimaaktivist Karsten Smid. Die Umweltorganisation hatte von RWE-Chef Rolf Martin Schmitz gefordert, erste Braunkohlekraftwerke sofort abzuschalten und die Bagger vor dem Hambacher Forst zu stoppen. „Unser Protest geht weiter, bis RWE einlenkt“, kündigte Smid an.

Am Morgen hatten Kletterer an der Fassade der RWE-Zentrale in Altenessen ein Transparent befestigt, das Schmitz mit dem Spruch zeigt: „Eure Zukunft geht mir am Arsch vorbei“, gezeichnet mit „RWE against Future“. Das spielt auf die am Freitag geplante Großdemo der Schülerbewegung Fridays for Future an, zu der in Aachen 16.000 Teilnehmer aus ganz Europa erwartet werden. RWE und auch die Aachener Polizei haben Sorge vor heftigen Auseinandersetzungen, da die radikale Gruppe „Ende Gelände“ auch Aktionen „zivilen Ungehorsams“ plant. Sie will in den Tagebau eindringen und laut Ankündigung auf ihrer Homepage die Versorgung der Kraftwerke mit Braunkohle unterbrechen. Die Polizei will genau das unbedingt verhindern, wie sie vorab erklärte. Zugleich warnte die Polizei insbesondere arglos demonstrierende Schüler vor einer „Strafbarkeitsfalle“, wenn sich die verschiedenen Protestbewegungen im Rheinland vermischten.

Der vor der RWE-Power-Zentrale am Essener Hauptbahnhof platzierte, von innen verschlossene „Klima-Container“, in dem sich zwei Greenpeace-Aktivistinnen seit Dienstagmorgen verschanzt hielten, wurde nach 40 Stunden am Mittwochabend von der Feuerwehr mit der Flex aufgebrochen. Die Aktion in Essen war damit beendet, die Greenpeace-Aktivisten kündigten an, weiter ins Rheinische Revier zu ziehen, wo noch bis zum Samstag verschiedene Aktionen geplant sind.

In Essen hatte Greenpeace von Schmitz gefordert, ein Moratorium für den Abbaustopp zu unterzeichnen. RWE hatte dagegen die Umweltorganisation kritisiert, sie habe den Kohlekompromiss mit unterzeichnet und gefährde ihn nun, indem sie nachträglich zusätzliche Verschärfungen fordere, wie Power-Chef Frank Weigand erklärte.

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