Vorsorge

Henkel startet eigene Pflegeversicherung für Mitarbeiter

Viele Menschen werden im Laufe ihres Lebens pflegebedürftig, doch nur Wenige haben vorgesorgt.

Viele Menschen werden im Laufe ihres Lebens pflegebedürftig, doch nur Wenige haben vorgesorgt.

Düsseldorf/Essen.   Der Düsseldorfer Konzern Henkel will die Beschäftigten über eine eigene Pflegezusatzversicherung absichern. Das Modell gilt als vorbildlich.

Es ist ein bundesweit einzigartiges Modell. Mit einer Pflegezusatzversicherung für die eigenen Mitarbeiter will der Düsseldorfer Konsumgüter- und Chemiekonzern Henkel seine Beschäftigten besser absichern. Das Unternehmen verweist darauf, dass statistisch gesehen jede zweite Frau und jeder dritte Mann in Deutschland im Laufe des Lebens pflegebedürftig wird. Doch die Wenigsten haben nach Einschätzung von Henkel für diesen Fall vorgesorgt.

Durchschnittlich 2400 Euro monatlich müsse ein Pflegebedürftiger in Düsseldorf, wo sich die Firmenzentrale befindet, aus eigener Tasche zum staatlichen Pflegegeld zuzahlen, sagt Kathrin Menges, Personal-Vorstand von Henkel. „Das geht oft nur mit Unterstützung der Familie oder staatlicher Hilfe. Vor dieser hohen finanziellen und emotionalen Belastung möchten wir unsere Mitarbeiter schützen.“

„Neues Kapitel in der betrieblichen Vorsorgelandschaft“

Gemeinsam mit der Gewerkschaft IG BCE hat Henkel („Persil“, „Pritt“, „Pattex“) nun als erstes Unternehmen in Deutschland eine betriebliche Pflegezusatzversicherung entwickelt, die zum Jahreswechsel an den Start gegangen ist. Damit werde „ein neues Kapitel in der betrieblichen Vorsorgelandschaft“ aufgeschlagen, sagt IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis.

Die Versicherung heißt CareFlex und wird von der DFV Deutsche Familienversicherung AG organisiert. Henkel bietet so nach eigenen Angaben allen rund 9000 Mitarbeitern und Auszubildenden in Deutschland eine Basisabsicherung für die ambulante, stationäre und teilstationäre Pflege.

Durch eine Finanzierung über den Tarifvertrag können Mitarbeiter nach Angaben der IG BCE vorsorgen, ohne dass sie während ihrer Beschäftigungszeit bei Henkel einen eigenen finanziellen Beitrag leisten müssen. Zudem ist es möglich, die Absicherung aufzustocken – auch für Ehepartner, Lebenspartner, Kinder, Eltern, Geschwister von Auszubildenden oder Henkel-Pensionäre. Der Versicherungsschutz greift ohne vorherige Gesundheitsprüfung. Bei Austritt aus dem Unternehmen kann die Versicherung privat fortgeführt werden.

„Pflegeversicherung nur Teilkasko-Versicherung“

Bei den meisten pflegebedürftigen Menschen reiche die gesetzliche Versicherung nicht aus, um die Kosten zu decken, gibt die IG BCE zu bedenken. Es entstehe eine „gravierende Finanzierungslücke“, für die das persönliche Vermögen oder die Familie herangezogen werden. „Die gesetzliche Pflegeversicherung ist immer nur Teilkasko-Versicherung“, sagt der Jurist Gregor Thüsing von der Universität Bonn. „Es verbleibt stets ein Eigenanteil, der in den letzten Jahren tendenziell gewachsen ist.“

Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Erwin Rüddel (CDU), hofft auf Nachahmer des Henkel-Modells: „Diese Initiative kann anderen Unternehmen sehr gut als Vorbild dienen.“ Unabhängig davon müsse die Politik „Lösungen finden, um die systembedingten Steigerungen der Eigenanteile“ zu bremsen. Durch zusätzliche und besser bezahlte Pflegekräfte steigen derzeit die Eigenanteile deutlich an – das gelte insbesondere für die stationär versorgten Pflegebedürftigen, sagt Rüddel. Denn während in der Klinik die Pflege voll über die Krankenversicherung finanziert werde, gebe es im Heim nur einen Festbetrag. Die restlichen Kosten müssen Betroffene häufig aus eigener Tasche bezahlen.

Kampf um qualifizierte Fachkräfte

„Das Projekt von Henkel zur Ergänzung der solidarischen Pflegeversicherung scheint mir vorbildlich zu sein“, urteilt der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. „Wir sollten aber auch in der Bundespolitik über die Einführung einer Vollkasko-Pflegeversicherung als Wahlvariante reden.“

Ulrich Goldschmidt, Chef des Essener Führungskräfteverbands DFK, sieht in dem Henkel-Modell auch ein Instrument im Kampf um qualifizierte Beschäftigte. „Solche Angebote erhöhen die Bindungswirkung in einer Zeit der erhöhten Mobilität und Wechselbereitschaft von Mitarbeitern“, sagt er. „Anderen Unternehmen ist zu raten, hier nachzuziehen.“

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben