Bochum

Car Symposium: Elektro-Offensive von Daimler und Co. läuft

Beim Car Symposium: Xenia Wiedenmannott, Adam Fankhauser, Birgit Reuter und Alessandra Schuhmann (von links) von der Hochschule Bochum präsentieren den Solarbuggy.

Beim Car Symposium: Xenia Wiedenmannott, Adam Fankhauser, Birgit Reuter und Alessandra Schuhmann (von links) von der Hochschule Bochum präsentieren den Solarbuggy.

Foto: Lars Heidrich

Bochum.   Autokongress Car Symposium in Bochum: Konzerne wie Daimler, BASF und Aral stellen sich auf eine wachsende Bedeutung der Elektromobilität ein.

Das Elektroauto aus Bochum ist fast fertig. Es trägt den Namen Solarbuggy, und bald soll es in der Wüste von Australien unterwegs sein. Das geländegängige Solar-Fahrzeug ist aus einem studentischen Projekt der Hochschule Bochum entstanden. Die Karosserie ist zwar noch nicht vollständig, aber: „Es fährt“, sagt der 26-jährige Adam Fankhauser, der an der Entwicklung beteiligt ist. Die Idee sei, ein Fahrzeug zu bauen, das ohne Ladesäulen auskommt – also geeignet ist für die Wüste. Nebenbei bemerkt: Auch eine TÜV-Zulassung streben die Bochumer an.

Die Elektromobilität hat viele Facetten. Das wird beim Autokongress Car Symposium im Bochumer Ruhr Congress deutlich. Deutschlands Industrie stellt sich auf einen rasanten Wandel ein – so auch Daimler-Chef Dieter Zetsche. „Die Elektro-Offensive läuft bei Daimler“, sagt er. Ein Beispiel: In diesem Jahr bringt der Autobauer den ersten vollelektrischen Mercedes seiner Marke EQ an den Start.

Ladezeiten sollen sinken

BASF-Chef Martin Brudermüller spricht in Bochum darüber, welche Bedeutung die Elektromobilität für Europas größten Chemiekonzern hat. Aus einem Nischen- habe sich ein Massenmarkt entwickelt, betont er. Insbesondere bei der Herstellung von Batterien für Elektrofahrzeuge spielt die Chemie eine Schlüsselrolle. Die Ladezeiten sollen sinken, die Reichweiten der Fahrzeuge steigen. Gerade in China sei die Entwicklung dynamisch, berichtet Brudermüller. „Wo Wachstum ist, ist auch Wettbewerb“, sagt der BASF-Chef.

Das CAR-Symposium in Bochum hat sich als Branchentreff der Industrie etabliert. Mehr als 1000 Teilnehmer – darunter Manager von Batterieherstellern, Autobauern und Fabrikausrüstern – haben in diesem Jahr über den „Hochlauf der Elektromobilität in Europa“ diskutiert.

Mehrstöckige Tankstellen in Planung

Auch Deutschlands führende Tankstellenkette Aral stellt sich auf rasante Veränderungen ein. „Mit neuen Funktionen kann die Tankstelle der Zukunft zu einem Knotenpunkt in unserem Alltag werden“, erklärt Wolfgang Langhoff, der Europa-Chef des Aral-Mutterkonzerns BP. Neben den bisherigen Angeboten rund um Kraftstoffe, Shops und Autowäsche werden Langhoffs Einschätzung zufolge neue Geschäftszweige an den Tankstellen entstehen: „Ein Zukunftstrend sind beispielhaft Angebote rund um autonome Fahrzeuge.“

Gerade in der Großstadt erwartet BP hierfür eine hohe Nachfrage. „Fahrzeuge von Flottenbetreibern stünden auf Abruf an der Tankstelle bereit und könnten auch dort gewartet und gereinigt werden. Der dafür notwendige Platzbedarf würde durch eine mehrstöckige Bauweise abgedeckt.“

Dudenhöffer sieht Chancen für NRW

Für eine wachsende Zahl an E-Bikes werde es künftig voraussichtlich Batteriewechsel-Automaten an den Tankstellen geben, sagt Langhoff. Für Geschäftsleute seien außerdem Meeting-Räume und mobile Büros denkbar. Auch den Einsatz von Lufttaxis sieht der BP-Europa-Chef als „Teil der Vision für die Großstadt“.

Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen, der das Car Symposium organisiert, betont am Rande der Veranstaltung, die Elektromobilität werde ein „Multi-Milliardenmarkt“. NRW und das Ruhrgebiet haben nach Einschätzung von Dudenhöffer große Chancen, bei den Materialien für die beim Einsatz von Elektrofahrzeugen benötigten Lithium-Ionen-Batterien eine wesentliche Rolle zu spielen.

Hochschulen können mitmischen

„Wichtig bei diesem Thema ist Geschwindigkeit“, betont Dudenhöffer. „Daher wünschen wir uns von der NRW-Landesregierung mehr Unterstützung bei unseren Plänen zur Industrialisierung von Batterie-Materialien. Die Universität Duisburg-Essen sowie die anderen Hochschulen im Ruhrgebiet haben beste Voraussetzungen, dies voranzutreiben.“

Die nächsten Schritte für das Projekt Solarbuggy stehen jedenfalls fest. Im Juli soll das Fahrzeug per Schiff seine Reise nach Australien antreten. Ab Oktober sind Fahrten durch die Wüste geplant.

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