Windrad-Unfälle

Wie Drohnen die Rotorblätter von Windrädern prüfen sollen

Die Rotorblätter von Windrädern könnten künftig mit Drohnen auf Mängel überprüft werden.

Die Rotorblätter von Windrädern könnten künftig mit Drohnen auf Mängel überprüft werden.

Foto: Getty

Mülheim.  Mehrere Unfälle haben eine Diskussion über die Sicherheit von Windrädern ausgelöst. Eine Mülheimer Firma setzt nun auf Wärmebilder von Drohnen.

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Die Windenergie ist auf dem Vormarsch. 140.000 Parks gibt es in Europa, knapp 28. 000 in Deutschland. Nach vier Unfällen mit Windrädern im Januar rückt die Sicherheit der „Spargel“ stärker in den Fokus, zumal die Pionier-Anlagen allmählich in die Jahre kommen. Einmal jährlich müssen sich Fachleute an den gewaltigen Rotorblättern abseilen und die Oberfläche durch „Inaugenscheinnahme“ prüfen. Das Mülheimer Unternehmen iQscan hat ein Verfahren entwickelt, das per Wärmebildkamera an Drohnen oder Hubschraubern – ähnlich wie bei Röntgenaufnahmen – auch Fotos vom Inneren der Rotorblätter liefert.

Walter Maiwald ist Software-Spezialist und betreibt in Mülheim die Beratungsfirma iQbis. Mit dem „Sachverständigen für Windkraftanlagen und Rotorblätter“ Horst Zell hat er ein Verfahren für die „berührungslose Inspektion“ entwickelt. Mit dem Einsatz von Kameras stehen die Mülheimer nicht allein. Zell hat sich aber eine Technik mit Wärmebildern patentieren lassen. Sie ermöglicht die farbliche Darstellung innerer Schäden an Rotorblättern und liefert gleich die Vorlage für etwaige Reparaturen.

Bisher seilen sich Prüfer ab und machen den Klopftest

In den nächsten Monaten sei die Technik marktreif, sagt Maiwald. Beteiligt sind auch Wissenschaftler der Hochschule Ruhr-West Mülheim/Bottrop. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert die Hochschule mit 190 .000 Euro. Der iQscan-Geschäftsführer ist davon überzeugt, dass seine Untersuchungsmethode gründlichere und günstigere Ergebnisse liefert. „Beim Abklopfen steht die Windkraftanlage zwei bis drei Tage still. Unsere Kamera benötigt nur ein bis zwei Stunden“, sagt der Software-Spezialist. Maiwald ist optimistisch, dass die Wärmebilder zudem verlässlichere Daten über den Zustand der Rotorblätter liefern. „Das Abseilen ist gefährlich und die Mitarbeiter können sich nur auf ihre Augen und Ohren verlassen“, sagt Maiwald.

Er zitiert zudem aus einem Urteil des Landgerichts Münster vom April 2015. In einem Schadenersatzprozess folgten die Richter der Argumentation eines Gutachters. „Vielmehr zeigen verschiedene Un­tersuchungen und Tests, dass tief liegende Delaminationen gerade durch Abklopfen nicht ermittelt werden können.“ Delaminationen sind Schäden im Inneren der Rotorblätter, die in der Regel aus zusammengeklebten Glasfaserschichten bestehen, innen Hohlräume aufweisen und bei bis zu 90 Metern Länge ein erhebliches Gewicht auf die Waage bringen.

Kleinste Sandkörner können Schäden verursachen

„Hydrauliköl von defekten Zylindern kann in die Rotorblätter laufen. Das ist sehr aggressiv. Bei den hohen Geschwindigkeiten können auch kleinste Sandkörner zu Schäden führen“, erklärt Maiwald. Bei einer reinen „Inaugenscheinnahme“, wie sie das Deutsche Institut für Bautechnik analog zur Kontrolle von Brücken vorsieht, fielen Unregelmäßigkeiten im Inneren der Rotorblätter aber oft nicht auf.

Beim Bundesverband Windenergie ist der Konflikt bekannt. „Es gibt unterschiedliche Ansichten, ob die Inaugenscheinnahme nicht gründlicher ist als die Auswertung von Fotos einer Drohne“, sagt Sprecher Wolfram Axthelm. Nach seinen Angaben machen die Betreiber der Windanlagen in der Regel Wartungsverträge mit Servicefirmen. Unabhängige Sachverständige müssen alle zwei bis maximal vier Jahre eingeschaltet werden, um die Sicherheit der gesamten Anlage zu prüfen. Die Rotorblätter stehen nach Axthelms Angaben jährlich auf der Prüfliste. Alle neu genehmigten Windräder müssen ei­ne Mindestlebensdauer von 20 Jahren aufweisen.

In Goch testet iQscan gerade ihr Thermografie-Verfahren. Maiwald verhehlt nicht: „Wir suchen noch einen starken Partner.“ Denn eine Wärmebildkamera koste rund 100.000 Euro und iQscan hat das Ziel, europaweit durchzustarten.

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