Kommentar

Wie die Deutsche Bank ihr Vertrauen verspielt hat

 Ein Schild mit der Aufschrift „Kasse“ am Zugang zu einer Tiefgarage nahe der Zentrale der Deutschen Bank.

Ein Schild mit der Aufschrift „Kasse“ am Zugang zu einer Tiefgarage nahe der Zentrale der Deutschen Bank.

Foto: Arne Dedert / dpa

Hamburg  Die Deutsche Bank leidet unter den Sünden der Vergangenheit. Dafür zahlt sie einen hohen Preis. Und schadet außerdem dem ganzen Land.

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Man weiß gar nicht, was schlimmer ist: Dass ein Großaufgebot von Ermittlern die Zentrale des größten deutschen Geldhauses in Frankfurt wegen Geldwäscheversuchs filzen muss – oder dass viele Beobachter auf die neuerlichen Vorwürfe gegen die Deutsche Bank nur noch mit einem Schulterzucken reagieren.

Natürlich gilt auch bei den viel und gern kritisierten Finanzinstituten die Unschuldsvermutung, aber allein der Verdacht fügt sich in ein weitverbreitetes Bild: In den vergangenen Jahren haben immer wieder Skandale Deutschlands Branchenprimus erschüttert. Mit ihrem Fehlverhalten steht die Deutsche Bank zwar nicht allein da, aber die Fülle der Missetaten lässt schaudern.

Deutsche Bank zahlt hohen Preis für ihre Sünden

Ob Geldwäsche, manipulierte Zinssätze oder riskante Hypothekengeschäfte – immer wieder neue Vorwürfe, immer wieder neue Verfahren, immer wieder neue Strafzahlungen. Sie lassen das Institut nicht zur Ruhe kommen. Politiker der Linken schwadronieren schon über einen Entzug der Banklizenz. Das ist absurd, aber es zeigt, wie umstritten das Haus inzwischen ist.

Die Deutsche Bank zahlt einen hohen Preis für ihre Sünden der Vergangenheit: Eine Mischung aus Hybris, Gier und Charakterschwäche hat das Haus, das vor 20 Jahren noch die größte Bank der Welt war, kurz und klein geschlagen. Und auch das gehört zur Wahrheit: Der wohl größte Zerstörer war Josef Ackermann, der die Bank von 2002 bis 2012 führte.

Er hat 2005 das fatale Ziel ausgegeben, eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent zu erzielen. Schon damals kritisierten viele Banker dieses übergeschnappte Ziel, das nur mit extremem Risiko zu erreichen sei. Die Deutsche Bank ist das Risiko eingegangen und muss bis heute dafür zahlen: Sie war in die Subprime-Krise in den Vereinigten Staaten, welche die weltweite Finanzkrise auslöste, mit verwickelt und profitierte dann indirekt von den Staatshilfen, die wankende Banken retteten.

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Ein Großaufgebot von Ermittlern hat am Donnerstag unter anderem die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt durchsucht.
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Neuer Vorstandschef ist nicht zu beneiden

Ackermann war es auch, der die deutsche Politik mit der Aussage brüskierte: „Ich würde mich schämen, wenn wir in der Krise Staatsgeld annehmen würden.“ Heute ginge es der Bank und den Steuerzahlern besser, wenn die große Koalition 2008 die Banken, wie es in den USA geschah, gezwungen hätte, Hilfe anzunehmen. Denn die deutschen Banken haben sich von den Verwerfungen der Finanzkrise bis heute kaum erholt.

Der neue Vorstandschef Christian Sewing ist um seinen Job nicht zu beneiden. Er muss die Trümmer forträumen, die ihm seine Vorgänger hinterlassen haben: Sie haben nicht nur die Bilanz und den Aktienkurs, sondern auch den Ruf ruiniert.

Für die deutsche Wirtschaft ist das gefährlich – denn sie ist auf ein funktionierendes internationales Geldhaus dringend angewiesen. Eine Exportnation ohne weltweit tätige Großbank ist kaum vorstellbar. Das sollte auch die Politik bedenken, die seit Ackermanns Tagen nur noch eine gestörte Beziehung zur Deutschen Bank hat.

„Vertrauen ist der Anfang von allem“

Vielleicht sollte der integre Sewing allen Mitarbeitern ein Zitat des legendären Deutsch-Bankers Hermann Josef Abs (1901–1994) einimpfen: „Gewinn ist so notwendig wie die Luft zum Atmen, aber es wäre schlimm, wenn wir nur wirtschaften würden, um Gewinne zu machen, wie es schlimm wäre, wenn wir nur leben würden, um zu atmen.“

Zurück in die Zukunft? Für viele Branchen ist das der sichere Weg in den Untergang – für die Deutsche Bank der einzige Pfad zum Erfolg. „Vertrauen ist der Anfang von allem“, lautete der Werbeslogan aus einer Ära, als die Eigenkapitalrendite noch nicht 25 Prozent betragen musste.

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Stellvertretender Chefredakteur
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