Warum Wirte früher zusperren

Berlin.   Gastronomen und Hoteliers fühlen sich benachteiligt: von der Politik und bürokratischen Regeln, die ihrer Meinung nach nicht nur den Wünschen von Gästen widersprechen, sondern sogar ihren Mitarbeitern schaden. Wie tief der Frust offenbar sitzt, zeigt eine Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), die dieser Redaktion vorliegt. Der Verband hatte in Hotels und Restaurants gefragt, welche Folgen die Dokumentationspflicht der Ar­beitszeiten im Zuge der Mindestlohneinführung 2015 für die Betriebe habe. Ergebnis: Tausende Hotels und Restaurants schränkten seitdem ihren Service ein.

Gastronomen und Hoteliers fühlen sich benachteiligt: von der Politik und bürokratischen Regeln, die ihrer Meinung nach nicht nur den Wünschen von Gästen widersprechen, sondern sogar ihren Mitarbeitern schaden. Wie tief der Frust offenbar sitzt, zeigt eine Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), die dieser Redaktion vorliegt. Der Verband hatte in Hotels und Restaurants gefragt, welche Folgen die Dokumentationspflicht der Ar­beitszeiten im Zuge der Mindestlohneinführung 2015 für die Betriebe habe. Ergebnis: Tausende Hotels und Restaurants schränkten seitdem ihren Service ein.

54,2 Prozent der gut 6000 Restaurants und Hotelbetriebe, die an der Umfrage teilnahmen, gaben an, ihre Öffnungszeiten reduziert zu haben. 50,4 Prozent haben demnach ihr Angebot – etwa Küchenzeiten, Speisenauswahl, Veranstaltungen, Mittagstisch oder Catering – eingeschränkt, fast jeder dritte Betrieb (32,5 Prozent) die Zahl seiner Ruhetage erhöht.

„Die Arbeitszeitdokumentation und die intensiven Kontrollen haben unserer Branche einen enormen bürokratischen Aufwand beschert“, klagt Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges und berichtet von „großem Frust“ in den Betrieben. In der ländlichen Gastronomie würden auch Umsatzrückgänge beklagt. „Es ist nicht wegzudiskutieren, dass der Mindestlohn die Personalkosten hat steigen lassen“, erklärt Hartges.

Auch die im seit 1994 geltenden Arbeitszeitgesetz festgelegte werktägliche Höchstarbeitszeit von acht Stunden und im Ausnahmefall von maximal zehn Stunden will der Verband abgeschafft sehen – und fordert statt einer täglichen eine wöchentliche Höchstarbeitszeit. Der gesetzliche Höchstrahmen für die Wochenarbeitszeit liegt bei 48 Stunden. „Wir wollen die Gesamtarbeitszeiten nicht verlängern, sondern dann arbeiten lassen, wenn die Arbeit anfällt“, sagt Hartges. Das Arbeitszeitgesetz habe mit der Lebenswirklichkeit nicht mehr viel zu tun.

Auf Arbeitnehmer der Gastronomie und Hotellerie kämen dann Zwölf-Stunden-Tage zu – aber womöglich auch mehr Freiheiten. Als Beispiel nennt die Branche gern Hochzeitsfeiern, die um 1 Uhr trotz bester Stimmung beendet werden müssten, weil der Service nicht länger arbeiten dürfe. „Man könnte Mitarbeiter an drei oder vier Tagen länger arbeiten lassen und dafür mehr freie Tage ermöglichen“, schlägt Hartges vor.

Auch im Bundesarbeitsministerium macht man sich Gedanken über das Arbeitszeitgesetz. Ministerin Andrea Nahles (SPD) kann sich inzwischen vorstellen, am Acht-Stunden-Gerüst zu rütteln. Sie will Firmen demnächst ermöglichen, nach Absprache mit den Tarifpartnern drei Jahre lang vom Ar­beitszeitgesetz abzuweichen.

Grundsätzlich hält das Arbeitsministerium das Gesetz für richtig. Diverse Studien hätten gezeigt, dass das Risiko von Arbeitsunfällen nach sieben bis neun Stunden exponentiell zunehme. Weitere Studien ergäben bei steigender Ar­beitszeit auch höhere Gesundheitsbeeinträchtigungen – bis hin zum Schlaganfall-Risiko.

Insgesamt kann das Nahles-Haus die Klagen nicht nachvollziehen. So sei im Rahmen von zulässiger Sonntagsarbeit, wie es in der Gastronomie oft der Fall sei, unter Beachtung der Ausgleichspflichten eine wöchentliche Arbeitszeit von bis zu 70 Stunden möglich – ohne Sondergenehmigung.

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