Gründerinnen

Arekapak: Aus Palmenblättern werden ökologische Verpackungen

Stabil und trotzdem ökologisch: Alexandra Matthies (l.) und Nicole Plock mit Prototypen ihrer Verpackungen, die sie unter dem Namen Arekapak vertreiben. Ausgangsmaterial sind die Blätter der Arekapalme.

Stabil und trotzdem ökologisch: Alexandra Matthies (l.) und Nicole Plock mit Prototypen ihrer Verpackungen, die sie unter dem Namen Arekapak vertreiben. Ausgangsmaterial sind die Blätter der Arekapalme.

Foto: Sven Lambert

Berlin  Nicole Plock und Alexandra Matthies haben Arekapak gegründet. Für ihre Bio-Verpackungen kooperieren sie mit indischen Manufakturen.

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So manche Idee liegt nicht nur im übertragenen Sinn, sondern ganz buchstäblich auf der Straße: zum Beispiel die herabgefallenen Blätter der Arekapalme in Indien.

Für die Produktdesignerinnen Nicole Plock (32) und Alexandra Matthies (29) sind sie während eines Auslandssemesters zur Gründungsidee geworden. Die Pflanzenteile sind nun Ausgangsmaterial für umweltfreundliche Verpackungen, die ihr Start-up unter dem Namen Arekapak entwickelt.

Gemeinsam an der HTW studiert

2011 lernten sich die beiden Frauen kennen: Gleichzeitig begannen sie ihr Kommunikationsdesignstudium an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin.

„Wir haben dort viele Kurse zusammen belegt und so schon ziemlich früh festgestellt, dass wir sehr gut zusammenarbeiten können“, erinnert sich Matthies.

Mit einem Stipendium des DAAD nach Indien

Über ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) kamen sie 2014 ans National Institute of Design (NID) in Ahmedabad im Westen Indiens, eine Partnerhochschule der HTW.

Neben ihren Kursen hatten sie Zeit zum Reisen, mussten sich aber auch – so will es das DAAD-Stipendium – mit einer Forschungsfrage beschäftigen. Sie entschieden sich für das Thema Verpackung. Das habe sie schon vorher begeistert, erzählen die Designerinnen, weil es etwas zum Anfassen sei und „aus dem Zweidimensionalen herausgeht“, so Matthies.

In Indien ist Plastik cool

Nun wollten sie wissen, wie in Indien Dinge verpackt werden, wie dort mit Farben umgegangen wird oder mit der Beschriftung – bei den verschiedenen einheimischen Sprachen.

Von ihren Professoren wurden sie aufs Land geschickt. Dort konnten die beiden beobachten, wie natürliche Materialien zur Herstellung von Teppichen, Tellern, Körben und Verpackungen verwendet werden.

„Dazu kam der Kontrast, dass über Indien gerade eine Plastikwelle hereinbrach“, sagt Nicole Plock. Plastik werde als cool angesehen. „Alle kaufen nur noch die Plastikprodukte, die aus unserer Welt kommen“, so die 32-Jährige. „Und es gibt noch keine richtigen Müllsysteme dafür.“

Bachelorarbeit war die Grundlage

Aus dem Erlebten und ihren Recherchen entwickelte sich das Thema für die gemeinsame Bachelorarbeit und gleichzeitig die Frage: Kann man daraus nicht auch ein Produkt machen?

An der Hochschule riet man ihnen ab – „zu kompliziert“. Trotzdem flogen die beiden noch einmal nach Indien und suchten gezielt nach einem Material für die Verpackung von Obst und Gemüse – als Alternative zu Plastik.

Blätter sind ein Agrarnebenprodukt

So landeten sie beim Palmenblatt. Die Arekapalme wird aufgrund ihrer Früchte seit jeher in Indien kultiviert, die Blätter fallen als Agrarnebenprodukt ohnehin an, werden aber bisher kaum genutzt.

Die Eigenschaften des Materials überzeugten die Designerinnen: Es sei komplett natürlich, lasse sich ohne Zusätze in Form bringen, könne am Ende seiner Lebensspanne kompostiert werden. Gleichzeitig seien die Arekablätter sehr stabil, für eine gewisse Zeit sogar wasserabweisend.

Förderstipendium erhalten

Die Gründerinnen erhielten das Berliner Start-up-Stipendium, das gemeinsam von HTW, Beuth Hochschule und der Hochschule für Wirtschaft und Recht vergeben wird. Und ihnen wurde eine Auszeichnung der Bundesregierung als „Kultur- und Kreativ-Piloten“ zugesprochen.

So konnten sie seit Anfang 2018 intensiv an ihrer Idee arbeiten, Prototypen entwickeln, rechtliche und wirtschaftliche Fragen der Gründung klären. Und sie konnten die Kooperation mit ihren Partnern in Indien organisieren.

Investitionen aus eigener Tasche

Der Aufbau der Produktion vor Ort sei eine Herausforderung und mit großen Investitionen verbunden, sagt Matthies.

Die bestreiten die beiden Gründerinnen im Moment noch aus eigener Tasche – auch, um frei zu sein von Erwartungen und zu knappen Zeitvorstellungen, die Investoren haben könnten.

Gründerinnen lassen Ökobilanz errechnen

Arekapak soll nachhaltig, wirtschaftlich, sozial und ökologisch sein. „Es sind kleinere Manufakturen auf dem Land, die die Produkte herstellen“, sagt Nicole Plock. „Uns ist wichtig, das zu fördern.“

Der Transport der fertigen Verpackungen nach Deutschland soll per Schiff erfolgen. Gerade lassen Nicole Plock und Alexandra Matthies die Ökobilanz für den Weg von der Produktion bis zur Entsorgung von einer Masterstudentin der HTW errechnen.

Persönliche Weiterentwicklung

Ihre Reisen nach Indien sehen sie kritisch, fliegen möglichst selten, dafür aber länger. Fasziniert sind die beiden Frauen von ihrer persönlichen Weiterentwicklung: „Es ist unfassbar, was man selbst für sich lernt, wie man daran wächst“, sagt Alexandra Matthies.

Angetrieben werden die beiden von der Möglichkeit, etwas Sinnvolles zu tun: „Wir waren es leid, in einer Agentur zu sitzen und für Kunde XY eine große Kampagne zu gestalten, hinter der wir nicht stehen“, sagen sie.

Auch wenn es sich pathetisch anhöre: „Wir wollen einen grünen Fußabdruck hinterlassen“, so Nicole Plock, „also irgendwie zur Lösung unserer Umweltprobleme beitragen.“ (Christine Persitzky)

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