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Vegane Hafermilch: Wird Oatly bald Milliarden wert sein?

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Der Hafermilch-Hersteller Oatly will in New York an die Börse gehen

Der Hafermilch-Hersteller Oatly will in New York an die Börse gehen

Foto: Richard B. Levine/Imago / imago images / Levine-Roberts

Berlin/Stockholm.  Hafermilch wird nicht nur bei Veganern und Allergikern immer beliebter. Nun will der schwedische Konzern Oatly an die New Yorker Börse.

Bei vielen Hipstern, Ökobewussten und Allergikern gehört er auf den Frühstückstisch: der Haferdrink. Er ist vegan, rein pflanzlich – und damit in manchen Kreisen stark im Trend, ein Must-have. Dazu ist das Getränk eine Alternative zur Kuhmilch, weist eine bessere Klimabilanz aus und schmeckt nicht nur im Müsli, sondern auch im Kaffee. In der Finanzwelt wird die Hafermilch bereits als „weißes Gold“ bezeichnet.

Die Idee, aus Getreide einen Drink herzustellen, stammt von einem schwedischen Professor. Rickard Öste versuchte an der Universität Lund, Milch durch andere Lebensmittel zu ersetzen. Dabei entwickelte er ein Enzym, das den ballaststoffreichen Hafer in eine Flüssigkeit verwandelte. In den 1990er-Jahren gründete der Forscher die Firma Ceba Foods, die später in Oatly umbenannt wurde.

Hafermilch-Hersteller könnte bis zu 10 Milliarden Dollar wert werden

Mittlerweile bietet das schwedische Unternehmen rund 40 Produkte und will den Sprung an die New Yorker Börse wagen. Ein Antrag für das Initial Public Offering (IPO) mit einem Volumen von 100 Millionen Dollar ist eingereicht.

Laut Medienberichten strebt Oatly einen Börsenwert von bis zu zehn Milliarden Dollar an, was sonst nur Tech-Unternehmen erreichen. Die Marktchancen stehen gut. Ersatzprodukte für Milch werden immer beliebter. In Europa dürfen pflanzliche Varianten allerdings offiziell nicht als Milch bezeichnet werden – das verbietet das Gesetz. So werden die meisten Produkte als „Drinks“ verkauft.

Vegane Drinks wie Hafermilch finden immer mehr Liebhaber

Ob Hafer-, Mandel- oder Sojamilch – längst greifen nicht nur Menschen mit Laktose-Intoleranz, sondern auch Nichtallergiker bewusst zu diesen veganen Sorten. Allein in Deutschland ernähren sich schon 1,5 Prozent der Bevölkerung vegan. Tendenz steigend.

Die ING Bank erwartet in der Europäischen Union und in Großbritannien bis 2025 einen Umsatzanstieg für alternative Milchprodukte um fast 50 Prozent auf fünf Milliarden Euro. Die Unternehmensberatung BCG geht sogar bis 2035 von einer Verfünffachung des Absatzes aus.

Auch in Regalen deutscher Supermärkte und Discounter bietet eine Vielzahl von Anbietern – wie Alpro, Alnatura, Kölln oder auch Handelsmarken der Discounter – ihre pflanzlichen Getränke an. Klar ist aber auch: Trotz steigender Nachfrage bleiben pflanzliche Drinks im Vergleich zur Kuhmilch vorerst ein Nischenprodukt.

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Hafermilch-Hersteller Oatly beliefert Starbucks

Auch nach seiner Erfindung war Hafermilch kein Selbstläufer. „Erst mal interessierte das niemanden“, erzählt der heute 72-jährige Professor Öste rückblickend. Mittlerweile bietet Oatly viele Drinkvarianten, Eiscremes, Sahne und Joghurts an – darunter auch eine Barista-Edition. Damit lässt sich der Haferdrink auch für einen Cappuccino aufschäumen. So beliefert Oatly seit März mehr als 15.000 Kaffeefilialen von Starbucks in den USA, aber auch angesagte Cafés in europäischen Metropolen.

Oatly ist in mehr als 20 Ländern präsent. Das Unternehmen konnte seinen Absatz 2020 im Vergleich zum Vorjahr laut Börsenantrag auf 421 Millionen Dollar mehr als verdoppeln. Gewinne erzielt Oatly aber noch nicht. Vielmehr kletterte der Verlust 2020 auf 60 Millionen Dollar, nach 39 Millionen Dollar im Vorjahr.

Haferdrinks sind deutlich klimafreundlicher als Kuhmilch

Das Unternehmen verweist gern auf seine Nachhaltigkeit. Hafer kann als Grundstoff auch in Deutschland angebaut werden, Transportwege können entsprechend kurz sein. Zudem verursacht die Herstellung von Haferdrinks laut Studien pro Liter zwischen 70 und 75 Prozent weniger schädliche Klimagase als Kuhmilch.

Auch werden bei der Herstellung von einem Liter Haferdrink nur durchschnittlich 3,4 Liter Wasser verbraucht. Problematisch ist für manche der Zuckeranteil. Bei der Produktion der Drinks bauen Enzyme die Stärke im Hafer zu Zucker ab.

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Shitstorm: Kritik an Einstieg von Finanzinvestor Blackstone

Stark in die Kritik geraten ist Oatly bei der jüngsten Finanzierungsrunde im Juli, als 200 Millionen Dollar bei Investoren eingeworben wurden. Neben amerikanischen Stars wie der Fernsehmoderatorin Oprah Winfrey und dem Rapmusiker Jay-Z beteiligte sich auch der mächtige Finanzinvestor Blackstone an dem Haferdrink-Hersteller. Der Finanzgigant soll nun mit rund acht Prozent an Oatly beteiligt sein. Dies löste bei den Konsumenten in den sozialen Medien einen wahren Shitstorm aus, es kam zu Boykottaufrufen.

Für viele Kritiker ist eine Zusammenarbeit mit Blackstone ein No-Go, investiert der Finanzkonzern doch auch in brasilianische Konzerne, die an Regenwaldrodungen beteiligt sein sollen. Die Seele des Unternehmens sei verkauft worden, so ein Vorwurf. Schon Jahre zuvor hatte der chinesische Staatskonzern China Ressources rund 40 Prozent von Oatly übernommen.

Der Oatly-Chef Toni Petersson verteidigte den Einstieg von Blackstone im „Handelsblatt“. Um die Klimaziele zu erreichen, müssten große Anstrengungen unternommen werden. Die Investition von Blackstone zeige allen, „dass die Investitionen der Zukunft grün sind“.

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