Digitalisierung

Unternehmer kritisieren Politik: Digital passiert nicht viel

An dem Thema Digitalisierung kommt kein Unternehmer vorbei.

An dem Thema Digitalisierung kommt kein Unternehmer vorbei.

Foto: Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Duisburg/Düsseldorf.  Unternehmertage in Duisburg und Düsseldorf: Firmen sehen beim Thema Digitalisierung ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit gefährdet.

Ihre „internationale Wettbewerbsfähigkeit“ sehen die Unternehmen an Rhein und Ruhr angesichts fehlender politischer Rahmenbedingungen beim Thema Digitalisierung für die Wirtschaft „gefährdet.“ Dies erklärte Arndt G. Kirchhoff, Präsident des Unternehmerverbandes NRW, Mittwochabend auf dem Unternehmertag in Düsseldorf im Beisein von Annegret Kramp-Karrenbauer. Die CDU-Chefin stellte sich der Kritik und unterstrich, dass die Digitalisierung für Unternehmen eine noch größere Herausforderung sei als die ökologische Klimadiskussion. Ihre Auswirkungen auf die Industrie dürfe nicht unterschätzt werden.

Allerdings: „Die Ankündigungen der Politik in Sachen Digitalisierung waren immer vollmundig. Bis heute ist noch nicht viel passiert“, sagte Donnerstagabend Dr. Marcus Korthäuer, Vorsitzender der Unternehmerverbandsgruppe Duisburg, beim dortigen Unternehmertag. Statt an einem gesamtheitlichen digitalen Zukunftsbild zu arbeiten, verstricke sich die Bundesregierung immer stärker in vielfältige Digitalstrategien, so dass am Ende gar nichts umgesetzt werde.

Schuld sei das Kirchturmdenken in der Politik. Niemand sei bereit, Macht zum Wohle des großen Ganzen abzugeben, stattdessen würden die eigenen Kompetenzen verteidigt bis zum Schluss. Die staatlichen Investitionen in die Digitalisierung nähmen sich wie ein Tropfen auf den heißen Stein aus. „Die Offensive der Bundesregierung zur Künstlichen Intelligenz stellt bis 2025 drei Milliarden Euro zur Verfügung. Die Hafenstadt Tianjin in China investiert in das gleiche Thema im selben Zeitraum 14 Milliarden Euro. Bei der Digitalisierung der Verwaltung liegt Estland auf Platz 1. Deutschland auf Platz 20.“

Der Begriff der Unternehmer muss neu definiert werden

Korthäuer sieht aber auch die Unternehmer in der Pflicht: Geschäftsmodelle, die unverändert über Jahrzehnte funktionieren, werde es nicht mehr geben. „Deshalb bin ich auch davon überzeugt, dass wir den Begriff des Unternehmers neudefinieren müssen. Wobei neu für mich eher die Rückbesinnung auf alte Tugenden ist: Wer zukünftig erfolgreich sein will, braucht unternehmerischen Mut!“ Niemand wisse derzeit, welche digitalen Prozesse oder Produkte später vermarktbar seien, welche Investition sich lohnen werde. „Klar ist nur: Wir alle müssen die Entwicklung mitgehen und investieren, in erheblichem Ausmaß.“ Dampfmaschine, Akkord und Fließband, Computer – zu jeder Zeit habe es Pioniere gegeben, die ins Risiko gegangen seien. Weitere Einblicke in die digitale Transformation kamen von Digitalberater Christian Spancken. Er versteht unter Digitalisierung in erster Linie, wie man mit Veränderung umgeht. Veränderung müsse zugelassen und digitale Geschäftsmodelle für sich entdeckt werden: „Grundsätzlich setzt digitale Transformation in der Zukunft an. Sie beginnt dort, wo man über neue Geschäftsmodelle, klare Kundenzentrierung und neue Antworten auf Probleme nachdenkt.“

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