Weltwirtschaftsforum

Greta Thunberg in Davos: Werden nicht kampflos aufgeben

Greta Thunberg hält in Davos nach Donald Trump eine Rede.

Greta Thunberg hält in Davos nach Donald Trump eine Rede.

Foto: FABRICE COFFRINI / AFP

Davos.  Das Weltwirtschaftsforum in Davos ist eröffnet. Greta Thunberg warnt in ihrer Rede vor dem Nichtstun, Donald Trump lobt wieder die USA.

Beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos herrscht dieses Jahr Hochbetrieb. US-Präsident Donald Trump eröffnet den Kongress offiziell mit seiner Rede. Auch Klima-Aktivistin Greta Thunberg, Erfinderin der „Fridays for Future“-Bewegung, spricht zu den Teilnehmern. Der Auflauf kommt dem WEF, dem jährlichen Gipfel der globalen Wirtschafts- und Politikelite, zu seinem 50. Jubiläum in den Schweizer Alpen gerade recht.

Trump und Thunberg waren zwar schon mal hier. Der Präsident redete im Januar 2018 kurz nach seiner Wahl im großen Saal des Kongresszentrums. Und Thunberg sprach 2019 mit einigen Politikerinnen und Politikern, um sich dann mit ihrem Protestschild draußen in den Schnee zu setzen. Gemeinsam war diesen Auftritten jedoch, dass beider Einfluss auf die Welt erst ansatzweise zu erkennen war. Nun sieht man klarer.

Greta Thunberg in Davos: „Unser Haus steht noch immer in Flammen“

Pünktlich um 13 Uhr betritt die Klimaaktivistin Greta Thunberg in ihrem weiten Kapuzenpullover die Bühne. In der Hand hält sie ein leicht zerknittertes Blatt Papier, auf das sie während ihres zehnminütigen Vortrags nur einige Male schauen wird.

Vor einem Jahr sei sie bereits in Davos gewesen und habe gesagt „Unser Haus steht in Flammen“, beginnt Thunberg ihre Rede. Sie habe gewollt, dass die Menschen in Panik geraten und nicht mehr so weiter machen wie zuvor. Passiert sei jedoch wenig. Bäume zu pflanzen, sei nicht ausreichend. Was nötig sei, sei ein radikaler Schnitt bei den CO2-Emissionen. „Sie müssen auf null.“ Sie dürften nicht nur verringert, sondern müssten gestoppt werden.

„Eure Parteipolitik interessiert uns überhaupt nicht“, sagt Thunberg. Die Politik aller Parteien, egal welcher Ausrichtung, hätte versagt. Das sei keine pessimistische Einstellung, sondern die Realität. Thunberg fordert: Alle Teilnehmer in Davos, Unternehmen und Banken, sollen sich komplett aus fossilen Brennstoffen und deren Finanzierung zurückzuziehen. Und zwar sofort.

Am Ende warnt sie noch, die Menschen sollten daran denken, wie sie ihren Kindern später einmal erklären würden, warum sie damals nicht gehandelt hätten. „Denn unser Haus steht noch immer in Flammen“, sagt sie. Und: „Meine Generation wird nicht kampflos aufgeben.“

Trump in Davos: US-Präsident lobt eigene Wirtschaftspolitik

Ganz anders zuvor der Auftritt Trumps: Der US-Präsident betritt die Bühne mit einer Verspätung von 17 Minuten (11.47 Uhr MEZ) – in blauem Anzug, weißem Hemd und roter Krawatte. Den Nationalfarben der USA. Trump listet die Errungenschaften der amerikanischen Wirtschaft in seiner Amtszeit wie etwa sinkende Arbeitslosenquote und steigende Löhne auf – mit mehreren Seitenhieben gegen den ehemaligen Präsidenten Barack Obama.

„Amerika wächst und gedeiht, und ja: Amerika gewinnt wieder wie niemals zuvor“, sagt er. Im Vergleich zu der Vorgängerregierung mit geringem Wachstum und stagnierenden oder fallenden Löhnen sei die Entwicklung nun „spektakulär“. Für die Zukunft prognostizierte er „gewaltige“ Chancen für die US-Wirtschaft. „Der amerikanische Traum ist zurück – größer und besser als je zuvor“, verkündet Trump stolz.

Trump freut sich auf neuen Deal mit Großbritannien

Trump greift China und seine vergangenen Praktiken im wirtschaftlichen Sektor scharf an und erklärt, dass er die Welt vor diesen Methoden gerettet hat. Fügt aber auch hinzu, dass die Beziehung der USA zu China noch nie so gut war wie heute. Auch wenn der Weg dahin steinig war. „Er ist für China, ich bin für die Vereinigten Staaten. Aber ansonsten lieben wir uns“, sagt Trump über seinen chinesischen Amtskollegen Xi Jinping.

Trump freut sich darauf ein neues Handelsabkommen mit dem britischen Premier Boris Johnson auszuhandeln, den er als großartigen Menschen beschreibt.

Andere Länder sollen Beispiel der USA folgen

„Das Luft und das Wasser in den USA war noch nie so sauber wie heute“, erklärt Trump und listet die Initiativen der US-Regierung für ein besseres Klima auf. „Das ist eine Zeit für Optimismus, nicht für Pessimismus“, sagt Trump.

„Die Zeit der Skepsis ist vorbei“, sagte Trump und ruft andere Länder dazu auf, sich ein Beispiel an den USA zu nehmen. Das „amerikanische Modell“ werde die größten Gewinne im 21. Jahrhundert erzeugen.

Greta Thunberg beim Schweizer Klimastreik dabei

Weltwirtschaftsforum in Davos: Trump gegen Thunberg

Donald Trump steht für die Zerschredderung der Globalisierung. Greta Thunberg und ihre Leute verlangen, das fossile Wirtschaftsmodell innerhalb weniger Jahre zu beenden. Die Personen markieren Entwicklungsrichtungen, die die Politik in den kommenden Jahren nehmen kann: fossiler Nationalismus oder nachhaltiger Internationalismus.

Dieser Streit wird ab diesem Dienstag im Graubündener Städtchen Davos ausgetragen. Das Klimathema steht ganz oben auf der Tagesordnung.

Ministerin Schulze ruft zu „klimafreundlichen Investitionen“ auf

„Ich will, dass Ihr in Panik geratet“, das gemeinsame Haus Erde stehe in Flammen, hatte die heute 17-jährige Thunberg im vergangenen Jahr den mehr als 3000 Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zugerufen. Fortan stand Thunberg im Fokus der Wahrnehmung, das „Time“-Magazin kürte sie zur Person des Jahres. In Davos wird sie voraussichtlich wieder eine zentrale Rolle einnehmen.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze ruft die internationalen Akteure unterdessen zu klimafreundlichen Investitionen auf. „Auf dem Weg in eine klimaneutrale Weltwirtschaft sind alle gefragt“, sagte die SPD-Politikerin unserer Redaktion. Investitionen in fossile Infrastruktur führten „in die Sackgasse“.

Experte: Produktion auf nachhaltige Rohstoffe umstellen

Es liege im eigenen Interesse der Finanzwirtschaft, zu einem wichtigen Verbündeten für den Klimaschutz zu werden, betonte Schulze. Dafür sei ein gemeinsames Verständnis nötig, „welche Investitionen klimaverträglich sind und welche nicht“. Die Ministerin rief die globalen Finanzmarktakteure dazu auf, sich an dem von der EU beschlossenen Rahmen zu orientieren.

Auch der Geschäftsführer der Unternehmensberatung Roland Berger Global, Stefan Schaible, rät der Industrie im Vorfeld des WEF, die Produktion auf eine nachhaltige Rohstoffbasis umzustellen, das CO2-Thema ernstzunehmen und die Digitalisierung anzugehen: „Das muss man nun anpacken. Es geht darum, den Kapitalismus auf eine nachhaltige Basis zu stellen“, sagte Schaible.

„Die Probleme der Welt sind nur multilateral zu lösen“

Wichtig sei, Zusammenarbeit zu stärken, betonte der Experte. „Da muss jedes Unternehmen in mehr internationale Beziehungen mit seinen Wettbewerbern, seinen Zulieferern und mit der Politik investieren.“ Bei der WEF-Tagung könne Vertrauen aufgebaut werden.

„Es ist falsch zu glauben, dass man, ohne zu reisen, wenn man nur zu Hause sitzt, die Probleme der Welt lösen kann“, so Schaible. „Das geht nur multilateral, das geht nur global.“ (mit ghp)

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