Steuerberatung

Steuererklärung digital: So wird der Papierbeleg überflüssig

Muss ich eine Steuererklärung machen?

Panorama Video

Panorama Video

Beschreibung anzeigen

Berlin  Digitale Steuerberater machen herkömmlichen Anbietern zunehmend Konkurrenz. Aber keine Software kann alle Steuer-Kniffe abbilden.

Der Beruf des Steuerberaters steht nicht gerade im Verdacht, sich in den vergangenen Jahren besonders der Digitalisierung geöffnet zu haben. Was auch daran liegt, dass Rechnungen und andere Belege, mit denen Berater zu kämpfen haben, eben auf Papier gedruckt werden.

Künftig aber dürfte sich das ändern. Zunehmend machen digitale Steuerberater wie Felix1.de oder Steuerberaten.de den herkömmlichen Anbietern Konkurrenz. Vereinfacht gesagt bieten sie eine Online-Beratung und Online-Abwicklung der Steuererklärung – für Privatpersonen und für Unternehmen. Das soll Zeit und Kosten sparen.

Steuererklärung online machen: So unterscheiden sich Dienste

Felix1.de gehört zur ETL-Gruppe, dem Marktführer in Deutschland für Steuerberatung mit einer knappen Milliarde Euro Umsatz pro Jahr. Das Unternehmen hat 2014 eine Digitalsparte gegründet, um eine junge und computergewöhnte Zielgruppe zu erreichen. Steuerberaten.de hingegen wurde 2006 als reiner Online-Dienstleister gegründet. Beide bieten auf ihren Portalen ähnliche Dienstleistungen an.

Über Schnittstellen fließen die Daten von Firmenkunden direkt in die Systeme, viele Abläufe werden ohne weiteren Eingriff von der Software erledigt. Privatkunden laden ihre Belege hoch, stellen Rechnungen oder tragen Transaktionen in ihrem Kundenkonto ein. Das Scannen und Einreichen von Belegen geht per App, wichtige Dokumente landen in Cloud-Laufwerken.

Hintergrund: Online-Banking, Steuern, Rentern: Das ändert sich alles 2019

Plattformen verbinden sich mit der Bank des Kunden

Die Plattformen können sich auch mit der Bank des Kunden verbinden und automatisch Kontobewegungen auslesen. Einen Zahlungseingang ordnet die Software anhand von Betrag und laufender Nummer automatisch einer Rechnung zu, wo möglich. Damit können auch Freiberufler die automatisierte Buchhaltung nutzen.

Einer Untersuchung des deutschen IT-Dienstleisters Datev zufolge liegt in der Digitalisierung der Steuerberatung eine große Chance für den Berufsstand, die bisher noch viel zu wenig genutzt wird. Die Verlagerung von Prozessen ins Internet und die konsequente Nutzung digitaler Belege könne demnach rund vier Fünftel der Arbeit einsparen. Der Studie zufolge ergibt die digitale Steuerberatung aber am meisten Sinn, wenn überhaupt nie ein Papierbeleg existiert und Rechnungsdaten direkt von einem System ins andere fließen.

Keine Software kann alle Steuerkniffe abbilden

„Mehrere Hundert unserer Mandanten sind Online-Shops“, erklärt der Marketingchef von Steuerberaten.de, Michael Mühl. Dort fallen Zehntausende von Buchungsvorgängen im Monat an, deren klassische Abwicklung auf Papier eine enorme Arbeit wäre. „Wir klinken uns stattdessen direkt in die Systeme des Mandanten ein“, so Mühl.

Ohne Kontakt zu einem Steuerberater funktioniert es aber dann doch nicht – das liegt alleine schon am komplizierten deutschen Steuersystem und auch an der Rechtslage. „Anfangs haben wir unterschätzt, wie wichtig der persönliche Kontakt ist“, sagt Mühl. Die Programmierer hätten daher nach und nach Möglichkeiten zum Austausch geschaffen. Viele Fragen lassen sich über Nachrichten innerhalb des Systems, per Chat oder im Videotelefonat lösen. Wenn es knifflig wird, können die Kunden einen vor Ort in einer Kanzlei besuchen. Werden die Fragen komplizierter, dann fallen jedoch Extra-Gebühren an.

Hintergrund: Neue Regeln: Das ändert sich bei der Steuererklärung 2018

Die Steuerberatungs-Branche ist extrem reguliert

Steuerberaten.de ist Pionier in der Online-Beratung – und hatte in dieser Rolle durchaus mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Idee, Effizienzgewinne aus der Online-Abwicklung in Form von günstigeren Preisen an die Kunden weiterzugeben, war nicht einfach umzusetzen. Was bei Direktbanken längst als völlig normal galt – und was dem übergreifende Trend in fast allen Branchen vom Handel bis zur Luftfahrt entspricht – empfanden die Vertreter der steuerberatenden Berufe als Kampfansage.

Die Branchenkammern beriefen sich auf die Steuerberatervergütungsverordnung, die damals noch Steuerberatergebührenverordnung hieß. Ihr Inhalt ist ebenso sperrig wie ihr Name. Hier steht, wie viel Geld der Fachmann für seine Dienste nehmen kann. Als das Portal also mit dem Internetangebot einen Weg fand, die Kosten zu senken, konnte es die Vorteile nicht einfach weiterreichen. Es kam zum Rechtsstreit, den Steuerberaten.de letztlich gewann.

Hintergrund: Wer 2019 am meisten von Steuersenkungen profitiert

Sind Online-Anbieter von Steuererklärungen wirklich preiswerter?

Seither ist klar, dass die digitale Version der Dienstleistung rechtmäßig ist und der Kunde auch günstigere Preise akzeptieren darf. „Dennoch schützt die Branche sich auch heute noch“, sagt Mühl. So sind nur Steuerberater als Gesellschafter erlaubt, Investoren können nicht in den Markt einsteigen. „All das blockiert Innovationen.“

Ob die Online-Anbieter unterm Strich wirklich preiswerter sind, ist in der Branche jedoch umstritten. Eine komplette Automatisierung durch Software, die auf Kundenseite läuft, halten jedoch auch die IT-Experten von Datev derzeit für illusorisch: „Solange es ein deutsches Steuersystem gibt, ist der Berufsstand der Steuerberater unverzichtbar.“ Die Gesetze seien so kompliziert, dass keine Software alle Kniffe abbilden könne. (Finn Mayer-Kuckuk)

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben