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Startet die Internationale Schule in Olpe ab 2021?

Digitale Technik ist keine zwingende Voraussetzung für eine internationale Schule, aber sie erleichtert das individuelle Lernen.

Digitale Technik ist keine zwingende Voraussetzung für eine internationale Schule, aber sie erleichtert das individuelle Lernen.

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Olpe.  Die Wirtschaft drängelt, die Schulaufsicht zögert, aber nun ist das Projekt auf einem guten Weg, sagt Schulleiter Holger Köster.

Die Wirtschaft hat nie behauptet, gänzlich uneigennützig zu handeln. Die mehr als drei Millionen Euro, die die IHK Siegen und der Arbeitgeberverband Olpe, die Sparkassen und Volksbanken sowie viele namhafte Unternehmen zugesagt haben, sollen sich schon auch auszahlen. Indem die Region attraktiver wird für Fach- und Führungskräfte, die sich manchmal schwer nach Südwestfalen locken lassen.

Das steht hinter der Idee einer Internationalen Schule in Olpe, die im vergangenen Frühsommer öffentlich vorgestellt wurde. Damals hoffte man, im Schuljahr 2020/21 starten zu können mit einem zusätzlichen Zweig am Gymnasium Olpe. Mittlerweile spricht Schulleiter Holger Köster - in seinem Gymnasium werden in der Mittelstufe bereits mehrere Fächer auf Englisch unterrichtet - von 2021/22. Und das ist möglicherweise auch ein wenig optimistisch.

Allein die Zertifizierung durch die IBO dauert zwei Jahre

Es hat ein wenig gehakt bei der Umsetzung des Projekts, das eigentlich alle befürworteten. Und die Zertifizierung selbst durch die in Genf ansässige International Baccalaureate Organisation (IBO) dauert alleine zwei Jahre. Und erfordert umfangreiche Vorarbeiten. Die sind nun abgeschlossen. Die Zertifizierungsphase startet. Und in den nächsten Wochen soll es eine gemeinsame Erklärung des Fördervereins und der Schulaufsichtsbehörde, also der Bezirksregierung, geben, in der die Eckpunkte des Projekts öffentlich vorgestellt werden.

Die anderen Schüler sollen nicht unter dem neuen Zweig leiden

„Die Schulbehörde hat sich zunächst etwas schwer getan mit Personalzusagen“, sagt Holger Köster. „Ich verstehe das. Die Sorge war, dass viele andere kommen und auch mehr Stellen verlangen.“ Aber nun habe man sich geeinigt, die bisher ordentliche personelle Ausstattung des städtischen Gymnasiums beizubehalten und flexibel zu reagieren auf eventuellen zusätzlichen Bedarf. „Wir wollen ja nicht, dass die anderen Schüler leiden müssen, indem wir zu größeren Klassen gezwungen sind.“

Die Planung ist auch deshalb nicht ganz leicht, weil schwer abzusehen ist, wie viele Schüler sich für den weltweit anerkannten Abschluss „International Baccalaureate“ (IB) interessieren. Erfahrungen in anderen Städten gehen von zehn bis 15 Prozent der Schüler aus. Andererseits ist Olpe keine Großstadt, Südwestfalen kein Ballungsraum. Und wieviel Schüler von außerhalb kommen, ist gleichfalls unbekannt.

Zunächst soll der internationale Zweig für die Oberstufe eingeführt werden. Da sind die Überschneidungen mit dem Stoff fürs deutsche Abitur recht groß. Das Olper Gymnasium hat rund 900 Schüler, knapp die Hälfte in der Sekundarstufe 2. Köster rechnet mit etwa 50 IB-Interessenten. „Aber das ist ein Schuss ins Blaue.“ Und was ist mit internationalen Fachkräften, die jüngere Kinder haben? „Wir überlegen Kooperationen mit anderen Schulen im Kreis“, sagt Köster.

Unterrichtssprache ist Englisch, es gibt zusätzliche Fächer

Unterrichtssprache im IB-Zweig ist Englisch, es gibt mehr Prüfungsfächer und zusätzliche Schwerpunkte wie wissenschaftliches Arbeiten, soziale und kreative Aktivitäten und ein externer Essay. Darauf müssen sich die Lehrer vorbereiten, in dreitägigen Workshops, die in mehreren europäischen Städten stattfinden. Für die Reisekosten kommt der Förderverein auf.

Erste Workshops haben schon stattgefunden. „Das Interesse ist groß“, freut sich Köster. „Ohne Rückhalt im Kollegium hätte das Projekt keinen Sinn.“ Parallel werden jetzt die Lehrpläne ausgearbeitet. Dabei geht es auch um Effizienz: Wie verbindet man die Anforderungen möglichst sinnvoll mit denen fürs deutsche Abitur?

Die Schule bleibt öffentlich und verlangt kein Schulgeld

Bei den IB-Schülern wird besonders nötig sein, was für alle Schüler sinnvoll ist: möglichst individuelles Lernen. In Olpe soll das auch räumlich organisiert werden, in einem House of Learning, einem Selbstlernzentrum mit Bibliothek, Gruppenräumen und gut ausgestatten individuellen Arbeitsplätzen. Bei der Konzeption des digitalen Lernens kooperiert man mit der Universität Siegen, die Umbauten hat Bürgermeister Peter Weber zusagt. „Wir sind auf einem guten Weg“, fasst Schulleiter Köster zusammen. Und betont noch einmal, was ihm besonders wichtig ist: „Wir bleiben eine öffentliche Schule, für jeden zugänglich, ohne Schulgeld.“

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