Mobilität

Schweden bauen die Batteriezellen für europäische E-Autos

E-Autos fahren in Norwegen auf der Überholspur

E-Autos fahren in Norwegen auf der Überholspur
Do, 26.10.2017, 15.54 Uhr

E-Autos fahren in Norwegen auf der Überholspur

Beschreibung anzeigen

Stockholm  Noch sind die Hersteller von Elektroautos auf Asien angewiesen. Zwei ehemalige Tesla-Manager bauen nun eine Fabrik für Batteriezellen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Es ist die größte Umwälzung in der Automobilgeschichte: Der Durchbruch der Elektromobilität. Allein Volkswagen will bis 2025 rund 50 Elektroautomodelle auf den Markt bringen. Mit der Umstellung wächst auch die Angst in der Branche, dass ein großer Teil der Wertschöpfungskette verloren gehen könnte. Das Herzstück der Elektroautos, die Batteriezellen, wird bisher von Zulieferern aus Asien gefertigt. Eine Produktionsanlage für Batteriezellen für die Autoindustrie gibt es in Europa bisher nicht.

Zwei ehemalige Tesla-Manager wollen das nun ändern. Mit seinem Unternehmen Northvolt will Peter Carlsson eine Fabrik für Batteriezellen in Schweden errichten und damit die Aufholjagd der europäischen Autoindustrie als Zulieferer flankieren. Der Schwede war früher Logistikchef bei dem US-Elektroautobauer und einer der engsten Mitarbeiter von Tesla-Chef Elon Musk. Ihm zur Seite steht Paolo Cerruti, ebenfalls ein ehemaliger Manager bei Tesla.

Geplant sind bis zu 32 Gigawattstunden pro Jahr

Voraussichtlich schon 2020 soll die Fabrik im nordschwedischen Skellefteå die Produktion aufnehmen. Für 2019 ist die Fertigstellung einer Demoproduktionslinie geplant. Die Kapazität umfasst 32 Gigawattstunden pro Jahr. Bis zu 2500 Arbeitsplätze sollen mit der Fabrik direkt und indirekt geschaffen werden. Damit wäre Carlssons Fabrik fast so groß wie Teslas „Giga“-Fabrik zur Batteriezellenproduktion im US-Bundesstaat Nevada und könnte knapp 500.000 in Europa gefertigte Elektroautos im Jahr mit einer 50-Kilowattstunden-Batterie bestücken – das entspricht einer mittleren Größe.

Die Highlights der IAA 2017 im Video

Bei der IAA 2017 in Frankfurt präsentiert sich die Autobranche als hätte es den Diesel-Skandal nicht gegeben. Zwar gibt es einige Elektro-Modelle aber auch PS-starke Sportwagen.
Die Highlights der IAA 2017 im Video

Einige Partner hat Northvolt bereits hinter sich: Neben dem staatlichen schwedischen Energiekonzern Vattenfall beteiligt sich an dem Großprojekt auch der schweizerisch-schwedische Technologiekonzern ABB. Er soll die Fabrik mit Automatisierungstechnik wie Robotern und Elektronik ausrüsten und kooperiert mit Northvolts Forschungs- und Entwicklungseinheit, die unweit der Technikmetropole Stockholm und nahe dem schwedischen ABB-Sitz in Västerås angesiedelt werden soll. ABB bezeichnete die geplante Fertigungsanlage als auf „einzigartige Weise integrierte Fabrik“ und versprach, sich finanziell zu beteiligen. Zudem beteiligt sich die schwedische Energiebehörde, und die EU hat Unterstützung zugesagt.

In China gibt es weit gediehene Pläne für große Zellfabriken

Denn an einer Batteriezellenfabrik in Europa liegt auch der Politik viel – schließlich geht es ebenfalls um die Zukunft der Arbeitsplätze in der Autoindustrie. Bisher montieren die Autobauer lediglich die Batterien. Die Batteriezellen kaufen sie von Herstellern wie Samsung in Asien ein. Die Eigenproduktion ist kostspielig und lohnt sich nur, wenn in einer hohen Stückzahl produziert wird. Zuletzt hatte Daimler deshalb Ende 2015 eine Batteriezellenproduktion im sächsischen Kamenz eingestellt. Doch die Abhängigkeit bedeutet auch, dass ein großer Teil der Wertschöpfung verloren geht. Volkswagen lotet derzeit eine Batteriezellenproduktion in Salzgitter aus. Bisher hat der Autobauer jedoch nur den Aufbau eines Batterieforschungszentrums bestätigt.

Tesla präsentiert Elektro-Lkw

Der Elektroauto-Hersteller Tesla will auch in das Lastwagen-Geschäft einsteigen.
Tesla präsentiert Elektro-Lkw

Die Befürchtung einiger Experten, dass europäische Autobauer sich lieber aus Niedriglohnländern in Asien beliefern lassen – denn vor allem in China gibt es weit gediehene Pläne für große Zellfabriken – hält Manager Carlsson für unbegründet. Die Asiaten hätten keine Konkurrenzvorteile, sagte er der „Financial Times“. Der Erfolg der automatisierten Fabrik hänge nicht von billigen Arbeitskräften ab, sondern von preiswerter Energie und der Rohstoffversorgung sowie fähigen Experten. All das gebe es in Nordeuropa.

Noch fehlen 1,5 Milliarden Euro an Startkapital

Die Region um Skellefteå wird schon jetzt ausschließlich mit billiger Wasserkraftenergie von Vattenfall versorgt. Damit ist eine klimafreundliche und preiswerte Produktion als wichtiges Verkaufsargument gesichert. Auch werden in Nordeuropa ein paar der für Batterien zentralen Rohstoffe abgebaut. Die Lieferwege wären kurz.

Eine wichtige Hürde muss Carlsson allerdings noch nehmen. Er braucht insgesamt 40 Milliarden Kronen (4,1 Milliarden Euro) für das Projekt. „Das mag wie eine hohe Summe klingen, aber man muss daran erinnern, dass sie über mehrere Jahre bis 2023 verteilt wird“, sagte Carlsson. Bis zum Sommer sollten eineinhalb Milliarden Kronen als Startkapital für die erste Produktionslinie zusammenkommen. Die Investorenrunde startet in Kürze. Gerade der Einstieg von ABB gilt Analysten als Zeichen für die Ernsthaftigkeit des Projektes.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (2) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik