Testmarkt in Krefeld

SB-Warenhaus Real entdeckt das Luxussegment

Die Fleischtheke von Real in Krefeld mit Bio-, Luxus- und regionalen Produkten.

Die Fleischtheke von Real in Krefeld mit Bio-, Luxus- und regionalen Produkten.

Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Krefeld.   Die SB-Warenhauskette Real testet in Krefeld ein neues „Markthallen“-Konzept mit Gastronomie und luxuriösen Lebensmitteln. Bei Erfolg könnten bis zu 3000 neue Stellen entstehen.

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Als die Metro-Tochter Real Ende 2013 in Essen ihr nagelneues SB-Warenhaus eröffnete, wurde die schicke Filiale im Schatten der Thyssen-Krupp-Zentrale vom Un­ternehmen, aber auch in der Branche stets als Vorbild bezeichnet. Das hat sich an diesem Wochenende geändert. In Krefeld ging Real mit der „Markthalle“ an den Start, die klar auch auf Luxus-Sortimente setzt und das Unternehmen aus der Krise bringen soll.

Austern in rauen Mengen, Kobe-Rind für 199 Euro pro Kilogramm und exotische Früchte, soweit das Auge reicht. „Das ist ein Gefühl wie auf der Königsallee in Düsseldorf“, sagt ein Kunde. In der „Markthalle“ mitten in einem Krefelder Gewerbegebiet erinnert nichts mehr an den Neonröhren-Charme eines Real-Markts, in dem man nach dem Werbemotto „Einmal hin. Alles drin“ den Wocheneinkauf erledigt. Hier backt ein Bäcker vor den Augen der Kunden Brote und Kuchen, der Café-Betreiber röstet Kaffee, die Metzgerei ist gläsern und in den gastronomischen Inseln gibt es Steaks, Shrimps und Pizza.

Metro-Chef Olaf Koch verspricht mehr Emotionen

Bereits im vergangenen Jahr hatte Metro-Chef Olaf Koch angekündigt, mit emotionaler Ansprache wieder mehr Kunden in die Real-Märkte zu locken. Mit Millionenaufwand wurde der Prototyp jetzt realisiert. „Wir wollten unser bisheriges Konzept nicht einfach nur weiterentwickeln, sondern etwas vollkommen Neues schaffen, etwas deutschlandweit Einzigartiges“, sagt Geschäftsführer Henning Gieseke. Der Name Real ist nur noch Untertitel. Auf 11 500 Quadratmetern finden sich in der „Markthalle“ nicht nur Gastronomie und ein Lebensmittelangebot vom Preiseinstiegs- bis zum Luxusniveau, sondern auch mehr Haushalts- und Elektronikwaren. Das blau-rote Design wurde durch eine grün-dunkelbraune Optik mit überblickbaren Regalen ersetzt.

Sollte die „Markthalle“ in Krefeld die Erwartungen erfüllen, soll das Konzept auf die rund 300 Standorte in Deutschland ausgeweitet werden. Die Umbaukosten pro Filiale beziffert Real-Geschäftsführer Patrick Müller-Sarmiento auf 3,5 bis 8,5 Millionen Euro.

Real-Geschäft schrumpft seit 2007

Das Unternehmen will aber nicht nur in Steine und Design investieren, sondern auch in Service. Laut Arbeitsdirektor Jörg Kramer wurde die Belegschaft in der neuen Krefelder Filiale von 170 auf rund 240 Mitarbeiter aufgestockt. Bundesweit könnten durch die Modernisierungswelle bis zu 3000 neue Stellen entstehen, heißt es bei Real.

Die SB-Warenhauskette will wieder in die Offensive kommen. Seit 2007, erklärt Geschäftsführer Müller-Sarmiento, schrumpft Real unaufhörlich. Zuletzt war das Unternehmen in den Schlagzeilen, weil es aus dem Tarifvertrag ausgestiegen war und die mehr als 36 000 Mitarbeiter zu Lohnverzicht aufgefordert hatte. Im Frühsommer einigte sich Real mit der Gewerkschaft Verdi auf einen „Zukunftspakt“. Er sieht die Rückkehr in den Flächentarif, Lohnverzicht, aber auch eine Investitionszusage von rund einer Milliarde Euro vor.

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