Edelgemüse

Saison beginnt: Das kostet der erste Spargel zu Ostern

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Das ändert sich in der EU-Landwirtschaftspolitik

Das ändert sich in der EU-Landwirtschaftspolitik

Die EU investiert jedes Jahr Milliardenbeträge in die Landwirtschaft. Die Agrarminister haben sich nun auf Änderungen der Landwirtschaftspolitik geeinigt. Sie sollen Öko-Bauern besser stellen, es bleibt aber bei den Flächenprämien.

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Berlin.  Die Spargelsaison beginnt - in diesen Regionen kann das beliebte Edelgemüse schon am Osterwochenende auf den Tisch kommen.

  • Die Spargel-Saison läuft langsam an - allerdings ist das Angebot bisher noch knapp
  • Doch viele Deutsche wollen die weißen Stangen zu Ostern servieren
  • Wo es schon Spargel gibt und was er zu Saisonbeginn kostet

Zu Ostern kann vielerorts das liebste Edelgemüse der Deutschen auf den Tisch kommen: Mit den warmen Temperaturen an den vergangenen Tagen hat die Spargelsaison begonnen. Doch noch ist das Angebot knapp – und die Preise für die weißen Stangen sind hoch.

„Bislang rechnen wir bei der Ernte nur mit Kleinstmengen“, sagt etwa der Brandenburger Jürgen Jakobs, Vorsitzender des Beelitzer Spargelvereins. Der erste Spargel dieses Jahres aus deutscher Ernte ist vor allem in Hofläden der Landwirte zu haben. Erwartet werden Preise von 15 bis 20 Euro je Kilo.

Im Spargelland Niedersachsen hat die Ernte bereits vor einigen Tagen begonnen, ebenso etwa in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Sachsen-Anhalt. Hoch oben im Norden braucht der Spargel dagegen noch einige Tage. Der Verkauf in Schleswig-Holstein beginne voraussichtlich am 4. April, erklärte die Landwirtschaftskammer.

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Spargel kaufen: Ab zweiter Aprilwoche steigt Angebot

Ab der zweiten Aprilwoche dürfte das Angebot nach Angaben des Deutschen Bauernverbands dann bundesweit steigen und das Edelgemüse auch auf Wochenmärkten, an Verkaufsständen und in Supermärkten zu haben sein. Die Preise sinken bis zum Ende der Saison am 24. Juni, dem Johannistag, in der Regel deutlich. Derzeit gibt es im Supermarkt nur importierten Spargel, etwa aus Spanien, Griechenland oder Peru.

Entscheidend für den Erntebeginn ist die Bodentemperatur. Um zu sprießen, benötigt Spargel eine Temperatur von zwölf Grad Celsius. Der Kälteeinbruch Anfang März hat einen früheren Erntebeginn verhindert. „Wir sind zehn Tage später dran als im letzten Jahr“, sagt der Vorsitzende des Arbeitskreises Spargel Südhessen, Rolf Meinhardt.

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Vielerorts wird jetzt mit Plastikfolie nachgeholfen, damit sich der Boden zu Saisonbeginn schneller erwärmt. Oder der Acker wird gleich mit einer Art Fußbodenheizung auf Temperatur gebracht.

Darauf setzt etwa der Landwirt Johannes Nagelschmitz aus Bedburg/Erft im Rheinischen Revier. Der Energiekonzern RWE muss im benachbarten Tagebau Hambach zur Sicherung des Geländes 25 Grad warmes Wasser abpumpen – dieses fließt in diesem Jahr erstmals in Rohren über die 15 Hektar Ackerfläche. Hier war der erste Spargel schon vor zwei Wochen erntereif.

Spargel ist das Freilandgemüse Nummer eins in Deutschland

Laut Bauernverband wird Spargel hierzulande auf einer Fläche von 22.500 Hektar angebaut. Die Erntehelferinnen und Erntehelfer zogen im vergangenen Jahr rund 117.000 Tonnen des Gemüses aus der Erde. Gemessen an der Anbaufläche ist Spargel das Freilandgemüse Nummer eins in Deutschland, Kartoffeln werden hier nicht mitgezählt.

Große Probleme hatte es im vergangenen Jahr mit den Saisonarbeitskräften gegeben: Die erfahrenen Erntehelferinnen und Erntehelfer kommen meist aus osteuropäischen Ländern wie Polen und Rumänien. Wegen geschlossener Grenzen mussten sie zunächst zu Hause bleiben und die Ernte geriet ins Stocken. Trotz Freiwilligen, die sich für die schwere Feldarbeit gemeldet hatten, sank der Spargelertrag in vielen Regionen deutlich – in Berlin und Brandenburg zum Beispiel um 17 Prozent.

Die Landwirte holten ihre Saisonkräfte schließlich mit Sonderflügen ins Land. Als die Erntehelfer endlich da waren, gab es immer wieder Meldungen über Corona-Ausbrüche auf einzelnen Höfen, bei denen teilweise Hunderte Arbeiter in Quarantäne mussten. Hotspots seien die Höfe aber nicht gewesen, betont etwa das Landvolk Niedersachsen.

Corona-Tests sollen zusätzliche Sicherheit bei der Ernte

Das Arbeiten und Wohnen in festen Gruppen sowie die anfängliche Arbeitsquarantäne hätten sich bewährt, heißt es auch beim Bauernverband. Zusätzliche Sicherheit sollen jetzt die Testpflicht bei der Einreise und Schnelltests bringen. In diesem Jahr sehen die Spargelbauern keine Probleme bei der Einreise der Erntehelfer.

Erstmals kommen in diesem Jahr Spargelstecher aus Georgien zur Ernte nach Deutschland. Zunächst sind 5000 Saisonkräfte aus der früheren Sowjetrepublik vereinbart, erklärt die Bundesagentur für Arbeit (BA). Sie sollen vor allem auf Feldern in Brandenburg und Baden-Württemberg arbeiten. Der anstrengende Job in Deutschland ist offenbar beliebt: Es hätten sich nach Angaben des Verbands ostdeutscher Spargelbauern mehr als 80.000 Georgier beworben.

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Streit um Ausnahmen von der Sozialversicherungspflicht

Nach der pandemiebedingt schwierigen Spargelsaison 2020 hatte die Landwirtschaft gefordert, die Sozialversicherungspflicht für die kurzfristige Beschäftigung der Erntehelfer erneut für bis zu 115 statt 70 Tage auszusetzen. Dem Wunsch ist die Politik gefolgt, aber nur im reduzierten Umfang.

Eine kurzfristige Beschäftigung soll in diesem Jahr an bis zu 102 Tagen ohne Abgaben für die Sozialversicherung möglich sein, teilte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) nach einer Kabinettssitzung am Mittwoch mit. Spargelbauern müssen künftig aber nachweisen, wie sie die Krankenversicherung für ihre Hilfskräfte geregelt haben.

Die Ausweitung reduziere in der Corona-Krise den Personalwechsel und die Mobilität, sagte Klöckner. Und die Bevölkerung werde trotz Pandemie „gut mit heimischen Produkten versorgt“. Der Bundestag soll nach Ostern über die Regelung beraten.

Anja Piel, Mitglied im Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) warnt jedoch angesichts der Regierungspläne vor unverantwortbaren Zuständen bei der Ernte. Ohne Nachbesserungen „bekommen wir in der Landwirtschaft die gleichen katastrophalen Zustände wie in der Fleischbranche“, sagte sie. In der Fleischindustrie geht es etwa um den Verdacht der illegalen Einschleusung von Billig-Arbeitskräften. (mit AFP/dpa)

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