Grüner Punkt

Remondis kommt dem Kartellamt für Grünen Punkt entgegen

Gelbe Tonnen mit grünem Punkt: Duale Systeme wie der Grüne Punkt nehmen Gebühren für Verpackungen und sagen als Gegenleistung deren Entsorgung zu. Etwa über den Marktführer Remondis.

Gelbe Tonnen mit grünem Punkt: Duale Systeme wie der Grüne Punkt nehmen Gebühren für Verpackungen und sagen als Gegenleistung deren Entsorgung zu. Etwa über den Marktführer Remondis.

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Entsorgungs-Marktführer Remondis will den Grünen Punkt übernehmen, doch das Kartellamt droht mit „Nein“. Neue Zusagen sollen den Deal retten.

Essen. Der Entsorgungs-Riese Remondis will die auf der Kippe stehende Übernahme des Grünen Punktes retten. Dafür hat das Unternehmen dem Bundeskartellamt Zusagen für Teilverkäufe im Falle einer Fusion mit dem Dualen System Deutschland (DSD) und seiner Marke „Der Grüne Punkt“ gegeben. Nach Informationen dieser Zeitung bietet Remondis nun den Verkauf mehrerer Anlagen etwa im Bereich Altglas sowie in der Breite die Abgabe von Entsorgungskapazitäten an die Konkurrenz an.

Kartellwächter befürchten höhere Preise

Die Bonner Wettbewerbshüter sehen den Deal skeptisch, befürchten eine zu große Marktmacht des Marktführers Remondis in der Verpackungsmüll-Branche, das Verdrängen von Mitbewerbern und dadurch letztlich Preiserhöhungen für die Verbraucher. Kartellamtspräsident Andreas Mundt bestätigte am Donnerstag, Remondis und DSD hätten „neue Zugeständnisse angeboten“, die nun geprüft würden. Dafür verlängerte das Kartellamt erneut die Frist für seine Entscheidung – diesmal bis Ende Juli. Remondis kam mit seinen neuen Zusagen womöglich einer Untersagung der Übernahme zuvor, die ansonsten noch in dieser Woche gedroht hätte, denn die letzte Frist wäre an diesem Freitag ausgelaufen.

Das Unternehmen aus Lünen ist bereits Marktführer in der deutschen Entsorgungsbranche, einen weiteren Ausbau seiner Marktmacht durch den Kauf des Grünen Punktes sehen die Wettbewerbshüter grundsätzlich kritisch. Vor allem aber würde Remondis mit dem Grünen Punkt praktisch seinen besten Kunden kaufen, denn DSD beauftragt mit der Entsorgung seiner Verpackungen Unternehmen wie Remondis. Bei einem Zusammenschluss läge es nahe, DSD zu bevorzugen, meinen die Kartellwächter und befürchteten bereits im April „höhere Kosten für DSD-Wettbewerber, erhebliche Marktanteilsgewinne von DSD und letztlich höhere Preise auf dem Markt für duale Systeme“.

Die anschließend bereits angebotenen Kompensationen, etwa der Verkauf einer Altglas-Aufbereitungsanlage von Remondis sowie befristete Kontingent-Abtretungen an Konkurrenten reichten den Bonnern dem Vernehmen nach nicht aus. Die Behörde machte zuletzt kein großes Geheimnis daraus, dass sie entschlossen sei, den Zusammenschluss zu verbieten.

Remondis will Marktanteile an Konkurrenz abgeben

Remondis selbst ist nach wie vor überzeugt, den Wettbewerb durch die Übernahme des Grünen Punktes in keiner Weise zu behindern, erklärte am Donnerstag aber, sich „zu umfangreichen Zusagen entschlossen“ zu haben, „um das Verfahren konstruktiv weiterzubringen“. Man sei bereit, Marktanteile abzugeben, sagte Geschäftsführer Herwart Wilms.

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