Gehaltskürzungen

Real-Geschäftsführung macht Verdi misstrauisch

Unter dem Namen Markthalle hat Real in Krefeld eine Pilotfiliale der Zukunft eröffnet.

Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Unter dem Namen Markthalle hat Real in Krefeld eine Pilotfiliale der Zukunft eröffnet.

Essen.   Die Tarifverhandlungen bei der SB-Warenhauskette Real sind festgefahren. Das Unternehmen will bei den Gehältern sparen.

Bei der SB-Warenhauskette Real tickt die Uhr. Bis zum 31. März müssen sich Unternehmensleitung und Gewerkschaft Verdi auf eine neue Entgeltstruktur verständigt haben. Denn Real will aus dem Flächentarifvertrag aussteigen, um Lohnkosten zu sparen.

Die Fronten sind verhärtet. Olaf Koch, Chef des Mutterkonzerns Metro, weist seit Jahren darauf hin, dass Real wirtschaftlich im Nachteil sei, weil Konkurrenten im umkämpften Einzelhandel zum Teil bis zu 30 Prozent niedrigere Gehälter zahlten. Mit Verdi handelte er einen „Zukunftsvertrag“ aus. Darin spricht Real eine Arbeitsplatz- und Standort-Garantie aus und sichert zu, in den nächsten Jahren eine Milliarde Euro zu investieren. Im Gegenzug verzichten die 34 000 Beschäftigten auf Teile des Weihnachts- und Urlaubsgeldes.

Verdi: 800 Euro weniger für Kassiererin

Bis zum 31. März muss nun eine neue Gehaltsstruktur her. Einen Entwurf hat Real vorgelegt. Er sieht Brutto-Gehälter zwischen 1630 und 3300 Euro vor. Sie liegen unter den Sätzen des Flächentarifvertrags, sollen aber nur für Beschäftigte, die ab dem 1. April 2018 ins Unternehmen kommen, gelten. Real-Manager Patrick Müller-Sarmiento betont, dass alle anderen „nicht weniger Entgelt bekommen als vorher“.

Verdi lehnt den Tarifentwurf ab und ist misstrauisch. „Hier sollen Tarife langfristig um bis zu 40 Prozent abgesenkt werden, was zum Beispiel bei einer Kassiererin in NRW monatlich über 800 Euro weniger Verdienst bedeutet“, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger nach der vertagten Verhandlungsrunde in dieser Woche. Und sie behauptet: „Gleichzeitig will Real das Weihnachtsgeld entsprechend kürzen und den Besitzstand nicht mehr für alle Beschäftigten gelten lassen.“

Real und Verdi wollen wiederam 28. März verhandeln

Der Gewerkschaft stieß besonders ein Satz von Real-Chef Henning Gieseke sauer auf. In einer schriftlichen Mitteilung erklärte er: „Im deutschen Einzelhandel gibt es genügend Beispiele, wie man auch ohne Verdi zu einer Senkung der Personalkosten kommen kann.“ Für Verdi-Verhandlungsführerin Silke Zimmer ruft die Äußerung „zumindest Zweifel an der Ernsthaftigkeit, zu einem Kompromiss zu kommen“ hervor. Zugleich warnte die Gewerkschafterin aus NRW den Real-Chef vor „einem Spiel mit dem Feuer“. Zimmer: „Wir führen die Verhandlungen in sehr enger Absprache mit den Beschäftigten, denen wir verpflichtet sind.“

In der für den 28. März anberaumten neunten Verhandlungsrunde müssen sich beide Seiten einigen, um eine Eskalation zu vermeiden. Scheitert auch dieses Gespräch, kann die Arbeitgeberseite nach dem 31. März über ein Sonderkündigungsrecht aus dem Zukunftsvertrag aussteigen und einen eigenen Weg gehen.

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