Rentenversicherung

Private Versicherungen kürzen Kunden die privaten Renten

Viele Versicherte müssen Rentenkürzungen hinnehmen.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Viele Versicherte müssen Rentenkürzungen hinnehmen. Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Hamburg  Niedrige Zinsen auf den Kapitalmärkten führen dazu, dass Privatversicherungen die Renten kürzen. Zehntausende Kunden sind betroffen.

Seit 2002 bezieht Rolf Schramm* eine Rente von der Versicherung Signal Iduna. „Jahr für Jahr wird es weniger“, klagt er. Eine Erfahrung, die jetzt viele Kunden machen, die einen Rentenvertrag mit einer privaten Versicherung abgeschlossen haben.

Die niedrigen Zinsen auf den Kapitalmärkten führen dazu, dass selbst Privatrenten, die bereits regelmäßig ausgezahlt werden, gekürzt werden. Viele große Lebensversicherer wie Axa, Debeka oder Ergo räumen ein, dass bestimmte Arten von Rentenversicherungen in den vergangenen Jahren entweder gekürzt wurden oder dass es kaum noch Erhöhungen der Beträge gibt.

Statt 326 Euro im Monat nur noch 264

Der Grund dafür ist die seit Jahren fallende Überschussbeteiligung der Lebensversicherer, die auch für Rentenversicherungen gilt. Da die Versicherer das Geld ihrer Kunden vorwiegend in festverzinslichen Wertpapieren anlegen, sind sie von den niedrigen Zinsen besonders betroffen.

In diesem Jahr liegt die durchschnittliche Überschussbeteiligung bei 2,51 Prozent. Damit werden die Guthaben der Versicherten aktuell verzinst, unabhängig davon, ob sie noch ansparen oder bereits eine Rente beziehen. 2002 betrug die Überschussbeteiligung noch 6,12 Prozent. So erhielt Rolf Schramm vor 15 Jahren noch 326 Euro monatlich aus seinem Rentenvertrag mit der Signal Iduna. Mittlerweile sind es nur noch 264 Euro, also knapp 20 Prozent weniger.

„Rentenkürzungen gibt es bei der teildynamischen Rente, weil unsere Pro­gnosen zu Rentenbeginn aufgrund der historisch niedrigen Zinsen von der tatsächlichen Entwicklung am Kapitalmarkt überholt wurden“, erläutert Ute Holtkamp, Lebensversicherungsspezialistin der Signal Iduna.

Eine solche teildynamische Rente bezieht auch Schramm. „Wenn die Überschussbeteiligung sinkt, führt das leider auch zu Rentenkürzungen“, sagt die Expertin. Betroffen seien vor allen Kunden, die zu Beginn der 2000er-Jahre in Rente gegangen sind. „Die garantierte Rente bleibt aber sicher“, sagt Holtkamp. Für Rentner Schramm heißt das konkret: Unter 253 Euro kann seine Monatsrente nicht sinken.

Unterschiedliche Namen für Rentenarten

Versicherte, die Rentenkürzungen hinnehmen müssen, beziehen eine sogenannte teildynamische Rente. Sie fällt zu Beginn höher aus als eine sogenannte volldynamische Rente. Diese ist niedriger, kann aber nicht gekürzt werden. Die Versicherer verwenden allerdings sehr unterschiedliche Namen für diese Rentenarten.

Die teildynamische Rente ist sehr stark von der Überschussbeteiligung abhängig. „Wenn die sinkt, müssen wir die Renten anpassen“, sagt Axa-Sprecherin Ursula Roeben. Das habe man auch getan. Auch bei der Debeka wurde in den Jahren 2016 und 2017 die kombinierte Zusatzrente, wie sie dort heißt, gekürzt, bestätigt Debeka-Sprecher Christian Arns. „Insgesamt zahlen wir 42.300 Renten aus, davon können aber nur 3400 gekürzt werden.“

Umfangreicher sind die Rentenkürzungen bei der Generali. Knapp 28.000 Rentenbeziehern drohen Kürzungen. Betroffen sind alle Policen mit einem Garantiezins ab 1,75 Prozent. Bei ihnen streicht der Versicherer nun wegen der niedrigen Zinsen die Verzinsung, die über den Garantiezins hinausgeht. „Auf mehr als die garantierte Rente kann man sich bei einer Rentenversicherung nicht verlassen“, sagt Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Auch bei anderen Versicherungen wie der Württembergischen, LV 1871 oder Ergo fällt die Rentenkürzung seit 2002 so aus wie bei der Signal Iduna. Das geht aus einer Studie des Branchendienstes map-Report hervor, der tatsächlich gezahlte Renten analysiert hat. Der Trend zeigt sich auch bei Versicherten, die seit 2007 eine teildynamische Rente beziehen. Die Kürzungen fallen zwar nicht so stark aus, dafür war die Rente von Anfang an niedriger.

Kein Verlass für Kunden auf zugesagten Rentenfaktor

Alle Beispiele beruhen auf der Einzahlung von einmalig 50.000 Euro durch einen 63 Jahre alten Mann, der daraus eine sofort beginnende Rente bezieht. Doch der Trend gilt für alle, auch wenn sie ihre Rente Monat für Monat angespart haben. So betrug bei der Ergo die monatliche Rente 2007 zum Start 249 Euro, derzeit liegt sie bei 238 Euro. Unter 214 Euro kann sie nicht sinken, denn das ist der garantierte Betrag.

Ärger gibt es aber nicht nur bei bereits laufenden Renten. Auch wer derzeit noch für seine Altersvorsorge anspart, erfährt, wie sich die Vertragsgrundlagen nachträglich verschlechtern. So ärgert sich Frank Bollinger* über gekürzte Rentenfaktoren bei der Neuen Leben. Der Faktor besagt, wie viel Rente später einmal pro 10.000 Euro angespartem Kapital im Monat ausgezahlt wird. Als Bollinger den Vertrag 2008 abschloss, lag der Rentenfaktor noch bei 39,54 Euro. Inzwischen sind es nur noch 30,29 Euro. „Grundsätzlich wirkt sich das erheblich gesunkene Zinsniveau in den vergangenen Jahren auch auf die Rentenfaktoren aus“, sagt ein Sprecher der Neue Leben.

So wie Bollinger geht es vielen Verbrauchern, die für ihr Alter bei einer Versicherung sparen. „Auch Kunden der Skandia-Lebensversicherung erhalten ähnliche Briefe“, berichtete die Verbraucherschützerin Becker-Eiselen. „Auf den Rentenfaktor, der zu Vertragsbeginn zugesagt wird, können sich die Kunden nicht verlassen.“

Rentenfaktor kann auch wieder steigen

Beim Marktführer Allianz sind Kunden betroffen, die ihre Police zwischen 2001 und 2011 abgeschlossen haben. Ein Allianz-Kunde sagt, dass ihm jetzt beim Rentenfaktor nur noch 38 statt 44 Euro in Aussicht gestellt werden. Wenn er bis zum Rentenbeginn 100.000 Euro angespart hat, bekommt er monatlich 380 statt ursprünglich 440 Euro Rente, also rund 14 Prozent weniger.

„Wir wollen mit einer Senkung verhindern, dass immer größere Teile des Geldes der Kunden in zinsarme Anlagen fließen müssen“, sagt Franz Billinger von der Allianz. Außerdem könne der Rentenfaktor wieder steigen, wenn sich die Lage an der Zinsfront verbessert.

Auch Axa und Zurich haben die Rentenfaktoren kapitalmarktnaher Rentenversicherungen gesenkt. „Die Versicherer haben bei der Anpassung weitgehend freie Hand“, sagt Axel Kleinlein, Sprecher des Bundes der Versicherten. Die Signal Iduna verfährt anders, sagt Holtkamp: „Einen einmal zugesagten Rentenfaktor haben wir nicht geändert und das ist auch nicht vorgesehen.“

* Namen geändert

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