Gema

Online-Petition bündelt Zorn gegen höhere Gema-Gebühren

Party in der Zeche Carl in Essen.

Party in der Zeche Carl in Essen.

Essen.  Die geplante Tarifänderung der Gema zieht den Volkszorn auf sich: Ein Unternehmer hat jetzt eine Online-Petition dagegen gestartet und schon tausende Unterstützer im Netz gefunden. Dort entlädt sich derzeit der ganze Groll gegen die Verwertungsgesellschaft.

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Matthias Rauh sagt der Gema den Kampf an. Der Inhaber einer kleinen Event-Agentur aus dem Harz geht gegen die mächtige "Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte" vor - die Treuhänderin von 64 000 Musikschaffenden. David gegen Goliath.

Doch Rauh sucht sich derzeit Mitstreiter. Er hat eine Online-Petition gestartet, die binnen weniger Tage schon über 16.700 Unterstützer im Netz gefunden hat. Und stündlich werden es mehr.

Darin wehrt er sich gegen die neue Tarifstruktur, die die Gema ab 2013 einführen will. Die Gema möchte das bisherige System, das aus elf Tarifen besteht, auf nur noch zwei zusammendampfen. Damit aber, so die Kritiker, würden viele Musikveranstaltungen - ob live oder vom Band - deutlich teurer als bislang. Vor allem Diskotheken befürchten das Aus. Durchschnittlich würden sich die Gebühren für Discos vervierfachen, hat der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) ausgerechnet. In der Spitze könnten die Gema-Ausgaben aber auch aufs 14-fache steigen.

Dehoga unterstützt Vorstoß

Auch Matthias Rauh fühlt sich in seiner Existenz bedroht. „Wenn die Diskotheken sterben, dann habe ich auch nichts mehr zu tun“, sagt er. Den Text seiner Petition mit dem Titel „Gegen die Tarifreform 2013 – Gema verliert Augenmaß“ hat er sich mit dessen Einverständnis beim Dehoga kopiert, der derzeit auch gegen die Tarifänderung mobil macht.

Stephan Büttner, Geschäftsführer der Bundesvereinigung der Musikveranstalter und beim Dehoga für dieses Themenfeld zuständig, sagt, er "begrüße die Petition ausdrücklich". Es sei gut, wenn möglichst viele Gruppierungen gegen den Monopolismus der Gema vorgingen.

Groll gegen die Gema entlädt sich im Netz

Mit seinem Vorstoß im Netz hat Rauh offensichtlich die Volksseele gerührt. Denn auf der Seite der Petition entlädt sich der ganze Groll gegen die Gema. So schreibt ein Unterzeichner: „Ich bin selbst seit 10 Jahren in der Eventgastronomie tätig und finde selbst die derzeitigen Tarife teilweise dreist. Diese geplante Erhöhung ist schlichtweg eine bodenlose Frechheit!“

Ein anderer fordert: „Die geplante Tarifstruktur ab 2013 zeigt jedoch wieder nur eins: wie weltfremd die Gema leider ist. Setzt sie diesen Plan um, werden viele Kulturschaffende nicht überleben. Stoppt die Gema jetzt!“ Andere werden in ihren Formulierungen noch schärfer. Da ist vom "Raubritterverein" und „Schmarotzer-Unternehmen“ die Rede.

Matthias Rauh ist es wichtig, dass solche Stimmen ein gemeinsames Forum finden. Auch dafür ist die Petition gedacht. Beim Petitionsausschuss des Bundestages einreichen wird er sie auf jeden Fall. „Ich will, dass ein öffentlicher Druck auf die Gema entsteht. Man darf sich doch nicht alles gefallen lassen“, meint er.

Weitere Online-Petition in Arbeit

Monika Bestle hat bereits Erfahrung mit Petitionen gegen die Gema gesammelt – keine guten, um es vorweg zunehmen. Die Betreiberin der Sonthofener Kulturwerkstatt hatte 2009 eine Petition gegen die Rechtegesellschaft angestoßen und über 100.000 Unterstützer gefunden. Der Petitionsausschuss des Bundestages lud sie schließlich zur Anhörung ein. Das war im Mai 2010. Seither hat sie nichts mehr aus Berlin gehört. „Das Ganze ist in irgendwelchen Schubladen gelandet“, vermutet sie.

Doch die rührige Frau, die seit Jahren gegen die empfundene Willkür der Gema wehrt, will auch jetzt wieder angreifen. Auch sie schreibt derzeit an einer neuen Petition. Darin will sie die alten Forderungen von 2009 und die neue Tarifstruktur miteinander verknüpfen. Erst im Gespräch mit DerWesten erfuhr sie von der bereits laufenden Initiative. Nun will sie mit Matthias Rauh Kontakt aufnehmen. „Es wäre doch sinnvoll, wenn wir das gemeinsam machen.“

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