Vorstandschef

Oliver Zipse – Vom Trainee zum Chef des BMW-Konzerns

Oliver Zipse wird vom 16. August an die Geschicke des BMW-Konzerns lenken.

Oliver Zipse wird vom 16. August an die Geschicke des BMW-Konzerns lenken.

Foto: Bloomberg / Bloomberg via Getty Images

Berlin/München.  Oliver Zipse ist dem BMW-Konzern seit 1991 treu geblieben. Nun muss der neue Vorstandsvorsitzende den Autobauer in die Zukunft führen.

Der neue Mann an der Spitze von BMW gilt als uneitel, aber durchsetzungsstark, souverän und polyglott. Für den Aufsichtsrat des Münchener Autokonzerns ist Oliver Zipse vor allem ein „führungsstarker Stratege und Analytiker“, der dem Unternehmen „zusätzliche Impulse bei der Gestaltung der Mobilität der Zukunft verleihen“ soll, sagte der Vorsitzende Norbert Reithofer nach der Wahl des jetzigen Produktionsvorstands zum neuen Vorstandschef.

Der 55-Jährige soll vom 16. August an die Geschicke des Autobauers lenken und Harald Krüger (53) ablösen, der erst vor zwei Wochen bekannt gab, seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen. Zipse kennt BMW wie seine Westentasche.

Der Maschinenbauer und Ingenieur hat nach seinem Studium in den USA und Darmstadt 1991 bei BMW als sogenannter Trainee begonnen und blieb dem Unternehmen bis heute treu.

Oilver Zipse muss die Zukunftsstrategie für BMW ausarbeiten

Seine Aufgaben führten Zipse unter anderem nach Südafrika und Oxford, bis er schließlich vor vier Jahren in den Vorstand aufrückte. Er ist mit einer Japanerin verheiratet, er hat zwei erwachsene Söhne.

Seinen ersten großen Auftritt in neuer Position wird Zipse wohl auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) im September hinlegen. So bleiben ihm nur wenige Wochen, um für BMW eine Strategie für die Zukunft auszuarbeiten. BMW steht – wie alle Autohersteller der Welt – vor der großen Herausforderung, die neue Mobilität zu definieren, sie zu prägen – und dabei möglichst an der Spitze mitzufahren.

„Die Autoindustrie steht in den nächsten zehn bis 15 Jahren vor tiefgreifenden Veränderungen“, sagt der Direktor des Center of Automotive Management, Stefan Bratzel, dieser Redaktion. Es handele sich um einen „Kampf der Welten“.

BMW schrieb erstmals seit zehn Jahren Verluste

Wer wird führend bei der E-Mobilität, dem autonomen Fahren? Welche Antriebe setzen sich durch, welche Mobilitätsdienste sind gefragt? Dabei konkurrieren nicht nur die klassischen Autobauer wie BMW, VW, Daimler, Toyota oder Ford um die Führungsposition, sondern auch Digitalgiganten wie Google, Uber, Apple sowie die chinesischen Konzerne wie Alibaba oder Tencent.

Denn künftig spielen neben Motoren auch Software und IT in der Mobilität eine entscheidende Rolle. BMW muss deshalb als Premiumhersteller in den nächsten Jahren das Tempo erhöhen. Das Unternehmen ist zwar mitnichten ein Sanierungsfall, doch erstmals seit zehn Jahren hat der Konzern zu Jahresbeginn im Autogeschäft Verluste geschrieben.

Zudem hat der Stuttgarter Konkurrent Daimler die Bayern vor drei Jahren bei den Absatzzahlen im Luxussegment überholt und auf Platz zwei verdrängt. Fakten, die zwar in die Amtszeit Krügers fallen – aber aus Sicht von Anlegern wieder umgekehrt werden müssen.

Autobauer muss stärker auf Elektromobilität setzen

Doch es gibt noch mehr Baustellen. Obwohl die Münchener bei der E-Mobilität einst Vorreiter waren und schon 2013 ihren batteriebetriebenen i3 und den Hybridsportwagen i8 auf den Markt gebracht haben, sind sie in dem Sektor mittlerweile ins Hintertreffen geraten.

Statt aus Fehlern zu lernen, habe BMW den Mut verloren, weiter auf E-Mobilität zu setzen, meint der Autoexperte Bratzel. Ein Weg, der korrigiert gehöre. Die Plug-in-Hybride sollten dagegen zurückgefahren werden.

Im Nacken sitzt dem Autobauer schließlich nicht nur der US-Konzern Tesla, der konsequent auf Elektromobilität setzt, sondern auch andere Hersteller wie VW, Audi oder Mercedes, die den Weg ebenso vorantreiben.

Auch die Aktionäre drängen. „BMW muss mehr Elektro-Modelle anbieten. Es kann doch nicht sein, dass Tesla BMW die Kunden wegschnappt“, sagt Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Immerhin ist Besserung angekündigt. Bis 2023 will BMW 25 Elektro-Modelle auf die Straße bringen, noch in diesem Jahr den ersten vollelektrische SUV iX3 und E-Mini.

Weltweite Handelskonflikte und Brexit könnten BMW belasten

Alternative Antriebe sind auch aufgrund umweltpolitischer Vorgaben geradezu ein Muss. Spätestens 2022 drohen Herstellern empfindliche Geldbußen, wenn sie die Klimaziele in Europa nicht einhalten. Es drohen Strafzahlungen, die in die Milliarden gehen könnten.

Die weltweiten Handelskonflikte könnten zudem zur Belastung werden, sollten neue Zölle erhoben werden. Insgesamt ist BMW allerdings mit seinen weltweit 31 Werken sehr flexibel aufgestellt, meinen Brancheninsider. Hier habe Zipse, der auch aktuell noch für die Produktion zuständig ist, ein ausgeklügeltes Netz geschaffen.

Schwieriger wird es laut Bratzel im Fall eines Brexit. BMW produziert den Mini in Großbritannien, eine Verlagerung wird nicht ausgeschlossen. Auf gutem Weg ist BMW bei Kooperationen. So wurden mit Daimler nicht nur die Mobilitätsdienste zusammengelegt, sondern auch eine Zusammenarbeit bei selbstfahrenden Autos beschlossen.

Denn längst ist klar, dass Innovationen viel Geld kosten und diese kaum von einem Unternehmen alleine gestemmt werden können.

Was eine mögliche Kursänderung für die weltweit rund 130.000 Beschäftigten bedeuten könnte, ist unklar. Viele sind zunächst gespannt, wie sich Zipse öffentlich präsentiert. Angesichts vieler medienpräsenter Autochefs wie Tesla-Boss Elon Musk sollte Zipse stärker als sein Vorgänger den Wandel symbolisieren, empfiehlt Autoexperte Bratzel: „Der Chef muss sein Unternehmen und seine Strategie verkörpern.“

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