Supermarkt-Kette

Metro-Chef will Supermarkt-Kette Real als Ganzes verkaufen

Der Handelskonzern Metro will sich von der Warenhauskette Real trennen.

Der Handelskonzern Metro will sich von der Warenhauskette Real trennen.

Foto: Tim Schulz/FUNKE Foto Services

Düsseldorf.  Handelsriese Metro will Real möglichst im Gesamtpaket verkaufen. Ziel sei, dass die Supermarkt-Kette ihren Weg in die Zukunft fortsetzen solle.

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Der Handelsriese Metro will seine Supermarkt-Tochter Real möglichst im Gesamtpaket verkaufen. Metro-Chef Olaf Koch erteilte einer Zerschlagung am Freitag eine Absage. Die Kette mit 34.000 Mitarbeitern solle unter einem neuen Eigner ihren Weg in die Zukunft fortsetzen, betonte er in einer Telefonkonferenz.

Es gebe Interesse an der mit Umsatzrückgängen kämpfenden Kette. Deutsche Konkurrenten wie Edeka oder Rewe werden aber wohl nicht zuschlagen, das Kartellamt dürfte dem einen Riegel vorschieben.

Kein Zusammenhang mit neuem Investor

Mit dem Einstieg des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky bei Metro habe die Entscheidung zum Verkauf nichts zu tun, unterstrich Koch. Für den Metro-Chef, der wegen der Kursentwicklung der Metro-Aktie bei Investoren zuletzt in der Kritik stand, könnte eine erfolgreiche Real-Veräußerung ein Befreiungsschlag werden. Er will Metro auf das Großhandelsgeschäft konzentrieren.

Koch warb für die Kette: Real verfüge in Deutschland über ein Netz aus 282 Märkten, ein rasch wachsendes Online-Geschäft und ein attraktives Immobilienportfolio von 65 Standorten. "Wir wissen, dass es Interesse für Real gibt." Metro sei bereits in der Vergangenheit auf die Kette angesprochen worden. Einen großen Teil des Real-Geschäfts hatte Metrobereits vor Jahren verkauft - 2012 gingen die Osteuropa-Aktivitäten an den französischen Wettbewerber Auchan. Auf dem Deutschland-Geschäft waren die Düsseldorfer damals sitzengeblieben.

Real-Geschäft läuft schleppend

Koch hatte in den vergangenen Jahren einen Umbau in Angriff genommen. In Krefeld entwickelte Real eine Modell-Markthalle, das Konzept soll auf zwei weitere Märkte erweitert werden, in weiteren 19 Märkten wurden Teile davon übernommen.

Zudem wächst das Online-Geschäft der Kette. Es soll in diesem Geschäftsjahr um knapp 90 Prozent auf über 380 Millionen Euro steigern. Ingesamt hatte Real aber in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2017/18 ein Umsatzminus von 1,5 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro verzeichnet. Im dritten Quartal schrumpften die Erlöse dabei sogar um 7,2 Prozent. Der operative Verlust (Ebitda) lag im dritten Quartal bei sieben Millionen Euro, vor Jahresfrist gab es noch ein Plus von 33 Millionen Euro.

Lohnkosten bei Real gedrückt

Koch drückt bei Real die Lohnkosten, um die Kette profitabler zu machen. "Mit der Umsetzung des neuen Tarifmodells hat Real die Grundlage für wettbewerbsfähige Kostenstrukturen geschaffen", teilte der Konzern mit. Der Metro-Chef hatte in der Vergangenheit beklagt, die Lohnkosten bei Real lägen rund 30 Prozent über denen von großen Wettbewerbern.

Als Konsequenz stieg Real aus dem Flächentarifvertrag mit der Gewerkschaft Verdi aus, neue Mitarbeiter fallen nun unter das neue und billigere Tarifmodell. Verdi hatte im Juli zu bundesweiten Ausständen aufgerufen. Die Gewerkschaft wolle im Herbst sehen, wie es weitergehe, hatte eine Sprecherin gesagt.

Analysten spekulieren über Amazon als möglichen Käufer

An der Börse kamen die Pläne für einen Verkauf der Supermarktkette gut an. Die Aktien zählten mit einem Plus von bis zu drei Prozent zu den größten MDax-Gewinnern. Analysten begrüßten die Pläne. Die Trennung von einem Geschäft, das in der Vergangenheit enttäuscht habe, könne nicht schlecht sein, urteilten Bernstein-Analysten. Als möglichen Käufer brachten sie den Online-Riesen Amazon ins Spiel. Dieser hatte jüngst in den USA eine Supermarktkette erworben und ist in Deutschland bereits im Lebensmittel-Geschäft aktiv. (rtr/dpa)

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