Wettbewerbsbericht

Kaum Konkurrenz auf der Schiene: Bahn beherrscht Fernverkehr

Deutsche Bahn beherrscht 99 Prozent des deutschen Fernverkehrs auf der Schiene. In Straßen wird unterdessen deutlich mehr investiert als in die Bahn.

Deutsche Bahn beherrscht 99 Prozent des deutschen Fernverkehrs auf der Schiene. In Straßen wird unterdessen deutlich mehr investiert als in die Bahn.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Berlin.  Trotz Liberalisierung tritt nur Flixtrain im Fernverkehr gegen die Deutschen Bahn an. Die meisten Privatfirmen gibt es im Güterverkehr.

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Die Konkurrenz ist mehr als übersichtlich. Wer von Berlin nach Frankfurt, Stuttgart oder Köln fahren möchte, hat Glück. Ebenso Reisende von Hamburg nach Essen, Düsseldorf und Köln – und umgekehrt. Auf diesen Strecken lässt Flixtrain als einziger Anbieter neben der Deutschen Bahn in Deutschland im Fernverkehr Züge fahren. Demnächst sollen weitere Ziele wie Leipzig, Aachen und Halle dazukommen.

Zudem steht das Unternehmen Rheinjet als neuer Wettbewerber in den Startlöchern. Der Anbieter will vom 8. November an Zugverbindungen zwischen Stuttgart, München und Frankfurt aufnehmen. Zugreisende haben damit wenigsten eine kleine Alternative zum Angebot des Staatskonzerns.

Deutsche Bahn beherrscht Fernverkehr zu 99 Prozent

Obwohl der Schienenverkehr in Deutschland bereits vor 25 Jahren für die private Konkurrenz geöffnet wurde, wird der Fernverkehr immer noch zu 99 Prozent von der Deutschen Bahn beherrscht. Dies geht aus dem aktuellen „Wettbewerber-Report Eisenbahnen 2019/20“ hervor, der vom Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) und Mofair jetzt vorgelegt wurde.

Grundsätzlich sehen die Verbände aber durchaus Fortschritte bei der Liberalisierung des Eisenbahnmarktes. So ist der Marktanteil privater Anbieter im Regionalverkehr immerhin schon auf 36 Prozent gewachsen. Bis zum Jahr 2024 könnte ihr Anteil auf 45 Prozent steigen, schätzen die Verbände. Nach dem Platzhirsch DB Regio folgt die französische Transdev Group, die etwa die Nordwestbahn und die Bayerische Oberlandbahn betreibt. Danach kommen Ableger der Staatsbahnen Italiens und der Niederlande, Netinera und Abellio.

Wie unpünktlich ist die Deutsche Bahn wirklich?
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Stärkste private Konkurrenz im Güterverkehr

Am weitesten ist der Wettbewerb im Güterverkehr fortgeschritten: 2018 wurden auf der Schiene erstmals mehr als 50 Prozent aller Waren von Privatbahnen transportiert. Immerhin, sagt der NEE-Vorstandschef Ludolf Kerkeling: „Elementare Behinderungen durch die DB gebe es heute nicht mehr.“

Dennoch läuft im Schienenverkehr keineswegs alles rund. Die privaten Eisenbahnunternehmen ärgern sich vor allem über den geringen und zu langsamen Ausbau des deutschen Eisenbahnnetzes, das von der DB betrieben wird. „Im Eisenbahnsektor dauert die Modernisierung nach wie vor zu lange“, kritisiert Christian Schreyer, Präsident des Bündnisses für fairen Wettbewerb im Schienenpersonenverkehr (Mofair).

192 Kilometer neue Straßen pro Woche - aber nur 1,3 Kilometer Schienen

Ein modernes Netz ist Voraussetzung, um sich gegen andere Verkehrsmittel auf der Straße durchzusetzen. Der Autoverkehr werde in Deutschland jedoch nach wie vor bevorzugt. So wurden in den vergangenen Jahren etwa 10.000 Kilometer neue Straßen pro Jahr fertiggestellt – also 192 Kilometer pro Woche. Zugleich wurden aber nur 1,3 Kilometer neue Bahnstrecken fertig. „Dies entspricht einem 150stel der Straßenkilometer“, bemängeln die Verbände.

„Der Bund stellt für den Neu- und Ausbau des Schienennetzes nur rund 1,6 Milliarden Euro pro Jahr zur Verfügung.“ Und selbst dieses Geld sei in den vergangenen Jahren nicht vollständig ausgegeben worden. Zum Vergleich: Das wesentlich kleinere Österreich investierte 2018 mit 1,3 Milliarden Euro relativ viel mehr in seine Infrastruktur. Darüber hinaus kritisieren die Privatanbieter das Baustellenmanagement der Deutschen Bahn, die langsamen Planungsprozesse für Neubauten sowie die ständig steigenden Trassenentgelte, die für die Nutzung der Schienen bezahlt werden müssten.

86 Milliarden Euro für Sanierung und Neubau der Infrastruktur

Im Rahmen des Klimapaketes hat auch die Bundesregierung die Eisenbahn mittlerweile als wichtigen Faktor für die notwendige Verkehrswende ausgemacht. Der Staatskonzern soll in den nächsten zehn Jahren die Rekordsumme von insgesamt 86 Milliarden Euro in die Sanierung und den Ausbau der Infrastruktur investieren.

Allerdings kritisieren die privaten Eisenbahnen, dass der Staat das Eigenkapital der Deutschen Bahn gleichzeitig um jährlich eine Milliarde Euro bis 2030 erhöhen möchte. „Diese Maßnahme bringt der Robustheit der Eisenbahnstruktur nichts“, kritisieren die Verbandschefs. Vielmehr bestehe darin eine konkrete Gefahr der Wettbewerbsverzerrung zugunsten der DB.

Auch der Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert, dass der Ausbau des Schienennetzes „über Jahrzehnte vernachlässigt wurde“, sagt der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann dieser Redaktion. Hier herrsche Nachholbedarf. Auch mehr Wettbewerb sei zu begrüßen. So fahren beispielsweise die etwas älteren Züge von Flixtrain vielleicht nicht so schnell wie der ICE, dafür aber preisgünstiger. Ab Dezember fährt Flixtrain zudem sieben Städte neu an.

Der Anbieter mit den grünen Zügen wirbt mit kostenlosem Wlan, Steckdosen sowie Snacks und Drinks an Bord. „Wettbewerb ist ein wichtiger Faktor, um die Kreativität auf der Schiene zu verbessern“, meint Naumann. „Und auch, um für unterschiedliche Nachfragen passende Angebote zu finden.“

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