Galeria Karstadt Kaufhof

Karstadt-Spitze verärgert Verdi nach erstem Tarif-Treffen

Filialen von Karstadt und Galeria Kaufhof liegen in Düsseldorf gegenüber. Rechts wird elf Prozent mehr verdient als links.

Filialen von Karstadt und Galeria Kaufhof liegen in Düsseldorf gegenüber. Rechts wird elf Prozent mehr verdient als links.

Foto: Marius Becker / dpa

Essen.  Karstadt/Kaufhof will die Löhne angleichen. Ohne rasche Einigung würden Kaufhof-Entgelte um elf Prozent sinken. Verdi: Lassen uns nicht drohen.

Die Karstadt-Kaufhof-Führung will möglichst schnell gleiche Löhne bei den fusionierten Warenhaus-Ketten erreichen. Das teilte das Unternehmen nach einem ersten Treffen mit den Verdi-Bundestarifkommissionen für Karstadt und Galeria Kaufhof mit. Der Kaufhauskonzern warnte die Gewerkschaft gleichzeitig, „ohne einen kurzfristigen Tarifabschluss“ drohe „automatisch eine rund elfprozentige Entgeltabsenkung für alle Mitarbeiter von Kaufhof“. So viel mehr verdienen derzeit die Kaufhof-Beschäftigten mehr als ihre Kollegen bei Karstadt.

„Einen solchen harten Einschnitt wollen wir aber vermeiden und stattdessen eine wirtschaftlich tragbare Angleichung mit Verdi vereinbaren“, erklärte Arbeitsdirektor Miguel Müllenbach. Die sofortige Absenkung der Kaufhof-Löhne käme, wenn die bisher formal noch getrennten Kaufhausketten auch rechtlich zusammengeschlossen würden. Diesen Schritt prüfe man derzeit, hieß es in der Mitteilung des Unternehmens.

Verdi: „Das ist unprofessionell“

Verdi reagierte empört: „Wir lassen uns nicht drohen“, sagte Orhan Akman, Bundesfachgruppenleiter für den Einzelhandel. Er war nach eigenen Angaben bei dem Gespräch dabei und nannte es „höchst unprofessionell“, dass Karstadt danach eine Mitteilung dazu veröffentlichte. „Wir führen Tarifverhandlungen nicht über die Medien“, sagte Akman, „und wenn Herr Fanderl ernsthaft mit uns reden will, sollte auch er sich daran halten“.

Das Management um den Chef Stephan Fanderl hat Verdi nach eigener Aussage bereits „ein Angebot zur Angleichung der Entgelte“ vorgelegt, und zwar „auf Basis des bestehenden Zukunftstarifvertrags von Karstadt“. Der sieht eine schrittweise Rückkehr in den Flächentarif des Einzelhandels bis 2021 vor. So lange sind die Löhne an den Erfolg des Unternehmens gekoppelt. Fanderl hatte Kaufhof zu Jahresbeginn aus der Tarifbindung genommen. Um die Angleichung der Löhne zu harmonisieren, solle nun die Laufzeit dieses Zukunftstarifvertrags um vier Jahre verlängert werden. Das würde für die Beschäftigten auch vier Jahre mehr Job- und Standortgarantien bedeuten.

Voraussetzung für Signa-Investitionen

„Damit bekämen die Karstadt-Mitarbeiter bei Abschluss sofort mehr Geld und die Entgeltreduzierung für Kaufhof-Mitarbeiter würde wesentlich geringer ausfallen, als dies durch den Karstadt-Zukunftstarifvertrag bislang vorgegeben wäre“, wirbt das Unternehmen für seinen Vorschlag. „Eine solche Einigung“, betonte das Management, sei zugleich „die notwendige Voraussetzung für einen weiteren Finanzierungsbeitrag des künftigen Alleingesellschafters Signa in dreistelliger Millionenhöhe“.

Beim Verhandlungspartner kamen die genannten Bedingungen gar nicht gut an. „Das Vorgehen des Managements ist nicht zielführend. Wir können beides: Konflikt und Dialog. Der Arbeitgeber kann entscheiden, was er haben will“, sagte Akman. Verdi sei bei Karstadt und Kaufhof „jederzeit in der Lage, den Konflikt mit unseren Mitteln hochzufahren“.

Der Einzelhandelsexperte von Verdi beharrt auch darauf, am Ende der Verhandlungen könne „nur der Flächentarif stehen“. Das klingt beim Unternehmen nicht unbedingt so. Es strebt „mittelfristig einen auf die wirtschaftliche Situation und die speziellen Bedürfnisse der Warenhäuser zugeschnittenen gemeinsamen Warenhaustarifvertrag“ an, der sich „an den Entgelttarifverträgen im Einzelhandel orientierten“ solle.

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