Verkostung

Jede vierte Flasche: Aldi Süd mischt den Weinmarkt auf

Sommelier Markus Dilger schenkt in Düsseldorf noch bis zum 21. März Weine von Aldi Süd aus.

Foto: Lars Heidrich

Sommelier Markus Dilger schenkt in Düsseldorf noch bis zum 21. März Weine von Aldi Süd aus. Foto: Lars Heidrich

Düsseldorf.   Aldi Süd verkauft jährlich 170 Millionen Flaschen. Mitten in der Düsseldorfer City wirbt der Discounter mit einer Verkostung für seine Tropfen.

Am Ende der Flaniermeile Kö in Düsseldorf ist Aldi Süd längst mit einer Filiale vertreten. Jetzt hat der Mülheimer Discounter auch noch einen gläsernen Weinladen vor dem Edelkaufhaus Breuninger eröffnet. Allerdings nur vorübergehend. Zur Messe „Pro Wein“ in der Landeshauptstadt will Aldi unterstreichen, dass die Kette einer der größten Weinhändler in Deutschland ist.

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat sich den Markt unlängst genauer durchleuchtet und kam zu dem Ergebnis: Wein ist zum Umsatztreiber und Kundenmagneten für die Discounter in Deutschland geworden. Aldi, Lidl, Penny und Co. werben nicht mehr nur zu Weihnachten und Silvester mit teuren Barolos und Rothschilds. Nach GfK-Berechnungen stammt inzwischen jede zweite Flasche Wein (48 Prozent) aus den Regalen eines Discounters.

100 verschiedene Weine im Dauersortiment

„Jede vierte Flasche Wein wird bei Aldi gekauft“, sagt Ingo Panknin, im Zentraleinkauf bei Aldi Süd verantwortlich für den Wein-, Kaffee und Lebensmitteleinkauf. Ob Aldi damit der größte Weinhändler in Deutschland ist, will er nicht bestätigen. Nur so viel: „Wir haben eine führende Position inne. Darauf sind wir stolz.“ In seinen rund 1870 Filialen in Deutschland verkauft Aldi Süd pro Jahr 170 Millionen Flaschen Wein. Das sind statistisch gesehen mehr als zwei Flaschen pro Bundesbürger.

100 verschiedene Weine hat Aldi Süd ganzjährig im Sortiment. 200 weitere werden zu Festtagen wie Ostern und Weihnachten angeboten. Das Standard-Spektrum beginnt beim mazedonischen Rose für 1,59 Euro pro Liter und endet beim Barolo für 13,32 Euro. „Weine bis zu 30 Euro haben wir bislang problemlos verkauft“, sagt Panknin. Er will nicht ausschließen, dass Aldi Süd teure Tropfen auf Dauer ins Sortiment nimmt. Änderungen im Angebot, so der Manager, mache das Unternehmen von Verkaufstests in ausgewählten Regionen abhängig.

Der Konkurrent Lidl war indes vor einigen Jahren mit seiner Hochpreis-Politik gescheitert. Die wertvollen Weine in ihren schicken Holzkisten sollen in den Regalen vieler Filialen verstaubt sein, heißt es. Gerüchteweise sollen die millionenschweren Hinterlassenschaften der Edel-Aktion noch heute im Lidl-Keller stehen.

Auf namhafte Winzer setzt auch Aldi Süd: Zu den Lieferanten gehören nicht nur Rothschild, sondern auch bekannte Weingüter wie Fritz Keller und Frescobaldi. So etwas wie einen Kultstatus hat inzwischen der Champagner Monsigny für einen Literpreis von 17,32 Euro. Mit sieben Millionen verkaufter Flaschen pro Jahr ist nach Angaben von Panknin allerdings ein Müller-Thurgau aus Rheinhessen und der Pfalz der Anführer der Hitliste.

Welchen Anteil Weine am Gesamtumsatz von Aldi Süd haben, will der Manager nicht preisgeben. Er verweist jedoch auf das neue Filialkonzept, das derzeit ausgerollt wird: Darin wird Wein ein deutlich größerer Raum in edler Holzoptik geboten als bisher.

Messe „Pro Wein“ vom 19. bis 21. März

Nicht von ungefähr haben die Mülheimer ihren ersten Wein-Shop in diesen Tagen mitten in der Düsseldorfer City aufgebaut. Vom 19. bis 21. März findet in der Landeshauptstadt die „Pro Wein“, die internationale Leitmesse für Wein und Spirituosen, statt. Aldi Süd macht kein Hehl daraus, dass man die aus aller Welt anreisenden Messebesucher auf die eigenen Weine aufmerksam machen will. Aber auch ganz normale Verbraucher können die zwölf im gläsernen Pavillon auf dem Schadowplatz ausgestellten Tropfen kostenlos probieren. Der Discounter reicht sogar Kaffee und Mineralwasser dazu. „Gleich am ersten Morgen war es voll“, sagt eine Sprecherin. An mobilen Touchscreens können „ungeübte“ Besucher hier auch gleich testen, welcher Weintyp sie sind.

Bei der Gesellschaft für Konsumforschung ist man davon überzeugt, dass die Discounter mit der Fokussierung auf das Thema Wein auch weiter ihr Billigimage abstreifen wollen. „Die Discounter wollen mit ihrem Weinangebot qualitätsbewusste und anspruchsvolle Kunden ansprechen, die sonst vielleicht nicht den Weg in ihren Laden finden“, sagt GfK-Handelsexperte Wolfgang Adlwarth. Diverse Tests geben ihm recht: Zuletzt schnitten die Aldi-Weine auch bei den Spezialisten des Gourmet-Magazins Falstaff gut ab.

Auch interessant
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik