Pakt für Klimaschutz

Handwerk sieht Chancen im Ruhrgebiet

Diskutierten auf Zollverein über das Handwerk im Revier: v.l. der Dortmunder Kammerpräsident Berthold Schröder, RVR-Direktorin Karola Geiß-Netthöfel, WAZ-Chefredakteur Andreas Tyrock, NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach, Oberhausens OB Daniel Schranz und Lehrlingswartin Susanne Timmermann.

Diskutierten auf Zollverein über das Handwerk im Revier: v.l. der Dortmunder Kammerpräsident Berthold Schröder, RVR-Direktorin Karola Geiß-Netthöfel, WAZ-Chefredakteur Andreas Tyrock, NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach, Oberhausens OB Daniel Schranz und Lehrlingswartin Susanne Timmermann.

Foto: Julia Tillmann

Essen.   Handwerk und Regionalverband RVR schließen Pakt für Klimaschutz und wollen eine Solardach-Offensive starten. Betriebe klagen über Flächennot.

Handwerk, Städte und Regionalverband Ruhr wollen gemeinsam den Klimaschutz im Ruhrgebiet voranbringen. Die Partner besiegelten jetzt auf der Zeche Zollverein in Essen einen „Masterplan Klimaschutz“ und formulierten ihr erstes Ziel: Im Revier sollen mehr Solardächer umweltfreundlich Energie erzeugen.

Die Handwerkskammer-Präsidenten Andreas Ehlert (Düsseldorf), Berthold Schröder (Dortmund) und Hans Hund (Münster) sprachen nach der Vertragsunterzeichnung von einem „Meilenstein“, um der Energiewende im Ruhrgebiet zum Durchbruch zu verhelfen. Die elf Kreishandwerkerschaften wollen sich insbesondere bei der energetischen Sanierung von Gebäuden und dem Ausbau der Solarenergie engagieren.

„Handwerk ist ein Tausendfüßler“

„Wir haben jetzt einen starken regionalen Akteur an unserer Seite“, sagte Karola Geiß-Netthöfel, Direktorin des Regionalverbands Ruhr (RVR). „Gemeinsam wollen wir Maßnahmen entwickeln, um die energiewirtschaftlichen Herausforderungen zu meistern.“ Als „Tausendfüßler“ sei das Handwerk unabhängig von den Wirtschaftszyklen, betonte der Münsteraner Präsident Hund.

Der Klimaschutz ist aber nur ein Thema, mit dem sich das Handwerk zu Wort meldet. Bei einer Podiumsdiskussion auf Zeche Zollverein, die WAZ-Chefredakteur Andreas Tyrock moderierte, ging es auch um das Positionspapier, das die drei Kammern und elf Kreishandwerkerschaften zum Start der von der Landesregierung initiierten Ruhrkonferenz veröffentlicht hatten (wir berichteten). Darin formulieren sie den Anspruch, als kleinere Betriebe im Vergleich zu den Konzernen eine größere Rolle zu spielen.

Schwieriger Wettbewerb Eine zentrale Forderung des Handwerks will NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) noch in diesem Monat umsetzen. „Wir wollen die regionale Wertschöpfung stärken und das Prinzip ,billiger ist besser’ durchbrechen“, kündigte sie in Essen an. Aufträge bis zu einem Wert von 100 000 Euro (ohne Umsatzsteuer) sollen die Kommunen künftig wieder freihändig vergeben können. Ein Teilnahmewettbewerb soll auch bei Auftragswerten bis zu einer Million Euro entfallen können. „Wir schaffen Raum für das, was Sie vor Ort tun können“, sagte Scharrenbach an die Adresse der Handwerker. „Das Ruhrgebiet braucht mehr Unternehmens-Freundlichkeit.“

Land NRW bittet Bund um Hilfe

Unterstützung verspricht die Ministerin der Wirtschaft auch bei ihrer Forderung, die Entwicklung von Brachflächen voranzubringen. Sie werbe auf Bundesebene für eine Erhöhung der zur Verfügung stehenden Mittel, um diese Flächen „wieder an den Start zu bekommen“, sagte Scharrenbach.

Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer Dortmund, hatte kritisiert, dass im Ruhrgebiet neue Gewerbegebiete für große Logistikunternehmen geplant würden. „Als Handwerker können wir doch nicht auf der grünen Wiese sitzen“, sagte er. RVR-Direktorin Geiß-Netthöfel zeigte Verständnis für die Forderung: „Handwerker müssen nahe bei ihren Kunden sein. Wir haben aber einen Flächenengpass. Deshalb brauchen wir Unterstützung bei der Brachen-Entwicklung.“

Schlechte Ausstattung der Berufsschulen

Auf den Nägeln brennt der Branche auch die Ausstattung der Berufsschulen und überbetrieblichen Lehrwerkstätten. „Wir haben nicht genug gut ausgebildete Lehrer und auch die technische Ausstattung ist schlechter als in Süddeutschland“, meint Susanne Timmermann, Lehrlingswartin der Kreishandwerkerschaft Recklinghausen.

Oberhausens Oberbürgermeister Daniel Schranz (CDU) wies den Vorwurf der Handwerker zurück, die Revierstädte gründeten immer mehr Unternehmen in Konkurrenz zu ihnen. „Ich sehe da nicht so viele Beispiele“, sagte Schranz. Oberhausen vergebe etwa Reinigungsaufgaben an das lokale Handwerk.

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