RAG-Stiftung

Folgekosten des Bergbaus höher als ursprünglich erwartet

RAG-Stiftungschef Bernd Tönjes – hier bei einer Grubenfahrt im vergangenen Jahr.

RAG-Stiftungschef Bernd Tönjes – hier bei einer Grubenfahrt im vergangenen Jahr.

Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Essen.  Bilanz der RAG-Stiftung: Nach dem Kohleausstieg sind die Kosten höher als zunächst erwartet. Geld kommt durch Evonik in die Kasse.

Die Folgekosten des Bergbaus sind nach Einschätzung der zuständigen RAG-Stiftung höher als zunächst erwartet. Im Laufe des vergangenen Jahres hatte Stiftungschef Bernd Tönjes bereits angekündigt, dass die ursprünglich veranschlagten 220 Millionen Euro pro Jahr für die sogenannten „Ewigkeitsaufgaben“ in der Anfangszeit nicht reichen werden. „Dies hat sich bestätigt“, erklärte Tönjes bei der Bilanzvorlage der Stiftung auf dem Essener Welterbe-Areal. Für das laufende Jahr rechnet die Stiftung mit Kosten in Höhe von knapp 300 Millionen Euro. Da die Stiftung „finanziell gut aufgestellt“ sei, könne sie die Mehrbelastung tragen.

Negativ zu Buche schlage, dass die RAG-Stiftung noch nicht ihr neues Grubenwasserkonzept habe umsetzen können. Die Pläne lagen beim NRW-Umweltministerium und der Bezirksregierung Arnsberg zur Prüfung. Dabei ging es unter anderem um die Wasserhaltung in den Bergwerken Haus Aden und Auguste Victoria sowie Gutachten zum PCB-Einsatz unter Tage. Verzögerungen gibt es auch im Saarland, wo die RAG ebenfalls Zechen betrieben hat.

„Schutz der Menschen und des Trinkwassers“

Im vergangenen Jahr hatten die letzten deutschen Steinkohlenzechen ihren Betrieb eingestellt. Die RAG-Stiftung bereitet derzeit einen Anstieg des Grubenwassers vor. Sorgen der Menschen angesichts möglicher Gefahren nehme die Stiftung „sehr ernst“, betonte Tönjes. „An oberster Stelle stehen für uns der Schutz der Menschen und des Trinkwassers.“ Ziel der Stiftung seien auch ökologische Verbesserungen. So sollen beispielsweise kleine Flüsse frei von Grubenwasser gehalten werden.

Die RAG-Stiftung ist unter anderem Mehrheitsaktionär des Essener Chemiekonzerns Evonik und am Gelsenkirchener Wohnungsunternehmen Vivawest sowie zahlreichen Mittelständlern beteiligt. Das Vermögen der Stiftung beträgt rund 17 Milliarden Euro. Allein im vergangenen Jahr seien 912 Millionen Euro für die Ewigkeitslasten in die Kasse gekommen – nach 431 Millionen Euro im Vorjahr.

Bekenntnis zum Essener Chemiekonzern Evonik

Durch den Verkauf eines Evonik-Aktienpakts nahm die Stiftung 458 Millionen Euro ein. Dafür musste sie sich allerdings von 3,5 Prozent des Evonik-Grundkapitals trennen. Tönjes, der auch Aufsichtsratschef des Chemiekonzerns ist, betonte, die Stiftung werde „weiter einen signifikanten Anteil an Evonik halten“.

Die Dividende des Konzerns gehört zu den wichtigen Einnahmequellen der RAG-Stiftung. Allein bei der aktuellen Gewinnausschüttung des Essener Konzerns erhält die Stiftung, die rund 64 Prozent der Anteile hält, brutto 344 Millionen Euro.

Unzufrieden zeigte sich Tönjes mit dem Evonik-Aktienkurs. „Während der Konzernumbau gut vorankommt, lässt die Wertschätzung des Kapitalmarkts für Evonik nach wie vor zu wünschen übrig“, so Tönjes. Er erwarte aber „eine gute Entwicklung“ des Unternehmens, die den Aktienkurs „mittelfristig beflügeln“ sollte.

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