Energiewirtschaft

Eon-Chef hält Übergewinnsteuer-Debatte für „nachvollziehbar“

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Deutschlands größter Energiekonzern Eon hat im ersten Halbjahr weniger verdient – und sieht sich entsprechend nicht als Krisengewinner.

Deutschlands größter Energiekonzern Eon hat im ersten Halbjahr weniger verdient – und sieht sich entsprechend nicht als Krisengewinner.

Foto: Fabian Strauch / FUNKE Foto Services

Eon.  Eon-Chef Birnbaum ist nicht grundsätzlich gegen eine Krisengewinnsteuer. Er warnt aber davor, die Falschen zu treffen – Eon profitiere nicht.

Deutschlands größter Energiehändler Eon gibt die stark gestiegenen Beschaffungskosten zum Teil an seine europaweit 50 Millionen Kunden weiter und rechnet mit weiteren Preiserhöhungen beim Gas, aber auch beim Strom. Konzernchef Leonard Birnbaum nannte die Diskussionen in der Bundesregierung über eine Sondersteuer für Unternehmen mit krisenbedingten Gewinnsprüngen „nachvollziehbar“. Zugleich betonte er bei der Vorlage der Halbjahresbilanz, dass Eon nicht zu den Krisengewinnern gehöre, sondern selbst unter den hohen Preisen leide.

Die Zahlen bestätigen das – freilich auf hohem Niveau: Der Essener Dax-Konzern büßte von Januar bis Juni rund ein Fünftel seines bereinigten Nettogewinns ein, der auf 1,4 Milliarden Euro sank. Das operative Ergebnis fiel um 15 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro. Birnbaum nannte das „ein solides Halbjahresergebnis“, die Rückgänge blieben im Rahmen des Erwarteten.

Eon-Chef fordert Senkung der Mehrwertsteuer auf Energie

Die Verwerfungen bei den Energiepreisen seien ein „Schock für die Menschen“ und für die Wirtschaft, sagte Birnbaum. Er begrüßte deshalb die Gegenmaßnahmen der EU und Deutschlands. „Die europäischen Regierungen haben in ungeahntem Tempo und in nie dagewesenem Umfang energiepolitische Weichen gestellt“, lobte er. Etwa die Gaseinspar-Pläne, alternative Beschaffungswege und Unterstützungen für die Verbraucher. Auch die Staatshilfen für angeschlagene Gashändler – allen voran Uniper – seien richtig, ebenso die Gasumlage, die die Mehrkosten „solidarisch verteilt“. Was der Eon-Chef noch gerne hätte: „Wegfall der Energiesteuer und Senkung der Mehrwertsteuer.“

Die Essener haben im ersten Halbjahr die Gaspreise für ihre Kunden in Nordrhein-Westfalen um durchschnittlich 40 Prozent angehoben. Das ist in den anderen europäischen Ländern, in denen Eon rund 36 Millionen Kunden hat, mal leichter und mal schwerer, mal reguliert und mal nicht. In Großbritannien etwa steht im Oktober die nächste Anhebung des staatlichen Energiepreisdeckels an, auf der Insel wird laut Eon-Finanzchef Marc Spieker eine Erhöhung um 50 Prozent durch die Regulierer erwartet.

Eon rechnet mit steigenden Strompreisen 2023

Die Strompreise blieben für die privaten Eon-Kunden Birnbaum zufolge annähernd stabil, weil die durchschnittliche Erhöhung um 17 Prozent von der Streichung der Ökostrom-Umlage im Juli fast ausgeglichen wurde. Gewerbe- und Industriekunden, die schon vorher weitgehend von der Umlage befreit waren, bekämen die Erhöhung aber voll zu spüren. Birnbaum rechnet für 2023 mit weiteren Preiserhöhungen auch beim Strom, wenn die aktuell stark steigenden Marktpreise dauerhaft hoch blieben.

Für die Diskussionen um eine Übergewinnsteuer, die im Berliner Regierungsviertel in erster Linie für Energiekonzerne immer heißer diskutiert wird, zeigte der Eon-Chef grundsätzlich Verständnis. Er wehrt sich aber gegen eine Pauschalisierung der Energiebranche. Während Erzeuger derzeit von den steigenden Preisen profitierten, hätten sie für Händler wie Eon nur negative Auswirkungen: „Unserem Konzern ginge es ohne die hohen Preise besser“, stellte er klar.

Der Essener Dax-Nachbar und Stromerzeuger RWE wird am Donnerstag seine Halbjahresbilanz vorlegen, die mutmaßlich sehr hohe Gewinne ausweisen wird. Der Düsseldorfer Stromerzeuger und Gasimporteur Uniper muss dagegen vom Staat gerettet werden, weil ihn die Drosselung der russischen Gaslieferungen und die daraus folgenden Verwerfungen in Existenznot gebracht haben.

Entsprechend mahnt Birnbaum, die Politik müsse bei der Ausgestaltung einer Übergewinnsteuer „sehr aufpassen“, nicht die Falschen zu treffen. Das oft als Beweis für die Machbarkeit genannte italienische Vorbild etwa wäre fatal für Eon, weil es sich am Umsatz orientiert. „Mit den Preisen steigen unsere Umsätze natürlich dramatisch“, erklärte Birnbaum, aber weil Eon sie nicht voll weitergeben kann, passiere beim Gewinn genau das Gegenteil. Mit der britischen Variante hat er weniger Probleme: London kassiert nur von den Gas- und Ölproduzenten wie BP und Shell eine Zusatzsteuer von 25 Prozent.

Eon verkauft deutlich mehr Solaranlagen für Privathäuser

Aus einseitigen Abhängigkeiten wie aktuell von russischem Gas könne sich Deutschland nur mit dem Umstieg auf Erneuerbare Energien befreien, betonte Birnbaum, „die Energiewende gewinnt durch die Krise an Bedeutung“. Deshalb müsse sie beschleunigt werden. Eon trage dazu mit dem Ausbau seiner Netze bei, investiere in diesem Jahr vier Milliarden Euro in neue Leitungen, die vor allem für den Transport von Ökostrom gebraucht werden. Gleichzeitig steige die Nachfrage nach Solaranlagen mit Speichern für Privathäuser und alternativen Heizlösungen wie Wärmepumpen. In diesen Bereichen habe Eon seinen Umsatz im ersten Halbjahr um 40 Prozent erhöht.

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