Digitalmesse

Experte: Handwerk hat ohne Digitalisierung keine Zukunft

Passgenaue und sogar schicke Orthesen aus dem 3-D-Drucker sind heute kein Problem mehr. Unternehmer Antonius Köster (Mitte) und sein Mitarbeiter Ingo Kappes (mit Scanner) präsentieren am Mittwoch vielfältige Möglichkeiten auf der Messe Handwerk Digital 2019 in Dortmund.

Passgenaue und sogar schicke Orthesen aus dem 3-D-Drucker sind heute kein Problem mehr. Unternehmer Antonius Köster (Mitte) und sein Mitarbeiter Ingo Kappes (mit Scanner) präsentieren am Mittwoch vielfältige Möglichkeiten auf der Messe Handwerk Digital 2019 in Dortmund.

Foto: Olaf Fuhrmann / Funke Foto Services GmbH

Dortmund.  Modernes Handwerk: Digitalberater Christoph Krause sieht besonders in kleineren Betrieben große Chancen. Firmen sollten rechtzeitig umdenken.

Die Zukunft des Handwerks ist eng mit der Digitalisierung verknüpft. „Das Handwerk hat zwei Chancen, 0.0 und 4.0“, sagt der Digitalberater Christoph Krause. 4.0 werde irgendwann entscheiden, wer noch 0.0 ist. Der Markt werde sich in den kommenden fünf Jahren sehr, sehr stark verändern. „Wer jetzt seine Prozesse noch nicht digitalisiert hat, wird es schwer haben.“ Krause vertritt diese These auf der Messe Handwerk Digital, die am Mittwoch zum dritten Mal in der Zeche Hansemann in Dortmund-Mengede, dem Berufsbildungszentrum der Handwerkskammer Dortmund, stattfand.

3-Drucker statt Stichsäge?

Ersetzt Software bald den Beitel? Macht der 3-Drucker die Stichsäge überflüssig? Wie viel mit modernen Werkzeugen heute schon möglich ist, zeigt Antonius Köster auf der Messe Handwerk Digital in Dortmund. Der Sauerländer ist einer von rund 80 Ausstellern, die auf der noch jungen Zukunftsmesse Erstaunliches präsentieren. Köster ist Modellbaumeister und ein alter Hase beim Thema 3-D-Druck: „1991 habe ich das Verfahren das erste Mal angewendet“, sagt der Mescheder. Heute ist er mit seinem Unternehmen gefragter Spezialist, hat Kunden von Helsinki bis Pakistan und aus zahlreichen Branchen, von Spielzeugherstellern wie Lego über die Automobilhersteller bis hin zur Medizinbranche, denen er mit seinem Unternehmen bei der Entwicklung und dem Einsatz neuer Methoden entweder mit Beratung, passender Software für die Umsetzung von 3-D-Druck oder gleich einem Gesamtpaket hilft.

Grenzen scheint es hier kaum zu geben. Köster präsentiert einige Möglichkeiten am Beispiel von Orthopädie- ud Medizintechnik. Wo früher der Gipsabdruck und Hoffen Brüche heilen musste, rechnet heute Software anhand von CT-Bildern genau aus, wie eine Schale aus dem Drucker kommen muss, um exakt zu passen. Es spart Zeit, Geld und ist offenbar auch ein echter Fortschritt beim Tragekomfort. Futuristisch mutet das „Touch X“ an, das in der Prothetik zum Einsatz kommt und insbesondere in kritischen Bereichen wie der Schädeldecke, aber auch für minimalinvasive Eingriffe an Gelenken einen Quantensprung zu bedeuten scheint. „Daten zu erfühlen und von Hand am Bildschirm zu modellieren wird mit Touch X am Rechner möglich“, sagt Köster und lädt ein, dies auszuprobieren. Eine faszinierende wie sinnvolle Entwicklung. Aber ist das noch Handwerk? Kösters Ansicht nach ja. „Handwerk definiert sich nicht dadurch, dass irgendwo Späne fallen, sondern durch die hohe Kunst individueller Fertigung oder Dienstleistung. Das bleibt auch mit digitalen Werkzeugen so.“ Köster ist davon überzeugt, dass sich junge Leute im Handwerk mehr denn je verwirklichen können und noch dazu gute Verdienstmöglichkeiten haben: „Ein guter Zahntechniker wird hier in Zukunft einem Zahnarzt das Wasser reichen können.“

Drohnen im Anflug

Die Messe ist ein Paradebeispiel dafür, wie modern Handwerk längst geworden ist und wie sich die Anforderungen an Ausbildung verändert haben und weiter verändern werden. Dass Dachdecker und Gerüstbauer in Zukunft möglicherweise mehr von einem Drohnenflug- als einem Führerschein haben könnten, lässt sich schon erahnen. War das Unternehmen „Moselcopter“ aus Trier im vergangenen Jahr in der Zeche Hansemann noch ein Exot, sind 2019 ein halbes Dutzend Anbieter von Drohnen-Dienstleistungen vertreten.

Im digitalen Wandel ist es notwendig, Berufsbilder zu überarbeiten, um künftig Gesellen und Meister mit dem nötigen Know-how auszustatten. Lernen als solches wird künftig ganz neu gedacht werden“, beschreibt Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer Dortmund, welche Herausforderung auf Kammern und Innungen zukommen wird.

Digitalberater Christoph Krause sieht in der Digitalisierung gerade für kleinere Betriebe riesige Chancen, weil aktuell beinahe noch die Stunde null herrscht. Allerdings: „60 Prozent der Unternehmen haben das noch nicht auf dem Schirm“, warnt er.

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