Mediennutzung

Die Hälfte der Jugendlichen hält Nachrichten für unwichtig

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Die Studie „Nachrichtennutzung und Nachrichtenkompetenz im digitalen Zeitalter“ offenbart eine tiefe Informationskluft in der nachwachsenden Generation.

Die Studie „Nachrichtennutzung und Nachrichtenkompetenz im digitalen Zeitalter“ offenbart eine tiefe Informationskluft in der nachwachsenden Generation.

Foto: Studienkreis / obs

Berlin.  Eine neue Studie des UseTheNews-Projekts offenbart eine tiefe Informationskluft unter Jugendlichen. Es fehle ihnen der Bezug zum Leben.

Die Hälfte der Jugendlichen und jungen Erwachsenen hält es nicht für wichtig, sich über Neuigkeiten und aktuelle Ereignisse zu informieren. Nachrichten interessieren sie nicht, weil ihnen der Bezug zu ihrem Leben fehlt. Auch hält die Hälfte der Jugendlichen es für unwichtig, Nachrichten zu lesen oder zu schauen. Die Folge davon ist, dass eine Hälfte der Jugendlichen schlechter informiert ist als ihre Altersgenossen, die regelmäßig auch journalistische Nachrichtenquellen nutzen.

Die Studie „Nachrichtennutzung und Nachrichtenkompetenz im digitalen Zeitalter“ offenbart eine tiefe Informationskluft in der nachwachsenden Generation, so das Fazit des beauftragten Leibniz-Instituts für Medienforschung.

Nachrichten: Junge Menschen erkennen den Wert journalistischer Arbeit nicht

Untersucht wurde die Mediennutzung jüngerer Menschen im Rahmen des #UseTheNews-Projekts, das von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) und der Hamburger Behörde für Kultur und Medien initiiert wurde. Die Ergebnisse wurden beim Hamburger Mediendialog vorgestellt und diskutiert. „Die Studie ist ein Wegweiser für Journalismus und Bildungspolitik“, sagte Hamburgs Bildungssenator Carsten Brosda und befand, dass junge Menschen nicht verloren seien für den Journalismus, sie im Gegenteil sogar ein Bedürfnis nach Fakten und Information zeigten. Allerdings: „Zu viele können dabei aber nicht den Wert journalistischer Arbeit für ihr Leben erkennen. Daran können Redaktionen arbeiten.“

Auch Peter Kropsch, Vorsitzender der dpa-Geschäftsführung, warb eindringlich dafür, dass die Medienbranche stärker auf junge Menschen zugehen müsse. „Denn nur ein Journalismus, der für das Leben der jungen Generation einen echten und spürbaren Wert hat, kann seine gesellschaftliche Aufgabe langfristig erfüllen.“

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Influencer haben großen Einfluss auf die Meinungsbildung

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass Freunde, Familie und Bekannte für die Meinungsbildung relevanter sind als journalistische Beiträge. Und je weniger informiert ein Jugendlicher sei, desto größer werde dieser Einfluss. Gleiches gelte für die Relevanz von Influencern, die über die hohe Anzahl von Followern auf sozialen Medienkanälen wie Instagram, Tiktok oder Twitter auch über eine große Reichweite verfügen. Allerdings, und das ist in diesem Bereich auffällig: Je schlechter ein Jugendlicher informiert ist, desto weniger likt oder kommentiert er Nachrichten auf sozialen Medien.

Julia Becker, Aufsichtsratsvorsitzende der Funke Mediengruppe, zu der auch unsere Redaktion gehört, sagte: „Gerade weil Jugendliche die sozialen Medien so intensiv nutzen, braucht es solide recherchierten, verlässlichen Journalismus, der auf Fakten und Vielstimmigkeit setzt, nicht auf eine Agenda, die Algorithmen oder Influencer festgelegt haben.“ Becker, die auch zum Kuratorium des Projekts #UseTheNews gehört, betonte, dass Verlage bei aller Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit jedoch auch die Wellenlänge junger Menschen treffen müssten. Etwa durch digitale Formate wie Podcasts, Videos oder Online-Beiträge direkt aus der Lebenswelt dieser Generation.

Empfehlung: Mehr Medienbildung in Schulen

Gleiches empfehlen die Autoren der Studie den Verlagen und Medienhäusern. Sie sollten die Alltagsrelevanz ihrer Angebote für Jugendliche mehr herausstellen. Zudem sollte in Schulen mehr Medienbildung geleistet werden. Mit dem Ziel, die Funktionen des Journalismus in einer Demokratie besser zu erklären und auch die Unterschiede zwischen den Medienangeboten von privat bis öffentlich-rechtlich deutlicher zu machen.

Für die Studie wurden im Herbst vergangenen Jahres 1500 Personen befragt.

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