Dax

Deutsche Börse: Warum es bald wieder bergauf gehen könnte

Foto: Deutsche Börse / Deutsche Börse AG

Berlin  Der Dax hat seine Gewinne in diesem Jahr wieder eingebüßt. Doch positive Signale aus den USA könnten das bisherige Minus abmildern.

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Für Anleger hat es schon bessere Jahre gegeben. Feierte der Leitindex der Deutschen Börse (Dax) im Februar noch ein Allzeithoch mit 13.559 Punkten, so haben viele Aktienwerte im Verlauf der Monate ihre Kursgewinne wieder eingebüßt. Anfang Dezember liegt der Dax mit knapp 11.300 Punkten unter dem Kursstand zu Jahresbeginn.

Der Optimismus ist getrübt. Der Handelsstreit mit den USA, der bevorstehende Brexit, die Schuldensituation in Italien und Inflationsängste belasten die Stimmung. Zudem ist die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal erstmals seit drei Jahren nicht mehr gewachsen. Oder dürfen Anleger doch noch auf eine Weihnachtsrally hoffen?

Annäherung von USA und China ist ein gutes Zeichen

Zumindest ein positives Signal geht an diesem Wochenende an die internationalen Finanzmärkte. US-Präsident Donald Trump will die Erhöhung von Strafzöllen gegen China für Januar vorerst aussetzen und strebt eine Lösung binnen 90 Tagen an. Im Gegenzug will Chinas Präsident Xi Jingping kurzfristig Ergebnisse im Kampf gegen Ideenklau und Billigexporte liefern.

Er will zudem US-Firmen den Markteintritt erleichtern. China kauft ab sofort auch wieder amerikanische Sojabohnen. Diese Annäherung der beiden Großmächte könnte den Börsen wieder Auftrieb geben und das bisherige Minus der Anleger in diesem Jahr etwas mildern, schätzen Experten.

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Konjunkturdelle in China wäre schlecht für deutsche Unternehmen

„Die Leute werden erstaunt sein, wie positiv die Märkte auf solche Nachrichten reagieren“, sagt Peter Mallouk, Chef des Vermögensverwalters Creative Planning, dem Wirtschaftsdienst Bloomberg. Schließlich ging es um die eine Frage mit der vermutlich größten Auswirkung auf die Weltwirtschaft in den kommenden Monaten: Können die USA und China ihren Konflikt beilegen?

Gerade für Deutschland als Exportnation ist das Verhältnis der zwei großen Handelspartner untereinander sehr wichtig. Eine Konjunkturdelle in China würde auch deutsche Unternehmen belasten. Nun haben Trump und Xi die Tür für neue Verhandlungen geöffnet.

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US-Notenbank wartet noch mit Zinserhöhung

Mittelfristig könnte es auch aus anderen Gründen an der deutschen Börse wieder bergauf gehen, sind einige Analysten überzeugt. „Wir sehen keine Ursache für lang anhaltende Verluste am deutschen Aktienmarkt“, sagt Christian Kahler, Chefstratege der DZ Bank. So kommen positive Signale auch von der US-amerikanischen Notenbank: Der Vorsitzende der Fed, Jerome Powell, hat erst vor wenigen Tagen signalisiert, dass er die Zinsen doch nicht so schnell erhöhen will, wie zuvor angekündigt.

Das hören Aktienanleger gerne, denn niedrige Zinsen bedeuten in der Regel höhere Kurse. „Fed-Chef Jerome Powell hat sich zum Weihnachtsmann für Aktienanleger verwandelt“, sagt Neil Wilson, Chefanalyst des Brokers Markets.com. Er habe die Angst vor aggressiven Zinserhöhungen gedämpft, die die Konjunktur der größten Volkswirtschaft abwürgen könnten. Und immerhin: Der Dow Jones an der Wall Street erzielte bereits in der vergangenen Woche mit einem Anstieg von 5,1 Prozent das höchste wöchentliche Plus seit zwei Jahren.

„Gibt keinen Grund, aus Aktien auszusteigen“

Die Unternehmensgewinne sehen derzeit zudem recht stabil aus, die Beschäftigung in Deutschland ist hoch, die Arbeitslosigkeit weiter gesunken. „Es gibt keine Anzeichen für einen Abschwung“, meint Kahler.

Gleichzeitig weist der Analyst darauf hin, dass die Dax-Werte immer noch vergleichsweise niedrig bewertet seien. Im deutschen Leitindex liege das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis lediglich bei 11, während es im amerikanischen Index S&P 500 schon auf 16 geklettert ist. „Es gibt keinen Grund, jetzt aus Aktien herauszugehen“, meint Kahler. Wer so handele, zahle angesichts der vergleichsweise niedrigen Bewertungen nur drauf. Stattdessen sieht er derzeit eher eine Chance für den Einstieg.

Was plant Trump in Sachen Autozölle?

Wer sich jetzt mit der Lage der Märkte in Europa und den USA unwohl fühle, könne eventuell umschichten, meint Kahler. Die DZ Bank hält beispielsweise Südkorea für günstig bewertet. Das Land gibt im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung weltweit am meisten für Grundlagenforschung und für die Entwicklung neuer Produkte aus.

Mit Spannung blicken Investoren aber zunächst auf diese Woche – und darauf, ob Trump Sonderzölle auf Autos aus Europa verhängen wird. Abgaben von 25 Prozent sind angeblich im Gespräch. Mehr Klarheit dazu könnte ein Treffen der US-Regierung mit den deutschen Autobossen voraussichtlich am Dienstag bringen. Auch diese Ergebnisse dürften sich auf die Aktienkurse auswirken.

Die Zeiten für die Börsen sind bewegt. Ob die zuversichtlichen Prognosen von deutschen Geldinstituten für den Dax vom Jahresbeginn noch erreicht werden, bleibt abzuwarten. Die Commerzbank sagte für das Jahresende 2018 einen Dax-Schlussindexstand von 13.500 Punkten voraus, die Berenberg Bank von 13.700 Punkten und die Deutsche Bank sogar von 14.100 Punkten.

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