Ausbildung

Den Metzgereien geht der Nachwuchs aus

Azubi Ron Kullmann begutachtet in Düsseldorf frischen Räucherspeck.

Azubi Ron Kullmann begutachtet in Düsseldorf frischen Räucherspeck.

Foto: Kai Kitschenberg

Essen/Köln.   Die Zahl der Metzgereien sinkt von Jahr zu Jahr. Ein Grund: Die Betriebe können ihre Azubi-Stellen nicht besetzen.

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Weil sie keinen Nachwuchs finden, müssen immer Metzgereien in NRW schließen. Nach Angaben des Deutschen Fleischer-Verbandes (DFV) mussten in den vergangenen zehn Jahren fast 700 kleinere Betriebe aufgeben.

„Der Trend geht immer mehr zu größeren Betrieben“, sagt DFV-Sprecher Gero Jentzsch. Die kleinen Metzger in den Stadtteilen und auf den Dörfern suchten meist vergeblich nach einem Nachfolger. Zudem interessierten sich immer weniger Jugendliche für eine Ausbildung zum Fleischer. Schon seit zehn Jahren seien die Auszubildenden-Zahlen rückläufig.

Weit mehr Azubiplätze als Bewerber

Das ist allerdings kein Problem, das ausschließlich NRW trifft. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit bewarben sich vor fünf Jahren bundesweit noch 1066 junge Leute auf eine Fleischer-Stelle. Im Juli 2017 waren es nur noch 724. Gesucht wurden allerdings 3365. Noch dramatischer sanken die Zahlen im Ausbildungsberuf für Verkäufer von Fleischwaren – von 722 auf 389. Der Bedarf lag aber bei 6123. Nordrhein-Westfalen kam dabei noch glimpflich weg: Verglichen mit 2012 sank hier die Zahl angehender Fleischer von 200 auf 141 (gesucht: 474), die der Verkäufer von 117 auf 73 (gesucht: 761).

„Selbst die Kinder aus einem eigenen Betrieb wollen oft nicht in die Fußstapfen ihrer Eltern treten. Viele studieren lieber“, sagt Verbandssprecher Jentzsch. Der Handwerksberuf leide unter einem „Imageproblem“. Denn viele hätten ein falsches Bild im Kopf.

Konkurrenz durch die Supermärkte

„Bilder von traurigen Tieraugen oder Viehtransporten sind leider viel präsenter als der eigentliche Ausbildungsberuf“, sagte eine BA-Sprecherin. Dabei gehöre das Schlachten gar nicht unbedingt zur Ausbildung dazu. Viel mehr Wert werde dagegen auf den Verkauf oder die Zubereitung von Fleisch- und Wurstspezialitäten gelegt – oft für Partys oder als Mittagsgericht.

Auch wegen der Konkurrenz durch Supermärkte und Discounter geht die Zahl der Metzgereien in Deutschland kontinuierlich zurück – von 17 140 im Jahr 2006 auf zuletzt 12 800. Die weitaus meisten Fleischereien gibt es in Bayern (3400) und Baden-Württemberg (2100). NRW landet mit 1790 und 911 Filialen auf Platz 3.

Vor dem Hintergrund eines konstanten Fleischkonsums in Deutschland von rund 60 Kilogramm pro Kopf entwickelten sich nach Verbandsangaben auch die Umsätze auf stabilem Niveau.

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