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Bessere Postzustellung? Das wird nicht von selbst passieren

Viele Bundesbürger sind unzufrieden mit ihren Zustellern.

Viele Bundesbürger sind unzufrieden mit ihren Zustellern.

Foto: Arne Dedert / dpa

Berlin.  Immer mehr Verbraucher beschweren sich über schlechte Brief- und Paketzustellung. Die Postunternehmen sind anscheinend überfordert.

Jeder kennt den Ärger aus eigener Erfahrung oder Erzählung. Rechtzeitig abgeschickte Briefe zum Geburtstag oder Weihnachten kommen zu spät oder gar nicht an. Päckchen verschwinden. Eine Benachrichtigungskarte für ein Paket landet im Briefkasten, obwohl der Empfänger zur Zeit der Zustellung definitiv Zuhause war. Die Pakete werden nicht zur versprochenen Auslieferungszeit zugestellt und landen wieder beim Absender.

Die Liste der Beschwerden über die Post- und Paketdienste ist lang – und wird immer länger.

Erstmals haben sich 2019 so viele Menschen bei der Bundesnetzagentur schriftlich über die Post und Konkurrenz beschwert wie nie zuvor. Ob die rund 18.200 Beschwerden ein Zeichen dafür ist, dass bei der Zustellung mehr schiefläuft oder die Verbraucher sich schlichtweg mehr um ihre Rechte kümmern und sich aktiv beschweren, ist nicht sicher.

Klar aber ist: In der Branche läuft in Sachen Qualität vieles schief. Die Unternehmen sind offenbar mit der Bestellflut im Internet überfordert.

Die Arbeitsbedingungen sind zum Teil prekär

Die jedes Jahr zunehmenden Online-Bestellungen führen auch in Deutschland zu einem immer größeren Paketaufkommen. Rund 3,5 Milliarden Pakete werden von den großen Paketdiensten wie DHL, Hermes, DPD, UPS oder GLS jedes Jahr ausgeliefert. Tagein tagaus schleppen Boten treppauf treppab die Sendungen zu den Kunden – oder manchmal eben auch nicht.

Genau hier liegt das Kernproblem: Die Arbeitsbedingungen der geschätzt rund 427.000 Mitarbeiter, die in der Post- und Paketbranche arbeiten, sind zum Teil prekär. Insbesondere Beschäftigte, die für Subunternehmen der Konzerne tätig sind, ächzen zum Teil unter hohen Arbeitszeiten von bis zu 16 Stunden täglich bei gleichzeitig geringer Bezahlung – nicht selten weit unter den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlöhnen.

Bei dieser giftigen Mischung ist es nicht wirklich verwunderlich, vielleicht auch menschlich, wenn der ein oder andere Mitarbeiter sich mal den Gang in die oberen Stockwerke schenkt.

Dieser Zustand ist aber völlig inakzeptabel. Denn die Leidtragenden sind die Verbraucher, die mit dem Bezahlen ihres Portos darauf setzen, dass die Zustellung ihres Briefes oder Paketes verlässlich erfolgt. Die Verantwortung für den Missstand tragen alleine die Postdienste. Sie müssen für eine sichere Zustellung und den Einsatz verlässlicher Mitarbeiter sorgen. Diese sollten zu vernünftigen Arbeitsbedingungen eingestellt und angemessen bezahlt werden. Denn: Zufriedene Beschäftigte sind in der Regel der beste Garant dafür, dass auch die gewünschte Qualität erbracht wird.

Immer wieder stoßen Kontrolleure auf Probleme

Alle Postdienste sollten deshalb ihre Arbeitsbedingungen an den Schwachstellen verbessern – erst Recht dort, wo Rechtsbruch begangenen wird. Immer wieder werden bei Kontrollen von nicht festangestellten Paketboten Mitarbeiter ohne Führerschein entdeckt, aber auch Schwarzarbeit, Unterschreitung des Mindestlohns oder Sozialversicherungsbetrug festgestellt.

Die Postdienste müssen hier umdenken, wenn sie ihre Kunden – und zwar Händler und Verbraucher - nicht vergraulen wollen. Firmen mit Onlineshop können nur bestehen, wenn auch die Zustellung reibungslos funktioniert. Vielleicht müssen dafür die Löhne der Boten angehoben und als Folge auch das Porto teurer werden. Sicher ist: Internethandel ohne verlässliche Zustellung hat keine Zukunft.

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