Kommentar

Corona-Krise: Warum Boschs Schnelltest so wichtig sein kann

Bosch hat einen COVID-19-Schnelltest entwickelt.

Bosch hat einen COVID-19-Schnelltest entwickelt.

Foto: Bosch

Berlin.  Der Schnelltest von Bosch ist in der Krise wichtig, weil er der Prävention dient. Aber auch, weil er Signalwirkung hat. Ein Kommentar.

Die deutsche Wirtschaft ist in der Depression, die die Corona-Krise mit sich bringt, noch für Überraschungen gut. Völlig unerwartet hat die Medizintechnik-Sparte von Bosch jetzt einen Schnelltest präsentiert, der ohne viel Aufwand schon nach zwei Stunden einen Befund auf Corona-Viren liefern kann.

Wenn sich das Gerät im Alltag bewährt und zuverlässig arbeitet, ist das ein echter Scoop, dessen Bedeutung gar nicht groß genug eingeschätzt werden kann.

Corona-Krise: Prävention könnte einen gewaltigen Schub erleben

Ein funktionierender und massenhaft zugelassener Schnelltest wäre ein riesiger Schritt auf einem Feld, auf dem das deutsche Gesundheitswesen ohnehin schon vorbildlich unterwegs ist: beim massenhaften Testen von mutmaßlich Infizierten.

Dass die Sterberate unter den Corona-Patienten in Deutschland signifikant niedriger ist als in fast allen anderen Ländern, gilt jetzt schon als ein kleines Wunder.

Wissenschaftler erklären die verhältnismäßig geringe Sterberate mit den hohen Test-Kapazitäten der deutschen Labore. Wenn diese Kapazitäten durch Schnelltests weiter wachsen, erlebt die Corona-Prävention in Deutschland einen gewaltigen Schub.

Corona-Krise: Boschs Schnelltest könnte auch der Industrie helfen

Das Beispiel Bosch zeigt, dass die Pandemie auch eine Chance sein kann. Deutsche Medizintechnik genoss schon vor der Corona-Krise einen exzellenten Ruf.

Wenn durch riesige Nachfrage diese Medizintechnik schnell wächst, ist das im Interesse der Menschheit, für die mehr Gesundheit ohne Hightech unerreichbar ist.

Gleichzeitig hilft die Nachfrage der deutschen Industrie in schweren Zeiten. „Corona-Schnelltests Made in Germany“. Diese Schlagzeile zahlt positiv ein und es wäre in Zeiten von Motoren-Schummelei genau die Nachricht, die die deutsche Industrie gebrauchen kann.

Ein Wettrennen an der Weltspitze

Der Erfindergeist beschränkt sich aber nicht auf die Apparate-Medizin. Deutsche Pharmahersteller und Labore liefern sich an der Weltspitze ein Wettrennen um den ersten Anti-Corona-Impfstoff und um die ersten zugelassenen Medikamente, die gegen Covid 19 wirken.

Wenn die Exzellenz aus deutschen Forschungslaboren die Welt sicherer macht, könnte auch das einen Wirtschaftszweig beflügeln, der bereits jetzt zur absoluten Weltspitze zählt.

Neue Produkte müssen unbürokratisch verfügbar sein

Damit das gelingt, sind Politik und Zulassungsbehörden gefragt. Sie müssen helfen, die neuen Produkte möglichst unbürokratisch und schnell verfügbar zu machen.

Wer nämlich diesen Wettlauf gewinnt, der kann Menschenleben retten. Und er rettet auch Arbeitsplätze und sorgt für das, was in der Krise am meisten gebraucht wird: Optimismus und das Gefühl, dass wir mit kühlem Kopf, Rücksicht und unseren schlauesten Forschern die Corona-Krise besser und schneller in den Griff bekommen als uns Profi-Pessimisten täglich vorhersagen.

Ausrüstung zum Infektionsschutz muss künftig ausreichend eingelagert werden

Inkonsequent wäre es allerdings, wenn man nur in der Spitzenmedizin zu Fortschritten käme. Die Corona-Krise lehrt nämlich auch: Die beste Medizintechnik bringt nichts, wenn es an Mitarbeitern und medizinischer Basis-Ausstattung fehlt.

Daher darf nach der Pandemie nichts wie vorher sein. Einfache Ausrüstung zum Infektionsschutz muss für alle Bürger – staatlich überwacht – ausreichend eingelagert werden.

Pharmaproduzenten müssen nach Deutschland zurückkehren

Außerdem sind die Alarmpläne und –ketten nach den neuesten Erkenntnissen über die Pandemie anzupassen und, wo nötig, zu zentralisieren. Und die Produktion wichtiger Pharmazeutika muss aus den Billiglohnländern als systemrelevante Herstellung nach Deutschland und Europa zurückkehren. Je schneller, desto besser. Denn Übertragungen gefährlicher Viren von Tier auf Mensch werden zunehmen.

Es kann nicht sein, dass lebenswichtige Medikamente knapp werden, nur weil wie in einer Schraubenfabrik das Stückkostenprinzip bis zur letzten Stelle hinter dem Komma ausgereizt wurde.

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