Fleischwirtschaft

Fleischproduzent Clemens Tönnies: „Das Ende des Veggie-Booms kommt“

Clemens Tönnies, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Tönnies Fleisch und Aufsichtsratsvorsitzender des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04.

Clemens Tönnies, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Tönnies Fleisch und Aufsichtsratsvorsitzender des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04.

Foto: Bernd Thissen/dpa

Düsseldorf.   Schlachtunternehmer Clemens Tönnies sieht „Ende des Veggie-Boom“ kommen. Er ist überzeugt, dass Deutschland eine Nation der Fleischesser bleibt.

Clemens Tönnies ist gut gelaunt. Bei seinem FC Schalke 04 läuft es gerade einigermaßen rund. Und auch beruflich geht es für Deutschlands größten Fleischproduzenten weiter bergauf – zumal er den Trend zum Vegetarismus gebremst sieht.

„Der Veggie-Boom ist vorbei. Der Handel beobachtet einen dramatischen Rückgang der Verkäufe“, sagt Tönnies vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung in Düsseldorf. Der Unternehmer aus Rheda-Wiedenbrück ist davon überzeugt, dass Deutschland eine Nation der Fleischesser bleibe.

20,4 Millionen Schweinen geschlachtet

Das spiegelt auch die Entwicklung der Tönnies-Gruppe wider: Mit Fleischverarbeitung und Wurstprodukten, Blut und Proteinen machte das Familienunternehmen im vergangenen Jahr weltweit einen Umsatz von 6,35 Milliarden Euro. Obwohl der Schweinefleisch-Verzehr zuletzt spürbar zurückgegangen war, schlachtete Tönnies weltweit 20,4 Millionen Schweine – 400 000 mehr als 2015. In Deutschland waren es 17 Millionen. Das Geschäft habe sich gewandelt. „Die Pfoten, Schwänze und Ohren will in Deutschland niemand mehr“, sagt Tönnies. Diese Teile exportiert das Unternehmen vor allem nach China. „In Deutschland können wir nur noch 40 Prozent der Schweinehälfte verkaufen“, so Tönnies.

Während der Schweinefleisch-Konsum sinkt, werden Geflügel, Lamm und Kalb immer beliebter. „Auch Rindfleisch ist wieder in“, sagt Tönnies. Die Importe aus Südamerika und Irland habe er verstärkt. Sein Unternehmen schlachtete im vergangenen Jahr 424 000 der 3,54 Millionen Rinder in Deutschland. Das Abwenden vom Schwein erklärt sich der gelernte Metzger mit veränderten Gewohnheiten der Verbraucher: „Sensorik geht vor Preis“, meint er. Denn der Preis für Rind und Kalb liege deutlich über dem von Schwein.

„Wir sind für alles, was dem Ruhrgebiet gut tut.“

Umwelt- und Verbraucherverbände kritisieren dennoch, dass der Preis für Fleisch in Deutschland viel zu niedrig sei und darunter Qualität und Tierschutz litten. Eine These, die Tönnies vehement zurückweist. „Wir behandeln Tiere ordentlich, so lange sie leben. Erst danach sind sie Material“, betont er. Und für 95 Prozent der Landwirte, die ihm Tiere liefern, lege er die Hand ins Feuer. „Wir treiben den Markt mit hohen Standards“, erklärt Tönnies.

Aus diesem Grunde habe er auch die „Initiative Tierwohl“ gegründet und die großen Lebensmittelhändler als Mitglieder geworben. Der Preiskampf beim Fleisch in den Supermarkt-Theken und in den Kühltruhen der Discounter sind für den Unternehmer Folgen des funktionierenden Wettbewerbs. „Wir stehen unter dem ständigen Zwang, unsere Produktion zu optimieren“, sagt Tönnies. Der Handel wiederum biete Fleisch zum Teil unter dem Einstandspreis an und verzichte damit bewusst auf Marge.

Doch der 61-jährige Clemens Tönnies ist nicht nur Metzger und Unternehmer – seit seinem 15. Lebensjahr, wie er betont. Er ist auch Aufsichtsratsvorsitzender des Fußball-Bundesligisten Schalke 04. Tönnies begrüßt die Initiative von RAG-Stiftungschef Werner Müller, zum Auslaufen des Bergbaus im kommenden Jahr im Revier eine Promi-Mannschaft aus Spielern von Borussia Dortmund und Schalke gegen die polnische Nationalmannschaft antreten zu lassen.

Die öffentliche Ankündigung Müllers sei aber nicht mit den Vereinen abgestimmt gewesen, erklärt Tönnies den entstandenen Wirbel um das geplante Spiel, dem nun das Aus droht. Der Schalke-Boss gibt sich aber gesprächsbereit: „Wir sind für alles, was dem Ruhrgebiet gut tut. Wenn Herr Müller mich anruft, würde ich mich für das Spiel verwenden.“

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