Online-Handel

Chef der Modemarke New Yorker geht gegen Amazon vor

Eine Filiale der Modemarke New Yorker.

Eine Filiale der Modemarke New Yorker.

Foto: Manfred Segerer / imago/Manfred Segerer

Braunschweig.  Der Chef der Modemarke New Yorker hat Kleidung bei Amazon getestet. Er sagt: viele der Produkte sind schlichtweg illegal im Umlauf.

Die Modekette New Yorker mit Sitz in Braunschweig will juristisch gegen den US-Konzern Amazon vorgehen. Das kündigte Inhaber Friedrich Knapp gegenüber der Zeitschrift „Textilwirtschaft“ an.

Knapp wirft dem Online-Versandhändler vor, dass ein Großteil der Kleidung, die über die Plattform verkauft wird, nicht dem Textilkennzeichnungsgesetz entspreche. Das sei grobe Wettbewerbsverzerrung.

Demnach habe New Yorker eine Stichprobe entnommen. Von 20 bei Amazon gekauften Teilen habe kein einziges den Bestimmungen entsprochen, sei „nicht verkehrsfähig“, so Knapp. New Yorker werde sich „Amazon zur Brust nehmen. Einstweilige Verfügung, Abmahnung, alles, was das Rechtssystem so hergibt“, sagte Knapp. „Es ist nicht einzusehen, dass bei uns quasi wöchentlich Kontrollen stattfinden, während Amazon & Co. den Markt ungehindert mit unverzollter und unversteuerter Ware fluten können.“

Chef von New Yorker: Viele Firmen fühlen sich ohnmächtig gegenüber Amazon

Knapp will wachrütteln. Er habe das Gefühl, viele Unternehmer fühlten sich ohnmächtig angesichts wachsender Marktanteile von Online-Riesen und erodierendem Handel in Städten. „Es ist traurig. Niemand hat den Mut, etwas zu unternehmen und politisch passiert auch nichts.“ Der Handel brauche einen neuen Verband, der „wirklich die Interessen des Handels vertrete“.

Ein Amazon-Sprecher sagte auf Anfrage: „Angebote von Amazon oder unseren Verkaufspartnern müssen selbstverständlich entsprechende gesetzliche Vorgaben erfüllen. Sofern es im Einzelfall Fälle geben sollte, in denen zum Beispiel keine korrekte Textilkennzeichnung auf der Produktdetailseite vorhanden sein sollte, prüfen wir das selbstverständlich umgehend.“ 2018 zog New Yorker gegen Amazon bereits vor Gericht – und gewann. Es ging um Plagiate auf der Amazon-Plattform.

So wurde Amazon zum Welt-Konzern

Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), begrüßte Knapps Vorgehen gegen Amazon ausdrücklich. Knapps Kritik am Verband wies er jedoch zurück. „Der HDE hat das Thema schon lange auf der Agenda“, sagte er unserer Zeitung.

Verstößen gegen das Textilkennzeichnungsgesetz müsse man einen Riegel vorschieben, sagte Genth. Er forderte mehr Kontrollen durch den Zoll. Mehr Kontrollen wünscht sich Genth nicht nur bei Kleidung, sondern zum Beispiel auch bei Elektroartikeln. „Dafür brauchen wir aber deutlich mehr Zollbeamte“, sagte Genth. Außerdem müsse es eine Plattformhaftung für Anbieter wie Amazon geben. Der Verband führe darüber mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) Gespräche.

Zur Kritik Knapps am Verband sagte Genth: „Wir sind mit unseren Büros in Berlin und Brüssel gut aufgestellt, versuchen Einfluss zu nehmen.“ Der HDE habe mit seinen 100.000 Mitgliedsunternehmen Gewicht. Überraschend erklärte Genth: „New Yorker zählt nicht zu unseren Mitgliedern.“

Dieser Text erschien zuerst auf www.braunschweiger-zeitung.de

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