Vermögensverwalter

Blackrock-Büros durchsucht – Merz verspricht Aufklärung

Im Zusammenhang mit einem Ermittlungsverfahren gegen den weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock wegen Dividenden-Steuertricks, hat der Aufsichtsratschef von Blackrock Deutschland, Friedrich Merz, eine umfassende Kooperation von Blackrock angekün...

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Köln/München  Der Vermögensverwalter Blackrock steht im Fokus von Ermittlern. Aufsichtsratschef Friedrich Merz soll davon aber nicht betroffen sein.

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Brisante Ermittlungen: In den Sog des Steuerbetrugs rund um so genannte Cum-Ex-Geschäfte ist nun auch der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock geraten.

Fahnder der Kölner Staatsanwaltschaft haben nach Informationen der „Bild“-Zeitung am Dienstag Räume des Vermögensverwalters Blackrock in München durchsucht.

Der Grund für die Razzia in den Münchner Büros von Blackrock ist ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Köln zu umstrittenen „Cum-Ex“-Geschäften.

Ein Blackrock-Sprecher sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Blackrock arbeitet in einer laufenden Untersuchung im Zusammenhang mit „Cum-Ex“-Transaktionen im Zeitraum 2007 bis 2011 uneingeschränkt mit den Ermittlungsbehörden zusammen.“

Friedrich Merz leitet Kontrollgremium von Blackrock

Das Pikante daran: Friedrich Merz , erklärter Anwärter auf den CDU-Vorsitz, leitet seit 2016 das Kontrollgremium des deutschen Ablegers. Allerdings liegt der Zeitraum der nun im Verdacht stehenden Geschäfte lange bevor Merz als Aufsichtsratsvorsitzender die Fäden in der Hand hielt.

Merz machte sich umgehend für eine umfassende Aufklärung der Vorwürfe stark. Er habe in Deutschland den Blackrock-Vorstand „angewiesen, mit den Ermittlungsbehörden zusammenzuarbeiten und alle Dokumente auf den Tisch zu legen“, sagte der CDU-Politiker am Dienstag in Düsseldorf. „Es wird hier alles aufgeklärt und wir werden daran aktiv mitarbeiten“, versprach Merz: „Das wird der Vorstand nach meiner Weisung tun.“

Die Staatsanwaltschaft in Köln wollte sich auf Anfrage unserer Redaktion nicht äußern. Fest steht aber seit längerem, dass sie in Sachen „Cum-Ex“ ermittelt.

Mit „Cum-Ex“-Geschäften wird ein in großem Stil angewendeter Trick in der Finanzbranche bezeichnet. Ziel ist es, sich mithilfe von Banken mehrfach Steuern rückerstatten zu lassen.

Razzia bei Blackrock Deutschland wegen "Cum-Ex"

„Cum-Ex-Geschäfte“ – ein großes Verwirrspiel

Es handelt sich um Geschäfte rund um den Stichtag der Dividendenzahlungen von Börsenunternehmen. „Cum“ bezeichnet dabei die Aktien mit Dividendenanspruch, „Ex“ die Papiere ohne. Die Titel werden zwischen mehreren Beteiligten hin und her geschoben.

Am Ende ist dem Fiskus nicht mehr klar, wem sie gehören. In diesem Verwirrspiel haben es Finanzakteure geschafft, sich die Kapitalertragssteuer mehrfach zurückerstatten zu lassen.

Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums beträgt der so entstandene Schaden mindestens fünf Milliarden Euro. Recherchen eines europäischen Journalistennetzwerkes haben jüngst ergeben, dass die Summe weitaus höher liegt.

Friedrich Merz hatte „Cum-Ex“-Geschäfte verurteilt

So hat Christoph Spengel, Steuerprofessor an der Universität Mannheim, errechnet, dass der hiesige Fiskus knapp 32 Milliarden Euro für „Cum-Ex“-Geschäfte zu Unrecht überwiesen hat.

Blackrock ist der weltgrößte Vermögensverwalter. Der internationale Investor hat Vermögen in Höhe von über sechs Billionen Dollar unter seiner Kontrolle – und hält Anteile an fast allen großen Börsenkonzernen hierzulande. Bei einem Drittel der 30 Konzerne im deutschen Leitindex Dax ist Blackrock größter Einzelaktionär.

Friedrich Merz, der seit 2016 das Aufsichtsgremium von Blackrock in Deutschland leitet, hatte die umstrittenen „Cum-Ex“-Geschäfte zuletzt eindeutig verurteilt. Die Geschäfte seien „vollkommen unmoralisch“, unabhängig von der juristischen Bewertung.

„Cum-Ex“-Geschäfte seit 2012 in Deutschland nicht mehr möglich

Bis heute ist nicht in letzter Instanz geklärt, ob die dubiosen Geschäfte illegal waren. Heute gehen aber die meisten Beobachter und Ermittler davon aus. Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt deswegen seit Juni etwa gegen die spanische Großbank Santander.

In Deutschland ist diese Praxis seit 2012 nicht mehr möglich, da wurde das Steuerschlupfloch geschlossen. In Deutschland sind besonders die hessischen Behörden gegen die umstrittenen Geschäfte vorgegangen. Die Finanzverwaltung hat in Hessen in 32 Steuerfällen ermittelt.

Eine der Hauptpersonen bei diesem Millionenspiel sitzt derzeit in Köln in Untersuchungshaft. Er hofft auf Strafminderung, wenn er mit den Verfolgungsbehörden kooperiert.

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