Mobilität

Bahn investiert 10,7 Milliarden Euro in pünktlichere Züge

Wie unpünktlich ist die Deutsche Bahn wirklich?

Die Deutsche Bahn gilt als chronisch unpünktlich. Wir zeigen vier Fakten rund um die Pünktlichkeit auf den deutschen Schienen.

Beschreibung anzeigen

Berlin  Bahn-Vorstand Ronald Pofalla hat große Pläne, um Züge pünktlicher, moderner und effizienter zu machen. Das ruft Kritiker auf den Plan.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Pünktlichkeit ist die Achillesferse der Bahn. Gerät nur ein Zug aus dem Takt, hat dies nicht nur Auswirkungen auf nachfolgende Verbindungen, sondern gerne auch mal auf das gesamte System.

Die Kunden verpassen Anschlüsse, sind genervt. Und den Staatskonzern kommt die eigene Unzuverlässigkeit jedes Jahr teuer zu stehen: Millionen Entschädigungszahlungen an die Passagiere werden fällig.

Um diese Dauerbaustelle der Deutschen Bahn besser in den Griff zu bekommen, startet Ronald Pofalla, einst CDU-Kanzleramtsminister und seit drei Jahren Bahn-Vorstand für Infrastruktur, einen neuen Anlauf, das Pro­blem zu lösen – und das ist vielschichtig und erfordert mehrere Maßnahmen.

Rekord-Investition und Einsatzzentrale für überlastete Abschnitte

Sein wichtigster Schritt beginnt mit dem Griff in die Kasse: In diesem Jahr will das Verkehrsunternehmen

– ein neuer Rekord.

Auch wenn manche Bahn-Experten diese Summe immer noch nicht für ausreichend halten, hofft der Bahn-Vorstand, schon bald Erfolge vorweisen zu können. „Die Investitionen zeigen Wirkung“, meint Pofalla. Gebaut würden nicht nur neue Gleise und moderne Signaltechnik.

Pofalla setzt zudem auf die Effektivität eines von ihm initiierten Lieblingsprojekts: In sogenannten Plankorridoren kümmert sich ein Team von rund 80 Fachleuten in einer eigenen Einsatzzentrale darum, alle Züge möglichst reibungslos durch besonders überlastete Abschnitte zu schleusen – insbesondere durch Baustellen oder viel befahrenen Strecken.

7000 Verspätungsminuten vermieden

Bisher läuft das Projekt nur im Bereich Dortmund/Köln, andere Regionen sollen aber bald folgen. Pofalla sieht bereits einen „riesigen Effekt“ des neuen Teams: Bis Januar 2019 konnte die Bahn damit bereits 7000 Verspätungsminuten vermeiden.

Der Streckenabschnitt von Dortmund nach Köln gilt als ein berüchtigter Engpass. Die alten Gleise werden bereits 1,5 Mal intensiver genutzt, als sie es eigentlich vertragen – kein Wunder, dass die Züge sich dort oft stauen. Pofallas Plankorridor-Team schaut stets nach Wegen, um Verspätungen zu vermeiden. Denn jede Minute Verspätung an diesem Engpass verzögert den Verkehr anderswo um zwei Minuten, so Pofalla.

Bahn war 2018 unpünktlicher als 2017

Verbessert werden aber auch simple Dinge – wie die Beschilderung der Bahnhöfe, damit sich Fahrgäste beim Umsteigen nicht verlaufen und so weitere Verzögerungen verursachen.

Beobachter sind skeptisch, ob Pofallas Sonderprojekt effektiv ist. „Insgesamt merkt man davon noch nichts“, kritisiert Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn. Er verweist auf die Statistik.

Die eingesparten Verspätungsminuten durch den Plankorridor beeindrucken Naumann auch nicht. Schließlich schiebe die Bahn rund sieben Millionen Minuten Verspätung im Jahr vor sich her.

Fahrgastverband fordert weitere Investitionen

Trotz dieser Kritik begrüßt der Fahrgastverband den Investitionsplan. „Das geht endlich ein Stück weit in die richtige Richtung“, sagt Naumann. Knappe elf Milliarden Euro Investitionen seien zwar allein zu wenig, um die kaputtgesparten Netze komplett auf Vordermann zu bringen. Doch wenn der Konzern dieses Niveau aufrechterhalte, dann könne sich über die nächsten Jahre etwas tun.

Trotz frischer Ideen, die Pofalla einbringe, sei der Apparat aber immer noch zu starr organisiert, kritisiert Naumann. In diesem Jahr stehe beispielsweise die Sperrung der betagten ICE-Strecke zwischen Hannover und Göttingen für Sanierungsarbeiten an. Die Komplettsperrung hätte sich bei anderer Planung vermeiden lassen.

Nahezu unlösbare Probleme

Pofalla setzt zudem auf moderne Technik. Gleichzeitig steht das Unternehmen dabei vor fast unlösbaren Problemen: Einerseits sind viele Bauarbeiten für eine Sanierung und bessere Qualität des Netzes nötig. Gleichzeitig bremsen Baustellen den Verkehr und sorgen für neue Verspätungen. Aktuell wird an rund 800 Orten gearbeitet, während der Verkehr weiter rollt.

Pofalla setzt außerdem auf eine neue Software, die als „Verspätungs­radar“ wirkt. Sie simuliert die Folgen einer Baustelle für das Netz schon vor dem ersten Spatenstich und hilft damit, Planungsfehler zu vermeiden. Das ist Teil einer „kundenfreundlicheren Baustellenplanung“ – eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die bei der Bahn jedoch als wichtige Neuerung gilt.

Trendwende bei Verspätungen

Mitte Januar hatte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) den Druck auf den Staatsbetrieberhöht, endlich eine Trendwende bei Verspätungen zu schaffen. Allerdings ist auch dem Eigner klar,

Im vergangenen Jahr lag Pofallas Etat für den Netzausbau noch bei 9,3 Milliarden Euro, in diesem Jahr konnte er bereits 1,4 Milliarden mehr herausholen.

Im Rahmen der sogenannten Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung des Bundes soll die Bahn ab 2020 noch mal mehr Geld erhalten. Allerdings muss Pofalla nun erst mal beweisen, dass dieses Geld wirkt – er muss Pünktlichkeit liefern.

Auf zumindest einer Strecke sollen ab 2023 30 Minuten Fahrzeit eingespart werden: auf der Strecke Berlin-Amsterdam. Dort sollen die neuen Züge des Typs ECx fahren. So sehen die neuen ECx-Züge der Deutschen Bahn aus.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (5) Kommentar schreiben