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Neue Angebotspolitik: Aldi senkt Preise für Markenprodukte

Aldi: So wurde aus einem kleinen Laden ein Discounter-Riese

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Essen  Erstmals senkt Aldi auch die Preise für Markenartikel. Coca-Cola ist kommende Woche 20 Cent billiger. Das alarmiert die Konkurrenz.

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Aldi bietet erstmals auch Markenartikel aus dem Standardsortiment deutlich vergünstigt als Angebot an. Los geht es unter anderem mit Coca-Cola und Butter.

„Für Aldi ist das eine vollkommene Richtungsänderung. Der Discounter hat bislang immer auf Dauerniedrigpreise gesetzt. Es gab keine Sonderangebote für Markenartikel, die dauerhaft im Anbot waren“, betonte der Handelsexperte Matthias Queck von Retailytics, der Analystengruppe der „Lebensmittel Zeitung“.

Der Grund für die Zurückhaltung: Aldi wollte keine Zweifel aufkommen lassen, dass auch der Normalpreis schon günstig ist.

Aldi senkt die Preise – das könnte zum Problem

Doch gab es da ein Problem. „Im Vergleich zu den Sonderangeboten der Konkurrenz wirkte der Aldi-Dauerpreis zuletzt immer öfter unattraktiv“, berichtete Queck. Schließlich unterbot die Konkurrenz - egal ob Lidl, Rewe oder Edeka - mit ihren Sonderangeboten wieder und wieder die Regalpreise von Aldi und säte damit Zweifel am Preisimage des Discounters.

Um in diesem Preiswettbewerb zu bestehen, sei Aldi am Ende wohl nichts anders übrig geblieben, als auch Sonderangebote einzuführen, ist Queck überzeugt. Schließlich werde gerade bei den bekannten Marken ein großer Teil im Zuge von Rotstift-Aktionen verkauft.

Die 1,25-Liter-Flasche Coca-Cola kostet bei dem Discounter demnach in der kommenden Woche 79 Cent. Das sind 20 Cent weniger als sonst. Und – im Vergleich – noch immer 10 Cent weniger als etwa bei Lidl, Aldis großem Konkurrenten. Das berichtet die „Lebensmittelzeitung“.

Kerrygold-Butter ist 70 Cent günstiger

Es ist eine Zeitenwende in der Angebotspolitik von Aldi. Denn: Günstige Angebote gab es bisher nur für Artikel, die nicht permanent im Sortiment zu finden sind – oder eben keine Markenprodukte sind. Und das, obwohl Konkurrenten wie Lidl oder Rewe das seit Jahren anders handhaben.

Auf dem Handzettel von Aldi Nord und Aldi Süd prangt neben der Cola-Flasche nun auch Butter der Marke Kerrygold. Sie kostet vom 4. bis zum 9. Februar sogar 70 Cent weniger und ist für 1,69 Euro im Angebot – das ist eine Preissenkung von 29 Prozent.

Auf Nachfrage bestätigte Aldi Nord dann auch: „Wir werden künftig innerhalb unserer Aktionswochen auch Artikel von Herstellern aus dem Standardsortiment zum Angebotspreis anbieten.“

Das hört sich laut „Lebensmittelzeitung“ (Bezahlangebot) zudem so an, als würden Aldi Süd mit Sitz in Mülheim an der Ruhr und Aldi Nord mit Sitz in Essen – seit 1961 getrennte Gesellschaften – die Markenprodukte einheitlich bewerben.

Aldi - das muss man wissen

  • Aldi ist ein Akronym und steht für Albrecht Diskont
  • In Deutschland gibt es mehr als 2300 Filialen
  • Seit 1961 ist das Unternehmen in Aldi Süd und Aldi Nord getrennt – angeblich wegen eines Streits um Zigaretten im Sortiment
  • Derzeit belegt Aldi Platz 4 im Lebensmitteleinzelhandel - nach Edeka, Rewe und Lidl/Kaufland

Preise bei Markenartikeln lassen sich leichter vergleichen – denn die gibt es in so gut wie jedem Discounter und Supermarkt. Preisänderungen werden deshalb bei Produkten wie Coca-Cola schneller sichtbar.

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Die Konkurrenz auf dem Markt der Discounter und Supermärkte ist groß. Lidl, Netto, Kaufland, Aldi – die Unternehmen versuchen, teils mit aggressiver Preispolitik, die Kunden an sich zu binden.

Aldi Nord 2018 erstmals in den roten Zahlen

Senkt ein Discounter die Preise drastisch, ziehen oft auch die anderen nach, um mithalten zu können. Das hat zur Folge, dass sich die Discounter immer wieder beim Preis für Produkte unterbieten und somit den Druck auf die Konkurrenz vergrößern. Wieso Aldi und Lidl schicker werden und mit Marken reizen.

2018 war für Aldi Nord kein gutes Geschäftsjahr. Erstmals seit der Gründung meldete der Discounter rote Zahlen. Der Umsatz stieg zwar um magere ein Prozent – am Ende blieb aber ein Minus stehen. Aldi Nord selbst sagt, man habe zu spät in die Firmeninfrastruktur investiert – und müsse nun Milliarden nachschießen.

Für die Verbraucher ist die Strategieänderung der Discounter auf den ersten Blick erst einmal eine gute Nachricht. „Der Schritt von Aldi kann den Preiskampf im Lebensmittelhandel deutlich anheizen“, glaubt Queck. Deutschland werde dadurch vielleicht eine neue Flut von Sonderangeboten sehen. „Da könnten auch neue Tiefstpreise getestet werden, wenn verschiedene Händler versuchen sich gegen Aldi zu positionieren.“

Am Ende könnte der Verbraucher der Verlierer sein

Doch ganz ungefährlich ist die Sache für die Verbraucher nach Einschätzung des Branchenkenners nicht. Mit seinen Dauerniedrigpreisen setze Aldi bislang de facto den Preisrahmen für viele Produkte im Lebensmittelhandel, betont Queck. Verlieren sie an Bedeutung, könne das dazu führen, dass das Preisniveau insgesamt etwas ansteige.

„Wenn sich der Preiskampf künftig mehr bei den Sonderangeboten als bei den Dauerniedrigpreisen abspielt, könnte der Kunde bei den „normalen“ Produkten mehr draufzahlen, als er bei den Sonderangeboten einspart“, warnte Queck und fügte dann noch hinzu: „Der Verbraucher könnte am Ende der Verlierer sein.“

Aldi erhöht Preise bei Mehl und Milch

Aldi gehört zu den beliebtesten Discountern in Deutschland – auch weil seine Produkte bei der Qualität überzeugen. So testete Stiftung Warentest kürzlich Honig von Aldi und vergab gute Noten dafür. Nicht immer kann der Discounter seine niedrigen Preise halten: Zuletzt musste Aldi bei Milch und Mehl die Preise erhöhen. (sdo)

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