Greifvogel

Falknerin vermisst Riesenseeadler Grobi - Sichtung in Ungarn

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Riesenseeadler Grobi auf der Hand seiner Halterin Carola Schossow von der Falknerei Bergisch Land in Remscheid.

Riesenseeadler Grobi auf der Hand seiner Halterin Carola Schossow von der Falknerei Bergisch Land in Remscheid.

Foto: Tanja Brandt

Remscheid/Essen.  Inzwischen ist Grobi 1000 Kilometer weit weg von seiner heimischen Falknerei. Vermisster Riesenseeadler aus Remscheid wird in Ungarn gesichtet.

Die Polizei würde den Gesuchten so beschreiben: ein Meter groß, sechs Jahre alt, trägt ein schwarz-weißes Kleid. Hinzu kämen im Falle von Grobi weitere Details: auffallend großer gelber Schnabel, eine Spannweite von 2,50 Metern...

Der Riesenseeadler hat vor knapp drei Wochen sein Zuhause verlassen, die Falknerei Bergisch Land in Remscheid. Vor zwei Wochen kreiste er noch durch das südliche Ruhrgebiet und das Bergische Land. Mitte dieser Woche wurde er in Österreich gesichtet, inzwischen ist er offenbar in einem Nationalpark in Ungarn angekommen. Carola Schossow, Leiterin der Falknerei Bergisch Land, überlegt nun, wie der imposante Greifvogel wieder zu ihr zurückkommen könnte.

Vermisster Riesenseeadler: Wie hat Grobi es so weit geschafft?

Grobi sei auf ihrem Gelände von Bussarden und Krähen attackiert worden, die derzeit ihre Brut schützen wollten, erklärt Schossow. Der Riesenseeadler habe darauf die Flucht ergriffen. Dass er es nun soweit geschafft hat, ist für die Falknerin rätselhaft: „Ich kann es mir nicht erklären. Wahrscheinlich hat er die Thermik genutzt und ist zufällig dahin geflogen.“

Vor seiner aktuellen Flucht war Grobi erst einmal verschwunden, vor einem Jahr kam er allerdings nur bis zur Sengbachtalsperre im benachbarten Solingen. Diesmal habe zunächst auch der Sender nichts genutzt, den der Riesenseeadler eigentlich trug. „Den hat er sich wohl abgebissen“, sagt Schossow, „den haben wir noch ganz in der Nähe gefunden.“

Überwältigende Resonanz nach Aufruf bei Facebook

Nachdem Grobi verschwunden war, hat Schossow auf ihrer Facebook-Seite einen Aufruf gemacht - mit überwältigender Resonanz und unzähligen Reaktionen. „Das war echter Wahnsinn“, erzählt sie. Auch ihr Telefon stehe seitdem nicht mehr still. Vor allem die Hilfsbereitschaft hat sie beeindruckt. Von Passanten, die Grobi gesehen hatten, aber auch von Kollegen, die Hilfe zusicherten: „Das war eine ganz tolle Erkenntnis.“ Aus Österreich meldeten sich Falkner, inzwischen würden auch Kontakte zu ungarischen Kollegen geknüpft, erzählt Schossow.

Sorgen macht sich Schossow um Grobi nicht: „Er frisst Aas und Fisch. Das könnte man finden.“ Außerdem sorgten befreundete Falkner für Mahlzeiten an den Orten, an denen der Riesenseeadler gesichtet worden ist. „Grobi weiß, wo es einfach ist, an Futter zu kommen.“

Grobi kam mit einem Jahr aus einem Zoo in Tschechien

Grobi sei in einem Alter von einem Jahr aus einem Zoo in Tschechien gekommen, erzählt die Falknerin. Menschen sind ihm also seit der Geburt vertraut. Die äußerst seltenen und auf der roten Liste bedrohter Arten stehenden Tiere lebten eigentlich an den nördlichen Küsten Russlands und Japans, sagt Schossow. Bei ihr wäre Grobi auch für das Nachzucht-Programm zum Erhalt der Art gedacht gewesen.

Neben dem Riesenseeadler hält Schossow nach eigenen Angaben rund 50 weitere Greifvögel, Eulen und Geier. Der Betrieb ihrer Falknerei mit Flugshows und Workshops müsse wegen der Corona-Pandemie derzeit ruhen - „gezwungenermaßen“, sagt Schossow.

„Corona“ ist es auch, was der Falknerin bei der Reise zu ihrem Adler einen Strich durch die Rechnung macht: „Man kann da ja jetzt nicht so einfach hinfahren, sonst wären wir schon unterwegs.“ Wenn das wieder möglich sei, „dann gehe ich mit Leckereien zu ihm hin und hoffe, dass er auf die Hand kommt“. Vorausgesetzt, Grobi ist in der Zwischenzeit nicht schon wieder ganz woanders hin gezogen. Sie gebe die Hoffnung nicht auf, sagt die Falknerin.

Update 4.5.2021: Am Sonntag wurde der Riesenseeadler in Ungarn eingefangen. "Grobi ist gesichert worden und jetzt im Zoo in Budapest", bestätigt Falknerin Carolo Schossow. Ein Tierarzt habe den Vogel untersucht: "Er ist sehr dünn, aber gesund." Jetzt soll Grobi zurück nach Deutschland, sagt Schossow, aber es seien noch viele Fragen offen: "Wie es weitergeht und wer ihn abholt, wissen wir noch nicht genau."

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