Vulkane

Vulkane unter Rheintal und Eifel werden wieder aktiver

Luftbild des Laacher Sees in der Eifel.

Luftbild des Laacher Sees in der Eifel.

Düsseldorf.   Experten sehen Anzeichen für eine Zunahme der Vulkanaktivität in NRW. Droht ein baldiger Ausbruch? Das will zumindest niemand ausschließen.

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Vesuv und Ätna in Italien, der Pinatubo auf den Philippinen, der aschespeiende Eyjafjallajöküll in Island und der amerikanische Mount St. Helens. Rund um den Globus haben Vulkane den Menschen Respekt, aber auch Gefühle von Angst und Bedrohung eingeflößt. Die 18 Millionen Einwohner von Nordrhein-Westfalen wissen nur wenig über den Vulkanismus vor ihrer Haustür. Doch Experten glauben: Es gibt Anzeichen für eine Zunahme der Aktivität unter Rheintal und Eifel.

Eines der Zentren liegt 20 Kilometer südlich der Landesgrenze bei Bonn im Umkreis des Laacher Sees. Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen, aber auch das Geologische Landesamt von Rheinland-Pfalz geben derzeit auf den Erdmantel unter der Osteifel acht. „Wir haben im Untergrund eine Veränderung, die aus dem Mantel kommt und die zu einer Magma-Bildung führen kann“, sagt der Essener Geologieprofessor Ulrich Schreiber. Es sei eine „Frage der Zeit, wann hier genug Magma angereichert ist, aus dem dann ein Vulkan gespeist und ein neuer Ausbruch kommen kann“.

Ausbruch vor etwa 11 .000 Jahren

Tatsächlich ist der See beim Kloster Maria Laach nahe der A 61 selbst ein Produkt eines gewaltigen Ausbruchs vor etwa 11 .000 Jahren, eine „Caldera“. Die Steinzeitmenschen der Umgebung hatten keine Chance, der Lava zu entkommen. Sie blockierte das Rheintal, ließ den Fluss anschwellen und löste Tsunamis aus. Eine Aschewolke bedeckte Mitteleuropa. Seither herrscht hier eine Phase der Ruhe. Die Magma-Kammer unter dem Laacher See sei wohl nicht verschwunden, stellt das Land Rheinland-Pfalz fest. Das Terrain bleibt unruhig.

Droht wieder eine Eruption? Könnten dann Koblenz, Köln und Bonn oder andere Städte an Rhein und Ruhr ihr Opfer werden? Die Experten sind vorsichtig, wollen weder Panik auslösen noch zu spät warnen. Keiner legt sich fest, wann dieser HotSpot erneut ausbrechen könnte. „Das kann noch Hunderte von Jahren dauern - oder auch unvorhersehbar schnell. Wir sollten gewappnet sein“, schätzt Schreiber.

Spezialist sieht "grundsätzlich ein Gefährdungspotenzial"

Der Leiter des Mainzer Landesamtes für Geologie, Prof. Georg Wieber, beruft sich auf die Deutsche Vulkanologische Gesellschaft, wenn er sagt: Es bestehe „grundsätzlich ein Gefährdungspotenzial hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit einer Vulkaneruption in der Eifel“. Hinweise auf einen „aktuell bevorstehenden Ausbruch“ gebe es nach heutigem Wissensstand jedoch nicht. Auch sei wissenschaftlich „nicht belegt“, dass die Magma-Kammer weiter nach oben dringt.

Anzeichen für Aktivität sind deutlich messbar und erkennbar

Die Experten beobachten „seismische Ereignisse, Gasaktivitäten oder Bodenbegungen“: Zum Beispiel CO2-Austritte. Sie sind im Laacher See laut Landesamt „deutlich erkennbar“. Auf „hohe Ausgasungen und hohe Radonwerte“ nahe am Rhein weist der Essener Wissenschaftler Schreiber hin. In Bad Ems komme „CO2 aus der Tiefe und durch das Wasser der Lahn sieht man das aufsteigen“.

Auch Erdbeben, viele kaum spürbar, treten in erheblichem Umfang auf. „Im Jahr 2016 wurden im Bereich der Osteifel 42 natürliche Erdbeben dokumentiert“, so Wieber. Besonders hebt die Mainzer Landesregierung Beben 2013 in 40 Kilometer Tiefe mit Magnituden von 0,7 und 0,9 hervor. Zuletzt ruckelte der Boden bei St. Goarshausen zwei Tage vor Weihnachten 2016.

Mehr Messstationen sollen vor Erdbeben warnen

Rheinland-Pfalz baut zwar jetzt sein Netz von Erdbeben-Messstationen aus. Eine vierte in der Osteifel ist in Planung. Mit NRW werden Messdaten ausgetauscht. Ulrich Schreiber, der 2006 einen Wissenschafts-Thriller über einen Eifel-Vulkanausbruch („Die Flucht der Ameisen“) veröffentlicht hat, drängt aber auf eine verstärkte Beobachtung der Gase, die aus dem Erdmantel strömen. „Mehr Messungen und eine Monitoringstation sind nötig“. Mittel in den Etats stünden derzeit nicht bereit.

Das Ausbruchsrisiko ist gering

Wie kann die Bevölkerung geschützt werden? Das Risiko eines Vulkanausbruchs sei sehr gering, sagt Samimy Wahid vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BBK) Sein Haus biete aber den zuständigen Ländern vorhandene Notfall- und Evakuierungspläne unterstützend an.

Wolle man „alle nötigen Maßnahmen in der Prävention und Vorsorge umsetzen wollen, würden alleine für ein solches Szenario viele Milliarden Euro an Steuergeldern benötigt“. Riesige Flächen für Evakuierungen seien erforderlich – und der Totalumbau bei Fahrzeugen und Flugzeugen. Ohne Umrüstung auf außenluftunabhängige Motoren würde Vulkanasche die Einsatzmittel „in weiten Teilen der Bundesrepublik“ lahm legen.

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