Interview

Wingeshäuser Sascha Böhl für Deutschen Waldpreis nominiert

Sascha Böhl, Forstunternehmer aus Wingeshausen mit einem Harvester

Sascha Böhl, Forstunternehmer aus Wingeshausen mit einem Harvester

Foto: Lisa Klaus / WP

Wingeshausen.  Der Forstunternehmer im Gespräch über seine Arbeit. Was seinen Betrieb besonders macht und welche Innovation er gegen Borkenkäfer einsetzt.

Er lebt für den Wald und hat sich mit seiner Arbeit der Erhaltung und Pflege des Forsts verschrieben – nicht ohne Grund ist darum der Wingeshäuser Forstunternehmer Sascha Böhl für den Deutschen Waldpreis in der Kategorie „Forstunternehmer des Jahres“ nominiert, am 14. September wird der Preis im Rahmen der DLG Waldtage in Lichtenau zum zweiten Mal verliehen.

Im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt Böhl, wie er zur Arbeit im Forst gekommen ist, was seinen Betrieb zu etwas Besonderem macht, was er über die derzeitige Situation des Waldes denkt und vor allem: was er tut, um dem Wald im Kampf gegen den Borkenkäfer zu helfen.

Sie sind für den Deutschen Waldpreis in der Kategorie „Forstunternehmer des Jahres“ nominiert. Wie ist es denn dazu gekommen?

Sascha Böhl Wir sind von anderen für den Preis vorgeschlagen worden und haben dann auf deren Drängen mit gemacht. Deshalb sind wir dann in die Bewerbungsphase gestartet.

Wie gestaltet sich die Bewerbungsphase?

Es gab verschiedene Kriterien, unter anderem, was den Betrieb ausmacht und was ein paar Besonderheiten des Betriebes sind. Das musste man alles darlegen.

Was sind denn die Besonderheiten Ihres Betriebes?

Zum einen sind wir eines der wenigen Forstunternehmen, die auch ein Ausbildungsbetrieb sind. Davon gibt es in Deutschland insgesamt nur etwa 20. Außerdem haben wir vor kurzem in eine technologische Innovation

investiert, einen Debarking Head. Davon gibt es in Deutschland nur wenige, von dem Hersteller, der unsere Maschine produziert, gibt es in Deutschland sogar nur drei.

Was ist so innovativ an diesem Debarking Head?

In dieser Katastrophe, die die lang anhaltende Trockenheit und der Borkenkäfer mit sich bringen, ist der Debarking Head eine gute Methode, um gegen den Käfer anzugehen. Anders als ein Harvester kann der Debarking Head die Baumstämme entrinden – das macht das Holz für den Käfer unbewohnbar, denn ohne die Rinde kann er nicht. Man könnte natürlich auch mit der Chemiekeule dagegen angehen, aber da ja heutzutage alles zertifiziert ist, darf die an vielen Orten gar nicht mehr zum Einsatz kommen.

Ist der Debarking Head ein effektives Mittel oder eher ein Tropfen auf den heißen Stein?

Es ist schon eher ein Tropfen auf den heißen Stein, bei dem, was gerade passiert. Aber wir müssen uns auf jeden Fall Gedanken darüber machen, was wir in Zukunft mit dem Wald machen. Wenn man hier aus dem

Fenster schaut, sieht man jede Menge Wald und hier und da ein paar braune Bäume dazwischen. Das ist noch nichts im Vergleich zu Arnsberg, um ein Beispiel zu nennen. Da steht kaum noch ein Baum. Natürlich ist die Situation für jeden Betroffenen dramatisch, aber woanders gibt es schon kaum noch Fichten. Wie auch in Hessen, da mussten wir eine ganze Bergkuppe entfichten.

Wäre ein Laub- oder Mischwald eine Alternative, die die Situation vereinfachen würde?

Käfer gehen auch an Laubbäume, aber die, die es gibt vermehren sich nicht in diesen Populationen wie bei der Fichte. Der Laubwald ist in unserer Region jedoch weniger wirtschaftlich. Es gibt natürlich andere Regionen, da lohnt sich die Fichte nicht. Aber eine Fichte hat nach etwa 60 Jahren das Maximum dessen, was sie an Ertrag bringen kann, erreicht. Bei einer Buche dauert das etwa 100 bis 120 Jahre. Anders ist es in der Landwirtschaft, da kann man sich von Jahr zu Jahr umstellen. Aber in der Forstwirtschaft müssen mindestens

drei Generationen damit leben. Unsere Urgroßeltern konnten nicht mit den Umständen, die heute herrschen, rechnen, als sie die Fichtenwälder gepflanzt haben. Und auch wir können ja nicht in die Zukunft schauen und wissen, ob in ein paar Jahrzehnten die Umstände für Laubwälder nicht auch bedrohend sind. Das ist auf jeden Fall ein sehr schwieriges Thema.

Eine Sache der Generationen ist es aber auch bei Ihnen, wenn es um die Leidenschaft für den Wald geht.

Das Interesse kam bei mir durch meinen Opa, der war Waldbesitzer und hat mich oft mitgenommen. Dann habe ich mich als Schüler bei Praktika im Wald in verschiedenen Bereichen ausprobiert. Ich habe auch mal ein Praktikum in einer Werkstatt gemacht und da habe ich auch gemerkt, dass die Industrie nichts für mich ist. Da war ich dann schon froh, nachdem ich den ganzen Tag in der Halle gearbeitet hatte, dass der Chef

Der Wald leidet unter Hitze und Trockenheit

mir aufgetragen hatte, draußen das Moos zwischen den Steinen wegzukratzen. Nach Schulende war dann für mich klar: Es geht in den Wald.

Sie haben ein eigenes Unternehmen gegründet. Wie kam es dazu?

Das habe ich relativ schnell nach Beendigung meiner Lehre 2001 gemacht. Damals haben viele, auch meine Eltern gedacht, was das denn nur werden soll. Ich war nach der Lehre zuerst bei der Stadt Siegen als Forstwirt, aber das hatte mit dem Forst nicht viel zu tun. Dort ging es mehr um Öffentlichkeitsarbeit und das hat einfach nicht gepasst. Gleichzeitig hatten sich noch ein paar andere nach der Lehre selbstständig gemacht und dann habe ich diesen Entschluss auch gefasst. Damals haben wir das noch im Verbund gemacht.

Wie sieht ihre Arbeit heute als Forstunternehmer aus?

Die ist ziemlich vielseitig, wir haben eine breite Produktpalette und acht Mitarbeiter. Wir kümmern uns unter anderem um die Pflege der Waldbestände. Wir haben Spezialwerkzeug, das extra für die Pflege konzipiert ist. Und dann kommen bei uns noch die Harvester und der Rückezug sowie der Debarking Head zum Einsatz.

Zusätzlich bauen Sie aber derzeit auch noch ein Geschäftsmodell, den Blockhausbau, auf.

Das hat mich schon immer interessiert. Ich war vor zwei Jahren mit zwei Mitarbeitern auf einem

Blockhauslehrgang im Schwarzwald und das hat uns so sehr gepackt, dass wir uns gesagt haben, dass wir das auch machen müssen.

Was kann man davon erwarten?

Von einem Spielhaus über einen Unterstand bis hin zu einem Wohnhaus ist alles möglich. Interessanterweise ist das jetzt auch gerade bei der Politik angekommen, dass mehr Holzhäuser im Sinne des Klimaschutzes und der Wohnungsnot gebaut werden sollten.

Was kann ein Holzhaus im Vergleich zu einem normalen Haus?

Zum einen ist die Dämmung überhaupt kein Problem, dafür verwenden wir Schafswolle, die zwischen die Stämme kommt. Außerdem atmet das Holz, anders als normale Häuser, und nimmt Feuchtigkeit, Kühle und

Wärme auf. Das ist dann richtig behaglich. Man kann das Haus so groß bauen wie man möchte – das hängt immer vom Bauherr ab. Derzeit kann man auch noch sagen, dass der Neubau von Holzhäusern günstiger ist als der Neubau eines normalen Hauses. Aber das kann sich jederzeit ändern.

Ist das nicht auch ein Weg, das Holz, das durch den Borkenkäferbefall nur noch schlecht verkäuflich ist, los zu werden?

Klar könnte man das verwenden. Aber der Käfer bringt einen Pilz mit sich, der das Holz verfärbt. Das ändert nichts an der Qualität des Holzes, aber das sieht dann nicht mehr so schön aus. Außerdem können wir nur

das Holz aus der Winterfällung verwenden, denn das führt kein Wasser. Würde man Holz verwenden, das im Saft steht, käme da auch der Pilz rein.

Wollen Sie für sich selbst auch irgendwann ein solches Blockhaus bauen?

Irgendwann wird das kommen, ja (lacht).

Mit Sascha Böhl sprach Lisa Klaus

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben