Haus- und Nutztiere

Warum die Alpakas in Birkelbach nicht nur süß anzusehen sind

Haselnuss-Blätter essen Alpakas besonders gerne.

Haselnuss-Blätter essen Alpakas besonders gerne.

Foto: Britta Prasse

Birkelbach.  Iris und Christian Dörnbach haben eine Alpaka-Ranch in Birkelbach. Aus der Wolle der Alpakas lässt sich sogar Seife herstellen.

Paco und Co. interessieren sich viel mehr für das Gras als für die Kamera. Mit gesenktem Kopf rupfen sie die Halme aus dem Boden. Hin und wieder blicken sie kurz auf, halten kauend inne und schauen sich wieder nach dem nächsten Grasbüschel um. „Einen Rasenmäher brauchen wir eigentlich nicht – höchstens für die Ecken“, sagt Christian Dörnbach und streichelt über Utahs weiches Woll-Fell. Utah ist mit seinen sieben Jahren das älteste Alpaka in der Birkelbacher Herde. Der flauschige Anführer, sozusagen. „Alpakas fand ich schon immer faszinierend“, erzählt Iris Dörnbach. Vor vier Jahren hat sie sich dann schließlich ihren Traum verwirklicht und ihre Alpaka-Ranch aufgezogen.

Der Anfang

Viel Überzeugungsarbeit musste Iris Dörnbach nicht leisten, um auch ihren Mann mit dem Alpaka-Fieber anzustecken. „Wir sind damals nach Alsfeld auf die Alpaka-Show gefahren und er war sofort begeistert.“ Sie recherchierten nach einem geeigneten Züchter und wurden auf den Alpakazuchthof Oberberg in Nümbrecht aufmerksam.

„Den fanden wir sofort klasse“, sagt Iris Dörnbach. „Die Züchterin ist gleichzeitig auch Tierärztin, der das Wohl der Tiere wirklich am Herzen liegt. Das war für uns besonders wichtig.“ Sie kauften direkt zwei Alpaka-Stuten und einen Wallach. Mittlerweile ist ihre Herde auf sieben Tiere angewachsen.


Das Lieblingsessen

An das Haus der Dörnbachs grenzt ein großes Grundstück, auf dem sie einen offenen Stall und ein Gatter angebracht haben. „Wenn wir draußen auf der Terrasse sitzen, lassen wir sie frei herumlaufen“, erzählt Christian Dörnbach. Dann traben sie mit gerecktem Hals dem Garten entgegen; klar, auf der anderen Seite ist das Gras immer viel grüner. Vor allem gibt es hier einen Haselnuss-Strauch. „Die Blätter fressen sie besonders gerne“, so Iris Dörnbach. Das ist nicht zu übersehen: Überall dort, wo die Alpakas mit ihrem Maul herankommen, ist der Haselnuss-Strauch bereits leer gezupft.

Der Hofladen

Für Iris und Christian Dörnbach sind ihre Alpakas allerdings nicht nur flauschige Haustiere, die in ihrem Garten leben; sie sind auch Nutztiere. In ihrem Hofladen verkaufen sie zum Beispiel Produkte, die aus der Alpaka-Wolle gewonnen werden. „Wir haben eine Kooperation mit der Wollmühle Dickel in Hallenberg, die die Wolle zur Strick-Wolle weiterarbeitet“, so Iris Dörnbach. Dabei wird die geschorene Wolle von den schwarzen, braunen und weißen Alpakas zusammen gelegt, so dass am Ende braun-grauer Wollgarn entsteht, der in den Verkauf geht. Etwa ein Mal pro Jahr werden die Alpakas geschoren – pro Tier fällt dabei zwischen 3 und 3,8 Kilogramm Wolle an. Diese werden eingeteilt in A- und B-Ware; ein Fohlen hat zum Beispiel ein dichteres und dickeres Fell als ein Wallach.

Aus der der B-Wolle lassen sich beispielsweise Füllungen für Bettdecken machen. Oder auch: Seife. „Die in dem Alpaka-Haar enthaltenen Proteine und das Kreatin sind sehr pflegend“, sagt Iris Dörnbach. Das weiche Haar wird in einer Lauge verflüssigt, dem Seifenleim zugesetzt und schließlich mit Inhaltsstoffen wie Oliven- oder Sheabutteröl angereichert. Bei Dörnbachs gibt es zum Beispiel Seifen in den Duftvarianten „Milch und Honig“, „Sommerlimette“ oder „Lavendel-Garten“. Sogar Rasier-Creme lässt sich aus dem Alpaka-Haar gewinnen. „Die ist super, man cremt man sich gleichzeitig ein“, so Christian Dörnbach, der komplett auf Alpaka-Rasiercreme umgestiegen ist.

Die A-Wolle wird weiterverarbeitet zu Garn. „Dadurch habe ich auch wieder selbst das Stricken angefangen“, so Iris Dörnbach und zeigt auf das Regal im Hofladen. Ob Mützen, Schals, Pulswärmer oder Handstulpen: Für den Winter ist vorgesorgt.

Die Freizeitangebote

Hin und wieder bieten Dörnbachs auch Alpaka-Wanderungen in Kleingruppen an. Wie diese ablaufen, sei jedoch nicht immer vorhersehbar. „Manchmal kann man mit ihnen zweieinhalb Stunden wandern, manchmal legen sie sich nach 200 Metern einfach hin. Und dann geht auch erstmal nichts mehr“, sagt Christian Dörnbach und lacht. In jedem Fall geben die Alpakas das Tempo vor – und das kann auch manchmal Stillstand bedeuten, wenn das Gras an der jeweiligen Stelle nun mal so gut schmeckt.

Auch die Damen des TV Rinthe waren schon auf der Alpaka-Ranch zu Besuch und haben dort ihre Yoga-Übungen gemacht. Streicheln war natürlich auch erlaubt. Das fördert schließlich die Entspannung – für Mensch und Tier.

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