Wittis in der Welt

Von Bad Berleburg nach Berlin, München und Malawi

Karla Friedemann aus Bad Berleburg

Karla Friedemann aus Bad Berleburg

Foto: Karla Friedemann / WP

Bad Berleburg/München.  Gebürtig kommt die Wahl-Münchnerin Karla Friedemann aus Bad Berleburg. Warum sie ein Jahr in Malawi lebte.

Es hat sie früh aus Bad Berleburg herausgetragen, nach dem Abitur zog sie nach Berlin und schließlich nach München – längere Zwischenstopps legte Karla Friedemann unter anderem in Malawi und einem Schweizer Bergdorf ein. Doch die Liebe zur Natur, die sie immer wieder in die weite Welt hinauszieht und in München nahe der Alpen hat sesshaft werden lassen, entwickelte sie bereits in Kinder- und Jugendtagen in Bad Berleburg.

„Ich brauche die Berge und die Natur um mich“, sagt die Wahl-Münchnerin. Die in Wittgenstein sind ihr schon zu flach – „für mich sind Berge erst dann richtige Berge, wenn sie so aussehen wie die Alpen zum Beispiel“, sagt sie lachend. Die Alpen liegen bei ihr sozusagen um die Ecke, seit sie seit ein paar Jahren in München lebt und arbeitet – dort hat sie 2017 eine Agentur für Erben gegründet. „Ich kümmere mich unter anderem um die Nachlassabwicklung und -pflegschaft“, erklärt sie. So hilft sie zum Beispiel Erben nach dem Todesfall eines Angehörigen und unterstützt unter anderem bei der Testamentsvollstreckung.


Von Bad Berleburg nach Berlin

In Deutschland sei dies noch ein recht unbekannter Berufszweig, betont sie. „Viele Menschen wissen gar nicht, was sie nach dem Tod eines Angehörigen regeln müssen“, gibt sie zu bedenken.

Sie selbst kam zu diesem Berufsfeld über Umwege. Nach dem Abitur zog sie nach Berlin, denn dort lebten bereits zwei ihrer älteren Schwestern. „Dort habe ich dann eine Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten gemacht“, erinnert sie sich. Das Bürogebäude habe 1983 – da war sie gerade 19 Jahre alt – noch großen Eindruck auf sie gemacht, berichtet sie.

Nach der abgeschlossenen Ausbildung begann sie an der Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik und machte in den darauffolgenden Jahren Aus- und Weiterbildungen bei der Rechtsanwaltskammer und der IHK Berlin und arbeitete im Anschluss in zwei Kanzleien.


Von Berlin nach Malawi

Der nächste große Umbruch in ihrem Leben kam im März 1990, als ihr Sohn Philip geboren wurde. „Ich hatte danach ein Jahr lang Erziehungsurlaub. In der Zeitung bin ich damals dann auf die Anzeige einer Ärztin gestoßen, die für ein Jahr in Malawi arbeiten würde und eine Begleitung für sich und ihren kleinen Sohn suchte“, blickt Friedemann zurück.

Sie meldete sich bei der Ärztin und die Wellenlänge zwischen den beiden Frauen stimmte. Im August 1991 reiste sie also gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn in das kleine ostafrikanische Land zwischen Mosambik, Sambia und Tansania.

„Ich kann heute sagen, dass das Jahr in Malawi eins der schönsten meines Lebens war“, schwärmt Friedemann. Das Leben in Malawi sei ein völlig anderes gewesen als hierzulande, auch Abenteuer blieben nicht aus. So ging ihr bei einer Fahrt um ein Reservat – die Strecke hatten sie und ihre Begleitung völlig unterschätzt – das Benzin aus, mitten in der unbekannten afrikanischen Dunkelheit. Mit Glück kamen sie aber doch noch zurück in ihre Unterkunft. Das Jahr in Malawi gefiel Karla Friedemann so gut, dass sie überlegte, noch ein weiteres Jahr dranzuhängen – verzichtete letztendlich aber darauf.

„Ich wollte dem Vater meines Sohnes sein Kind nicht noch ein weiteres Jahr vorenthalten“, erklärt sie die Entscheidung, doch nach Deutschland zurückzukehren. In den vergangenen Jahren war sie immer mal wieder im Urlaub in Afrika –

Malawi hat sie seit ihrem einjährigen Aufenthalt nicht mehr besucht. „Ich wollte schon seit langem wieder mal zurück“, sagt sie. Vielleicht wäre es eine schöne Idee, mit ihrem Sohn, der heute erwachsen ist, noch einmal in das afrikanische Land zurück zu kehren, überlegt sie. „Er war ja damals noch klein und kann sich nicht daran erinnern“, sagt Friedemann.


Von Berlin nach München

Zurück in Deutschland stieg Karla Friedemann als Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte in einer Berliner Kanzlei ein und arbeitete in den Folgejahren bis 2010 vor allem im Bereich des Notariats, auch in verschiedenen Berliner Kanzleien. In Kontakt mit der Abwicklung und Betreuung von Nachlässen kam sie 2010, als sie beim WWF Deutschland (World Wildlife Fund) als Referentin für Nachlassabwicklung anfing. „Manche Menschen vermachen Stiftungen wie dem WWF ihr Erbe. Das muss dann alles geregelt werden“, erklärt Friedemann.

Doch in Berlin fühlte sie sich nicht mehr wohl. „Berlin hat sich nach der Wende verändert“, blickt sie zurück und erinnert sich an die Ankunft der Menschen aus Ostdeutschland auf der Suche nach Arbeit. Auch mit dem Anblick der Stadt konnte sie sich immer weniger anfreunden. Darum verschlug es sie im Oktober 2016 nach München. „Dort ist es viel sauberer als in Berlin“, schwärmt Friedemann. Beruflich ging es für sie bei den SOS-Kinderdörfern weiter, auch dort wickelte sie Nachlässe ab und betreute potenzielle Erblasser.


Weltenbummlerin

Doch in München machte die gebürtige Berleburgerin nicht Halt. Sie stieß auf die Möglichkeit, ehrenamtlich eine

Schweizer Bergbauernfamilie zu unterstützen – und zwar mit der Kraft ihrer beiden Hände. „Als ich auf dem Bauernhof ankam, wurde ich gleich aufs Feld geschickt um zu helfen“, erinnert sich Friedemann. Zusätzlich kümmerte sie sich um die drei Söhne der Bauern.

Einen Traum erfüllte sie sich zudem im Himalaya, als sie zum Mount Everest reiste. Aber nicht nur in den Bergen fühlt sie sich wohl, auch zu Wasser ist sie wie zuhause, segelt auf dem Gardasee oder auch auf Deutschlands erstem barrierefreien Großsegelschiff, dem Rollisegler. „Dabei habe ich eine Gruppe von behinderten Menschen, überwiegend durch Schlaganfall, eine Woche auf der Ostsee begleitet.

Drei von ihnen saßen davon im Rollstuhl. Das war eine großartige Erfahrung“, berichtet sie. Nach Bad Berleburg kommt sie nicht mehr oft – wenn, dann genießt sie die heimsche Natur und die Zeit mit ihren alten Freunden. Aber dann geht es auch wieder zurück in die Welt.

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